Die Futtergäste bleiben aus

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nimmt die Zahl der Vögel drastisch ab

Die Vielfalt in der Vogelwelt nimmt auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ab: Unser Bild zeigt einen Erlenzeisig im Flug – rechts im Bild ist ein Star zu sehen, der sich an einem Apfel labt. Fotos: M. König

Hersfeld-Rotenburg. Die Vielfalt der Vögel nimmt in unserem Kreis ab. In diesem Winter fällt das deutlich auf. Ein Grund dafür ist die Landwirtschaft.

Eine beliebte Form der Vogelbeobachtung ist die winterliche Fütterung am Vogelhäuschen. Ob die Tiere wirklich darauf angewiesen sind, ist umstritten, doch für die Menschen ist es in jedem Fall ein Highlight, wenn sich seltene Vogelarten ein Stelldichein geben und vom Wohnzimmer aus beobachten lassen.

Noch nicht angekommen

In diesem Winter fällt die niedrige Zahl der Futtergäste und das Fehlen vieler Arten auf. Zwar sind bestimmte Wintergäste aus dem Norden einfach durch die bisher milden Temperaturen noch nicht hier angekommen - dazu zählen nordische Kohlmeisen, Gimpel, Zeisige sowie Buch- und Bergfinken. Doch spürt man auch bei den heimischen Arten einen deutlichen Rückgang. Die nasskalte Witterung im Frühjahr könnte eine Ursache für das schlechte Brutergebnis insbesondere bei den Meisen sein. Dagegen ist die Vogelgrippe für unsere Gartenvögel nicht gefährlich.

Ein Star zu sehen, der sich an einem Apfel labt.

Fest steht: In ganz Europa nimmt die Zahl der Vögel drastisch ab. Britische Forscher haben Ende 2014 nachgezählt und festgestellt, dass die Zahl der Vögel in Europa in den vergangenen 30 Jahren um rund 421 Millionen zurückgegangen ist. Hauptursache für diesen Schwund und den dramatischen Rückgang vieler Singvogelarten ist die Intensivierung der Landwirtschaft und der damit verbundene gesteigerte Pestizideinsatz. Effektive Spritzmittel machen Insekten und Wildkräutern den Garaus und entziehen unseren Brutvögeln damit ihre Nahrungsgrundlage. Der Mangel an Fluginsekten bringt viele Vogelarten bei der Aufzucht des Nachwuchses in einem nasskalten Frühjahr in Existenznöte.

So gelten gerade die Vögel der Agrarlandschaft als überdurchschnittlich stark gefährdet: 45 Prozent befinden sich auf der Roten Liste. Selbst die Populationen vermeintlich häufiger Arten wie Star und Feldsperling sind um rund die Hälfte zurückgegangen. Auch die große Mehrzahl der ehemals für Grün- und Ackerland typischen Pflanzen hat in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu 95 Prozent abgenommen.

Der WWF empfiehlt daher eine Wende weg von aufgeräumten, konventionell bewirtschafteten Flächen hin zum ökologischen Landbau. „Über die Hälfte der Gesamtfläche Deutschlands wird heute landwirtschaftlich genutzt. Unser Ziel muss es sein, heimische Tiere und Pflanzen auf möglichst vielfache Weise wieder in die Landwirtschaft zu integrieren“, so Tanja Dräger de Teran, Referentin für Landwirtschaft beim WWF Deutschland.

Umweltbeauftragter Heinrich Wacker berichtet von Beobachtungen: „Konnte man vor fünf Jahren zwischen Braach und Baumbach noch rund 100 Goldammern im Winter beobachten, so sind es jetzt gerade mal noch eine Handvoll dieser Vögel.“ (red/lad)

Mitmachen: Stunde der Wintervögel

Zählaktion vom 6. bis 8. Januar

Zum siebten Mal rufen NABU und LBV zur bundesweiten „Stunde der Wintervögel“ auf. Neben den „Standvögeln“, die das ganze Jahr über bei uns bleiben, lassen sich zusätzlich Wintergäste beobachten, die aus dem noch kälteren Norden und Osten nach Mitteleuropa ziehen. Nehmen auch Sie sich eine Stunde Zeit und beobachten die Vögel in Garten oder Park!

1. Vögel zählen: Suchen Sie sich einen Platz, von wo aus Sie gut beobachten können. Notieren Sie von jeder Art die höchste Anzahl der Vögel, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu sehen waren. Das vermeidet Doppelzählungen.

2. Beobachtung melden: Im Internet unter www.stundederwintervoegel.de, telefonisch unter der kostenlosen Rufnummer 08 00/1 15 71 15 (7. und 8. Januar von 10 bis 18 Uhr) oder mit einem Teilnahmeflyer des NABU. Meldeschluss ist der 16. Januar.

Anfang 2016 nahmen mehr als 93.000 Vogelfreundinnen und Vogelfreunde an der Aktion teil und zählten über 2,5 Millionen Vögel.

Welche Vogelarten auf der Roten Liste stehen und damit vom Aussterben betroffen sind, lesen Sie in der gedruckten Freitagausgabe und im E-Paper unserer Zeitung.

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