Die Kugel rollt ohne sie: Pachtvertrag für Kegelbahn in Ronshausen endet nach 17 Jahren

Sie legen die Kugel weg: Bernd und Sabine Fritzsch auf der Ronshäuser Kegelbahn. Sabine Fritzsch betreut die Bahn nicht mehr. Foto: Meyer

Ronshausen. Tausende Male hat Sabine Fritzsch in den vergangenen 17 Jahren die Tür zur Kegelbahn im Keller des Hauses des Gastes in Ronshausen aufgeschlossen, hat Gäste umsorgt und sich um ihr kleines Reich gekümmert. Ende März nun endet der Pachtvertrag. Fritzsch hört auf.

Mit Mann und Tochter war Fritzsch schon vor der Wende aus dem Erzgebirge nach Ronshausen gezogen. Als sich für die gelernte Bürokauffrau die Gelegenheit ergab, die Kegelbahn zu übernehmen, stürzte sie sich ins Unbekannte. „Wir sind nicht so, dass wir auf der Stelle treten“, sagt sie über sich und ihren Mann.

Fortan bewirtschaftete sie die kleine Gastronomie. Bockwurst und Getränke, damit verdiente sie Geld, während sie den Betrieb der Kegelbahn für die Gemeinde Ronshausen nur betreute. Fotos, Urkunden und Pokale erzählen von dem Leben, das hier im Kegelkeller herrschte: Da waren die spannenden Wettkämpfe des ESV in der Hessenliga, da waren Kindergeburtstage und Weihnachtsfeiern - und der Junggesellenabschied, bei dem auf einmal eine Stripperin auftrat. Fritzsch lacht, wenn sie davon erzählt.

Für sie war die Betreuung der Bahn mehr als nur ein Job. Sie fühlte sich auch verantwortlich für das Drumherum, sah im Flur und den Toiletten nach dem Rechten. Und bediente ihre Gäste mit Leidenschaft. „Ich hab’s gelebt“, sagt sie über die Zeit. Selbst zur Kugel gegriffen hat sie selten.

Weniger Gruppen

Traurig ist sie darüber, dass immer weniger Menschen zum Kegeln kommen. Ältere hörten auf oder starben, und Jugendliche rücken kaum nach. Von 34 Gruppen, die regelmäßig kamen, sind nur noch 13 übrig. Durch den Weggang von Sportkegler Andreas Sekulla fallen auch noch Wettkämpfe weg, und oftmals würden Gruppen spontan absagen, wenn Fritzsch schon Vorbereitungen getroffen hat. Ein wenig enttäuscht ist sie auch, dass die Gemeinde sie nicht anstellte.

Trotzdem will sie einem möglichen Nachfolger Mut machen, denn die Arbeit hat ihr Freude gemacht. Als Geschäft eigne sich der Betrieb nicht mehr, aber als Hobby. Fritzsch selbst hat eine neue Aufgabe gefunden: Sie bedient im Breitenbacher Hof - und freut sich auf diese Aufgabe.

Nachfolger gesucht

Die Gemeinde Ronshausen sucht nun einen Nachfolger für den Betrieb der Kegelbahn. Interessenten sollten aufs Rathaus kommen oder sich formlos mit einem Schreiben bewerben, sagt Bürgermeister Markus Becker.

Der künftige Betreiber sollte Spaß am Betrieb einer kleinen Kneipe mitbringen. Sabine Fritzsch habe in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet, so Ronshausens Bürgermeister.

Über welche Wege Familie Fritzsch die DDR verließ und was die Stasi damit zu tun hatte, lesen Sie in der gedruckten Mittwochausgabe und im E-Paper unserer Zeitung.

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