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Landkreis trifft Vorkehrungen für eventuelle längere Stromausfälle

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Gewappnet für den Ernstfall
: Kreis trifft Vorkehrungen für eventuelle längere Stromausfälle
Gewappnet für den Ernstfall : Kreis trifft Vorkehrungen für eventuelle längere Stromausfälle © Julian Stratenschulte/dpa

Angesichts der aktuellen Energiekrise bereitet man sich auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg auf mögliche Blackouts, also längere Stromausfälle, vor.

Hersfeld-Rotenburg – „Wir sind seit geraumer Zeit mit allen Protagonisten in Verbindung und versuchen, die kritische Infrastruktur zu sichern“, erklärt Thorsten Bloß, der Leiter des Katastrophenschutzes im Kreis. Dazu sei man mit den Städten und Gemeinden, aber auch mit Kliniken, Seniorenwohnheimen, Gas- und Wasserversorgern im Kontakt.

Experten halten einen längeren Stromausfall trotz der Gasmangellage für unwahrscheinlich, betont aber beispielsweise der Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Herfeld Markus Gilbert. „Unser Stromnetz in Bad Hersfeld haben wir im üblichen Rahmen sicher aufgestellt und auch Redundanzen eingebaut. Wie schon bislang, können wir selbst bei größeren Schäden meist rasch Abhilfe schaffen“, so Gilbert. Ähnlich äußern sich andere Energieversorger. Völlig auszuschließen sei ein Blackout aber nicht, räumt Gilbert ein: „Technische Fehler, Sabotage oder Angriffe sind zumindest theoretisch denkbar.“

Dieses Risiko sei aber nicht neu. Dafür gebe es Katastrophenschutzpläne, die jetzt erneut überprüft werden, bestätigt Thorsten Bloß. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Feuerwehr und das THW. „Wir können aber mit ehrenamtlichen Kräften kein Rundum-sorglos-Paket für 120 000 Menschen im Kreis schnüren, deshalb muss sich auch jeder selbst auf mögliche Stromausfälle vorbereiten“, mahnt Bloß. Im Falle eines längeren Blackouts würde nicht nur das Licht ausgehen, sondern auch Heizung, Kühlschrank, Computer, Mobilfunknetze, Tankstellen, Geldautomaten und die Wasserver- und entsorgung stark beeinträchtigt.

„Es besteht aber überhaupt kein Grund zur Panik“, stellt Katastrophenschützer Bloß klar. Gerade im ländlichen Raum, wo es noch viele Holzöfen, oft auch Gärten und eine enge Verzahnung der handelnden Personen gebe, sei man klar im Vorteil. Dennoch wolle man die Bürger sensibilisieren. Wer daheim Taschenlampen, Batterien und Lebensmittelvorräte habe, sei für den Ernstfall gewappnet.

Was ist ein Blackout?

Ein Blackout ist ein großflächiger Stromausfall. Er betrifft eine große Anzahl von Menschen gleichzeitig. Ein solcher Stromausfall entsteht, wenn das Stromnetz aus dem Gleichgewicht gerät: In das Netz muss immer genauso viel Strom eingespeist werden, wie entnommen wird. Wenn mehr Strom aus dem Netz entnommen wird, als ankommt, kann das Netz zusammenbrechen: Der Strom fällt aus. 2020 mussten deutsche Haushalte im Schnitt 10,73 Minuten ohne Strom auskommen. 

Städte sind gewappnet, „für kleine Kommunen wird es kritisch“

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald und sieht seine Stadt „gewappnet“ für mögliche Stromausfälle. Die Städte im Landkreis können seiner Meinung nach die nötigen Vorkehrungen gut bewältigen. „Für kleine Kommunen wird es aber kritisch“, meint Grunwald. Er appelliert deshalb an den Kreis, eine verlässliche Kommunikationsstruktur mit allen Gemeinden aufzubauen. „Momentan wird viel auf die Kommunen verschoben“, sagt Grunwald.

So gelte es momentan etwa, „vulnerable Gruppen“ zu identifizieren. Dazu gehörten neben Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen beispielsweise auch Haushalte, in denen Menschen gepflegt werden und die deshalb auf eine sichere Stromversorgung angewiesen sind.

Auch in Bad Hersfeld hat man sich erst im vergangenen Jahr auf Wunsch der Katastrophenschutzbehörde des Landkreises mit der Aktualisierung der kritischen Infrastruktur beschäftigt. „Das Ergebnis der Anfrage, eine Fleißaufgabe, die unseren Fachbereich Ordnungsdienste mit fünf Personen für mehrere Wochen gebunden hat, fließt in die Katastrophenschutzpläne des Landkreises ein“, teilt Stadtsprecher Meik Ebert mit.

Im Falle eines Falles würden zuerst die Feuerwehren und das THW angefordert. „Das Feuerwehrhaus der Kernstadtfeuerwehr ist mit einem fest verbauten Stromerzeuger ausgerüstet und kann im Falle eines Blackouts für mehrere Tage (je nach Strombedarf) arbeiten“, berichtet Ebert. Auch in Asbach und dem neuen Feuerwehrhaus am Johannesberg sind Notstromeinspeisungen vorgesehen.

Trotzdem hätten aktuelle Ereignisse wie die Corona-Pandemie, das Hochwasser im Ahrtal oder die globale Energiemangellage gezeigt, dass bundesweit erheblicher Nachholbedarf in den Kommunen besteht. Viele Städte und Gemeinden, in Teilen auch Bad Hersfeld, sind nicht in Gänze auf solche Lagen vorbereitet, räumt das Bad Hersfelder Rathaus ein.

So wäre laut Gesetz im Krisenfall die Einrichtung eines Verwaltungsstabes notwendig. „Hieran muss auch in Bad Hersfeld noch gearbeitet werden, gegebenenfalls auch flankiert mit einer personellen Verstärkung in der Stadtverwaltung“, heißt es dazu in einer Stellungnahme aus dem Rathaus. (Kai Struthoff)

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