1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra

Töchter vom eigenen Vater jahrelang missbraucht

Erstellt:

Von: Daniel Göbel

Kommentare

Kurzzeitige Aufregung: Während einer Verhandlung gegen einen 48-jährigen Alheimer, musste das Landgericht Fulda am Dienstagmorgen geräumt werden.
Kurzzeitige Aufregung: Während einer Verhandlung gegen einen 48-jährigen Alheimer, musste das Landgericht Fulda am Dienstagmorgen geräumt werden. Der Alarm war durch Zigarettenqualm ausgelöst worden. © Daniel Göbel

Weil er seinen Stiefsohn und seine beiden leiblichen Töchter jahrelang sexuell missbraucht, misshandelt, genötigt und gedemütigt haben soll, muss sich ein 48 Jahre alter Mann aus Alheim aktuell vor der 2. großen Strafkammer am Landgericht Fulda verantworten.

Fulda/Alheim – Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehr als 60 Einzelhandlungen vor, die sich zwischen 2005 und 2018 ereignet haben sollen. Am Dienstag ließ der 48-Jährige vor Gericht von seiner Verteidigerin eine Erklärung verlesen. Demnach gesteht er die ihm zur Last gelegten Taten. Er bereue sein Verhalten und wolle sich dafür aufrichtig entschuldigen, erklärte die Rechtsanwältin, während der Angeklagte ruhig und gefasst wirkte.

Dann wurde die Verhandlung kurz unterbrochen. Aufgrund von Feueralarm musste das Gebäude evakuiert werden. Wie sich anschließend herausstellte, hatte eine Person durch Zigarettenqualm den Feueralarm ausgelöst.

Der 48-jährige Kraftfahrer, der bereits wegen Missbrauchs und Körperverletzung an seiner Halbschwester 2007 vom Amtsgericht Kassel zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, lebte damals mit seiner Ehefrau, deren drei Söhnen aus einer vorherigen Beziehung und den beiden gemeinsamen Töchtern in einem Haushalt. Wenn seine Frau, die als Verkäuferin arbeitete, außer Haus war, sollen die vorgeworfenen Taten geschehen sein, wie aus der Erklärung des Angeklagten hervorgeht.

Zunächst soll der Mann seinem damals zehnjährigen Stiefsohn Pornovideos gezeigt und ihn gezwungen haben, ihn mit der Hand zu befriedigen. Dies soll sich noch mehrfach wiederholt haben, unter anderem im Auto während eines Zwischenstopps auf einem Rastplatz.

Die ältere seiner 2001 und 2004 geborenen Töchter habe er ab dem Grundschulalter sexuell missbraucht. Zunächst soll er sich vor dem Kind ausgezogen und es gezwungen haben, ihn zu streicheln und oral zu stimulieren. Darüber hinaus hätte er versucht, in das Mädchen einzudringen. Das habe er auch dann noch weiter versucht, als sie deutlich gesagt habe, dass sie das nicht möchte. Letztlich habe sie sich dennoch zur Wehr setzen können, woraufhin der 48-Jährige von dem Kind abgelassen habe. Auch in der Folgezeit habe sie versucht, sich gegen den Vater zur Wehr zu setzen, der daraufhin mit Gewalt reagiert habe. Dies sei so weit gegangen, dass sie sich vor Angst im Schrank versteckt habe.

Auch die jüngere Tochter habe sexuelle Handlungen über sich ergehen lassen müssen. Sie habe versucht, so oft wie möglich außer Haus zu sein und beispielsweise bei Freundinnen zu übernachten, heißt es in der Anklage. Später hätte sie sich gemeinsam mit ihrem Stiefbruder der Polizei anvertraut und Anzeige erstattet. Die Ehefrau habe sich mittlerweile von ihm scheiden lassen. Über seine Erklärung hinaus, wollte sich der Angeklagte am Donnerstag vor dem Landgericht nicht äußern. Nachfragen des Gerichts, etwa, wann er aufgehört habe, sich an den Kindern zu vergehen, konnte er nicht beantworten. „Dazu kann ich nichts sagen, das ist zu lange her.“ Für den Prozess sind weitere Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil soll voraussichtlich am 20. September gefällt werden. (Daniel Göbel)

Hintergrund: Sexueller Missbrauch

Sexueller Missbrauch bezeichnet sexuelle Handlungen mit Minderjährigen oder erwachsenen, gefährdeten Personen (Kranke, Behinderte, Hilfsbedürftige), die generell oder unter Umständen auch mit Einverständnis des Betroffenen als Vergehen oder Verbrechen strafbar sind. Seit November 2016 werden Taten, die bisher als sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen bestraft wurden, als sexueller Übergriff oder Vergewaltigung bestraft. Abzugrenzen ist Missbrauch von sexueller Belästigung, die, wenn sie ohne Berührung begangen wird, mitunter rechtswidrig, aber nicht strafbar ist. (dag)

Auch interessant

Kommentare