50-jähriges Jubiläum der Dienststelle

Die Kripo im Kreis ermittelt weltweit

Die neue Kripo-Chefin: Seit Januar leitet die Erste Kriminalhauptkommissarin Gabriele Kühlewind die Regionale Kriminalitätzsinspektion in der Polizeidirektion Bad Hersfeld. Foto: Karl Schönholtz

Hersfeld-Rotenburg – Der technische Fortschritt hat die Arbeit der Kriminalpolizei im Landkreis Hersfeld-Rotenburg dramatisch verändert.

Als die örtliche Dienststelle vor genau 50 Jahren eingerichtet wurde, beschränkten sich die Zuständigkeit und der Arbeitsbereich auf das Kreisgebiet. Heute sind grenzüberschreitende Ermittlungen, die bis in andere europäische Länder oder in die Welt reichen, keine Ausnahme mehr.

„Die Internetkriminalität hat ein ganz neues Betätigungsfeld geschaffen“, sagte die Erste Polizeihauptkommissarin Gabriele Kühlewind, die seit Januar die Regionale Kriminalitätsinspektion in der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg leitet. Drogen und Waffen würden vermehrt über das Darknet beschafft, der klassische Tatort verliere an Bedeutung. 

Das der Hersfelder Dienststelle übergeordnete Polizeipräsidium Osthessen in Fulda hat mit einem Spezialkommissariat reagiert, in dem eigens ausgebildete Informatiker gegen die anonymisierte Kriminalität im Netz anarbeiten. „Das ist eine ganz andere Art der Ermittlung“, stellt Kühlewind fest, und weist darauf hin, dass Straftäter heute auch mobiler sind als früher. 

Dennoch sieht sie auch die Dienststelle in Bad Hersfeld „personell gut aufgestellt“. Das war nicht immer so: 1936 bestand die örtliche Kripo aus einem einzigen Beamten, nach dem Krieg waren es fünf. Mit der Gründung des Kriminalkommissariates 1969 erfolgte der Umzug vom Markt in das Haus Dudenstraße 14 (heute Anwaltskanzlei). Seit 1998 nutzt die Kripo Räume im Direktionsgebäude in der Kleinen Industriestraße.

Gefeiert wird das Jubiläum übrigens nicht am Stichtag 1. Mai und auch ohne großes Brimborium: Während des Hessentages im Juni ist ein internes Treffen geplant.

Interview mit Kripo-Chefin Gabriele Kühlewind

Erst zum zweiten Mal in der 50-jährigen Geschichte der Kriminalpolizei im Landkreis Hersfeld Rotenburg steht eine Frau an der Spitze. Wir haben mit der Ersten Kriminalhauptkommissarin Gabriele Kühlewind gesprochen.

Warum gibt es bei uns im Kreis nach Beate Theis erst zum zweiten Mal eine Kripo-Chefin?

Ganz einfach: Als ich angefangen habe, war ich die einzige Frau auf der ganzen Polizeistation. Frauen konnten erst seit 1981 bei der Schutzpolizei arbeiten. Es gibt also schlichtweg nicht so viele Frauen, die schon so lange im Dienst sind und deswegen auch nicht viele Kripo-Chefinnen (lacht).

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben? Unterscheidet er sich von dem eines Mannes?

Das ist schwer zu sagen. Als Frau ist man vielleicht etwas kommunikativer. Ich bin mir sicher, dass ich es anders mache als mein männlicher Vorgänger, aber sicher auch anders als andere Frauen. Das ergibt sich aus der Erfahrung und der Persönlichkeit.

Sie sind ja schon viele Jahre bei der Kripo in Bad Hersfeld. Was hat sich in dieser Zeit am dramatischsten verändert?

Im positiven Sinne sind das die technischen Möglichkeiten, die wir heute haben, angefangen vom Handy bis zum IT-Bereich. Bei den Straftaten geht es aber in die gleiche Richtung mit der boomenden Internet-Kriminalität, die es früher nicht gab und die uns jetzt vor neue Herausforderungen stellt.

Wir leben im ländlichen Raum. Man kennt sich, man begegnet sich auf der Straße. Ist diese Nähe zur Klientel mitunter ein Problem?

Nein. Es ist im Gegenteil eher so, dass man in der Stadt dann auch mal gegrüßt wird. Ich bin auch noch nie bedroht worden, musste noch nie Angst haben.

Und wie ist es umgekehrt? Hat man mit Kriminellen eher mal Mitleid, wenn man die näheren Umstände kennt?

Das kann schon vorkommen, wenn man die Leute kennt. Und das gilt für die Opfer genauso wie für die Täter. Aber Mitleid? Das ist ein bisschen viel gesagt. Ich würde da eher von Mitgefühl sprechen.

Und ist es dann so, dass einen das dann länger beschäftigt, wenn man um die Hintergründe weiß?

Es gibt sicher auch Schicksale, die einen über den Dienst hinaus beschäftigen. Aber man kann natürlich nicht jedes Schicksal zum eigenen machen.

Gibt es Entwicklungen in der Kriminalität, die Ihnen beim Blick nach vorne Sorgen machen?

Allzu große Sorgen nicht. Im Kreis ist es vergleichsweise sicher, das beweist der Blick in die Statistik. Die Schwerpunkte, die erkannt werden, werden entsprechend bearbeitet. Sei es die Drogenkriminalität, Einbruchsdiebstähle, Straftaten gegen Senioren oder große Batzen der Internetkriminalität. Absolute Sicherheit gibt es natürlich nicht, aber ich denke, wir sind da gut aufgestellt. Und es werden ja auch aktive Maßnahmen ergriffen wie bestimmte Vorbeugungsprogramme.

Sie werden bei Ihrer Arbeit ja zwangsläufig mit dem Schlechten im Menschen konfrontiert. Wie verschafft man sich da Abstand und Ausgleich?

Ich bin eigentlich grundsätzlich positiv eingestellt. Im privaten Umfeld trifft man ja nette Menschen, die beim Stressabbau unterstützen. Auch beim Yoga oder Joggen gelingt mir das Abschalten gut.

Mehr zur Kripo in der gedruckten Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.