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Kupfersuche in Hersfeld-Rotenburg? Unternehmen will Bodenschätze erkunden

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Von: René Dupont

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Ein Start-up aus dem Harz will erkunden, wie viel Kupfer noch rund ums Richelsdorfer Gebirge verborgen ist und ob sich ein Abbau lohnen würde. Mit dem traditionellen Bergbau – unser Foto zeigt eine alte Lore mit dem Schriftzug „Glück auf“ in Cornberg – hätte das dann allerdings nichts mehr zu tun.
Traditionsreiche Bergbauregion: Ein Start-up aus dem Harz will erkunden, wie viel Kupfer noch rund ums Richelsdorfer Gebirge verborgen ist und ob sich ein Abbau lohnen würde. Mit dem traditionellen Bergbau – unser Foto zeigt eine alte Lore in Cornberg – hätte das dann allerdings nichts mehr zu tun. © Carolin Eberth

Ein Drei-Mann-Team aus Herzberg am Harz will erkunden, ob im Richelsdorfer Gebirge und den umliegenden Bereichen Kupfer in solchen Mengen vorhanden ist, dass sich ein Abbau lohnt.

Hersfeld-Rotenburg – Dazu hat das Unternehmen Group 11 Exploration GmbH beim Bergamt in Wiesbaden den Antrag auf „Erteilung der Erlaubnis zur Aufsuchung von 21 Bodenschätzen“ gestellt. Im Zentrum steht aber die Suche nach Kupfer.

Das beantragte Erlaubnisfeld, das den Namen „Tannenberg“ trägt, liegt in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner. Alle Kommunen, die in dem Antragsfeld liegen, werden zurzeit vom Bergamt aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Dazu gehören Bebra, Cornberg, Friedewald, Heringen, Herleshausen, Ludwigsau, Nentershausen, Ringgau, Ronshausen, Rotenburg, Sontra und Wildeck. Auch die Landkreise, das Regierungspräsidium und andere Behörden und Institutionen wie die Deutsche Bahn werden aufgefordert, zu dem Antrag Stellung zu beziehen.

Die Gemeindevertretung Ronshausen hat sich bereits mit dem Antrag beschäftigt und ihm einstimmig bei drei Enthaltungen grünes Licht gegeben.

Kein Großkonzern, sondern zwei Geologen und ein Ökologe

Bei der Group 11 Exploration GmbH handelt es sich nicht um einen internationalen Großkonzern, sondern um ein Drei-Mann-Team aus Herzberg. Die Gesellschaft wurde im Jahr 2020 von zwei international erfahrenen Geologen und einem Ökologen gegründet.

„Unser Ziel ist es, den im Zuge der Energie- und Mobilitätswende künftig stark steigenden Bedarf an Kupfer und weiteren Rohstoffen umweltverträglich und nachhaltig aus heimischen Quellen zu decken“, betont der Geologe Dr. Bartosz Karykowski von der Group 11 im Gespräch mit unserer Zeitung.

Moderner Abbau nicht vor dem Jahr 2035

Im Richelsdorfer Gebirge sind 500 Jahre lang bis 1955 Kupfer, Kobalt, Nickel und Schwerspat abgebaut worden. Ein moderner Kupfer-Abbau in diesem Bereich könnte frühestens zwischen 2035 und 2040 beginnen. Im Bergbau sind die Genehmigungszeiträume sehr lang. „In typischen Bergbauländern wie Australien oder Kanada liegen sie bei sieben bis zehn Jahren. In Europa dauern sie bis zu 20 Jahre, oder es gibt gar keine Genehmigung“, sagt Dr. Bartosz Karykowski.

Bei dem Antrag auf „Erteilung der Erlaubnis zur Aufsuchung von Bodenschätzen“, geht es dem Team vor allem darum, sein Wissen zu schützen, das es sich aus Archiven und alten Bohr-Ergebnissen erarbeitet und in einer Datenbank und einem 3-D-Modell digital aufgearbeitet hat.

Diese Erlaubnis gibt einem Unternehmen erst einmal für drei Jahre die Sicherheit, dass kein Konkurrent in diesem Zeitraum ebenfalls in der Region aktiv werden darf. Ziel ist, in diesem Zeitraum damit zu beginnen zu überprüfen, ob die Ergebnisse früherer Untersuchungen heute noch der Realität entsprechen, was den Umfang und die Konzentration der Kupferlagerstätten angeht.

Die Grafik zeigt das Antragsgebiet und die darin liegenden Kommunen. Dazu gehören Bebra, Cornberg, Friedewald, Heringen, Herleshausen, Ludwigsau, Nentershausen, Ringgau, Ronshausen, Rotenburg, Sontra und Wildeck.
Die Grafik zeigt das Antragsgebiet und die darin liegenden Kommunen. Dazu gehören Bebra, Cornberg, Friedewald, Heringen, Herleshausen, Ludwigsau, Nentershausen, Ringgau, Ronshausen, Rotenburg, Sontra und Wildeck. © HNA

Dem Unternehmen geht es um den Schutz der kostbaren Datenbank

Zwei international erfahrene Geologen und ein Ökologe wollen herausfinden, ob die bisher bekannten Kupfermengen im Richelsdorfer Gebirge nur die Spitze des Eisbergs sind. Eine spannende Aufgabe, die viele Fragen aufwirft.

Das Unternehmen hat eine „Aufsuchungserlaubnis“ zur Erkundung von Bodenschätzen beantragt. Wozu berechtigt sie?

Die Erteilung einer solchen Erlaubnis berechtigt das Unternehmen nicht zu „tatsächlichen Aufsuchungshandlungen“, wie es im Gesetzestext heißt. Probebohrungen zum Beispiel sind damit noch nicht erlaubt. Die Aufsuchungserlaubnis sagt dem Unternehmen zunächst für drei Jahre lediglich das grundsätzliche und ausschließliche Recht zu, in dem Erlaubnisfeld Bodenschätze zu erkunden. Damit ist ausgeschlossen, dass ein Konkurrent dem Unternehmen im Erlaubnisfeld in dieser Zeit dazwischenfunkt. Um diese Erlaubnis zu erhalten, muss das Unternehmen vorher seine Eignung nachweisen.

Was wäre der nächste Schritt, wenn die Group 11 Exploration die Lizenz zur Aufsuchung erhalten würde?


Dann müsste das Unternehmen konkrete Betriebspläne einreichen. Jede einzelne geplante Bohrung zum Beispiel muss dann separat genehmigt werden von den Behörden, den betroffenen Kommunen und den Grundstückseigentümern. „Für diese Phase hat das Unternehmen bisher eine einzige Probebohrung geplant“, betont der Geologe Dr. Bartosz Karykowski von der Group 11. Weitere Details dazu will das Gründer-Team aber zurzeit nicht öffentlich bekannt geben, weil während der Phase der Antragsstellung immer noch andere Unternehmen das von der Group 11 Exploration erarbeitete Wissen nutzen könnten, um selbst einen Antrag auf Erkundung zu stellen.

Steckt hinter der Group 11 Exploration ein internationaler Großkonzern?

Nein. Alle drei Team-Mitglieder betreiben ihr Start-up-Unternehmen und das für das Richelsdorfer Gebirge geplante Projekt neben ihren Hauptberufen. „Wir haben unsere Ideen seit 2018 entwickelt und setzen nun unser privates Kapital ein, um diese umzusetzen. Wir haben keine Sachanlagen, keine Gebäude, keine Grundstücke, keine Maschinen“, betont Karykowski. „Was wir haben, ist eine Datenbank, erarbeitet und digitalisiert aus alten Archiven und früheren Untersuchungen. Deshalb ist es für uns so wichtig, unser geistiges Eigentum zu schützen mit einer Aufsuchungserlaubnis“.

Was treibt die Group 11 Exploration an?

Im Zuge der Energie- und Mobilitätswende wird der Bedarf an Kupfer stark steigen. „Wir wollen neben Kupfer einige von der Europäischen Union als kritisch eingestufte Rohstoffe umweltverträglich und nachhaltig aus heimischen Quellen decken“, betont Karykowski. „Jedes Windkraftrad braucht fünf bis zehn Tonnen Kupfer, jedes Megawatt an Solarenergie braucht fünf Tonnen Kupfer, Elektrofahrzeuge brauchen drei bis vier Mal so viel Kupfer wie herkömmliche Verbrenner. Auch der Ausbau der Stromnetze geht nur mit Kupfer.“ Deutschland importiert jährlich Kupfer im Wert von etwa zehn Milliarden Euro, sagen Experten. Das Metall kommt aus Chile und Australien, aber auch zunehmend aus Ländern, in denen Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit und Umweltzerstörung an der Tagesordnung sind – wie in der Demokratischen Republik Kongo und in China.

Wie sieht die Vision des Unternehmens aus?

„Unsere Vision ist, eine ethisch und ökologisch einwandfreie, nachhaltige Produktion von Kupfer in Deutschland unter Einhaltung strengster Umweltauflagen aufzubauen“, betont der 34-jährige Geologe. Dabei sollen umweltverträgliche Hightech-Methoden in der Erkundung und in einem späteren Abbau eingesetzt werden. „Deutschland muss selbst seinen Teil dazu beitragen, wenn wir wirklich das gesamte wirtschaftliche Leben elektrifizieren wollen.“ Und die Ukraine-Krise mache noch einmal besonders deutlich, dass man Zugriff auf Rohstoffe im eigenen Land haben müsse und nicht zu 100 Prozent abhängig sein dürfe. „Unser Ziel ist es, nicht mehr Kupfer aus dem Kongo nach China zu schicken, bevor es in Deutschland verarbeitet wird. Ich möchte die mit Kupfer beladenen Züge von unserem Projekt in Nord-Osthessen bis nach Kassel oder Salzgitter fahren sehen, um dort verarbeitet zu werden“, betont Karykowski. Das verkürze auch die Lieferketten und reduziere den Ausstoß von Kohlendioxid.

Wie groß sind die Chancen, Kupfer im Richelsdorfer Gebirge wieder ökonomisch abzubauen?

In den 1980er-Jahren fanden im Rahmen des Bundesbohrprogramms Untersuchungen auch dort statt. Ein Abbau erwies sich damals als nicht ökonomisch, weil die Kupfer-Konzentration zu niedrig war. Heute könnte es aber möglicherweise mit neuen Abbau-Techniken und einer anderen Marktsituation ökonomisch sinnvoll sein. Die beiden entscheidenden Fragen sind in einem solchen Fall immer: Reicht die Kupfer-Konzentration im Gestein aus und ist genügend Kupfererz vorhanden? „Die derzeit aus den 1980er-Jahren bekannten Ressourcen reichen leider niemals für ein ökonomisches Bergbauprojekt aus“, betont der Geologe. Deshalb lauten die spannenden Fragen, die das Team beantworten will: Lassen sich die bisher bekannten Daten bestätigen und sind die bislang bekannten Kupfer-Vorkommen vielleicht nur die Spitze des Eisbergs? Befindet sich in der Tiefe noch weit mehr? Es geht um eine Tiefe von rund 500 Metern und mehr. Allein die Erkundung der Vorkommen ist eine Riesenaufgabe und könnte bis zu zehn Jahre dauern.

Wie sieht ein modernes Bergwerk aus?

Ein modernes Bergwerk hat ein Mundloch mit einem Verwaltungsgebäude und einer Kupfer-Elektrolyseanlage. „Das ist in keiner Weise vergleichbar mit dem, wie früher im Richelsdorfer Gebirge Kupfer abgebaut wurde“, sagt der Geologe.

Was kostet die Erkundung und wer bezahlt das?

Die erste Phase der ersten drei Jahre mit der Genehmigung der Aufsuchungserlaubnis und einer ersten Bohrung kostet zwischen 100 000 und 120 000 Euro. Das Dreier-Team der Group 11 Exploration finanziert das aus privaten Mitteln. Ein modernes Bergwerk aufzubauen kostet zwischen zwei und fünf Milliarden Euro, betont Dr. Bartosz Karykowski. Dafür müsste dann ein internationaler Investor gefunden werden. „Und ein Investor kommt nur, wenn er weiß, dass hier ausreichend Erz für mindestens 25 Jahre vorhanden ist.“ Herauszufinden, ob das der Fall ist, haben sich die drei Männer zur Aufgabe gemacht.

In welcher Liga spielt die Group 11 Exploration?

Zur Selbsteinschätzung sagt Dr. Karykowski: „Wir sind kein Großkonzern, aber wir sind auch keine Amateure. Bei der Erkundung spielen wir schon in der höchsten Klasse mit.“

(René Dupont)

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