Im Einvernehmen für die Natur

In Hersfeld-Rotenburg soll ein Landschaftspflegeverband gegründet werden

So idyllisch kann Landschaftspflege sein: Unser Foto zeigt die Beweidung mit Schafen und Ziegen auf dem Kalkmagerrasen des ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Weißenhasel.
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So idyllisch kann Landschaftspflege sein: Unser Foto zeigt die Beweidung mit Schafen und Ziegen auf dem Kalkmagerrasen des ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Weißenhasel.

Eigentlich verfolgen sie seit jeher dasselbe Ziel: Landwirte und Umweltschützer wollen die Ressourcen der Natur, unsere Kulturlandschaft, nachhaltig nutzen.

Hersfeld-Rotenburg – Doch viel zu oft liefen ihre Bemühungen nebeneinander her – und zuweilen sogar gegeneinander. Der viel beschworene, doch leider oft vermisste Einklang von Ökologie und Ökonomie soll nun durch die Gründung eines Landschaftspflegeverbands Hersfeld-Rotenburg hergestellt werden.

In dem Verband, der wie ein Verein organisiert ist, wollen künftig der Kreis, einzelne Gemeinden, die Landwirtschaft und Naturschützer zusammenarbeiten, um die einzigartige Landschaft in unserer Region zu schützen. „Wir wollen nicht mehr mit dem Finger aufeinander zeigen, sondern die großen Aufgaben zusammen angehen“, sagte Kreislandwirt Horst Taube bei einem Vorbereitungstreffen der Gründungsversammlung in Friedlos. „Bislang fehlte einfach die Kommunikation, wir müssen uns mehr abstimmen“, räumte auch Dieter Gothe vom Nabu Hersfeld-Rotenburg ein.

Gemeinsam für Mensch und Natur: von links Dr. Dietmar Simmering (Landeskoordinator Landschaftspflege), Dieter Gothe (Nabu), Kreislandwirt Horst Taube, Regionalmanagerin Sigrid Wetterau, Karl-Heinz Humburg (HGON) und Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann, die im Landschaftspflegeverband zusammenarbeiten.

Schon durch die Vorbereitung der Verbandsgründung sei „das Einvernehmen größer geworden“, berichtete Karl-Heinz Humburg von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), der seit Jahren gegen die zunehmende Flächenversieglung und die Ausrottung von Pflanzen- und Tierarten kämpft.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“, befand auch Harald Preßmann, der als Sprecher der Bürgermeister des Kreises die Verbandsgründung gemeinsam mit Regionalmanagerin Sigrid Wetterau begleitet. Beim Regionalforum in der Bad Hersfelder Leinweberstraße soll der neue Verband künftig angedockt sein und dort als „Dienstleister der Kommunen“ beratend alle Fragen des Landschaftsschutzes koordinieren und organisieren. In vielen Gemeindeparlamenten wurde bereits über den Beitritt zum neuen Landschaftspflegeverband abgestimmt. Neben dem Kreis wollen konkret Alheim, Bebra, Hauneck, Kirchheim, Ludwigsau, Niederaula, Ronshausen, Wildeck, Cornberg, Friedewald und vermutlich Haunetal dem Verband beitreten. Weitere Gemeinden könnten folgen. Die Vereinsarbeit soll eine Geschäftsstelle mit zwei Fachleuten übernehmen. Ihre Aufgabe wird unter anderem sein, die Projekte zur Einhaltung der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien (FFH) und die Wasserrahmenrichtlinien umzusetzen. Bei anderen Aufgaben des Landschaftspflegeverbands geht es zumeist um ganz praktische Fragen wie etwa den richtigen Gehölzschnitt, der aus Gründen der Verkehrssicherheit zuweilen nötig ist, aber immer wieder die Naturschützer wegen der fatalen Folgen für brütende Vögel erzürnt hat. Auch der Gewässerschutz und die Erhaltung von Lebensräumen etwa für den Biber, vor allem aber auch die Koordination von Ausgleichsmaßnahmen, die nach Bauvorhaben vorgeschrieben werden, sollen vom Landschaftspflegeverband gesteuert werden. Auch Schulungen sollen künftig angeboten werden.

Zwölf Landschaftspflegeverbände gibt es in Hessen

In Hessen gibt es derzeit zwölf Landschaftspflegeverbände, bundesweit sogar 180. Sie organisieren auf Kreisebene Maßnahmen zum Arten- und Biotopschutz, die Mahd und Beweidung von Feuchtwiesen und die Pflege und Pflanzung von Streuobstwiesen, Hecken und Bäumen. In dem paritätisch besetzten Vorstand sind die Kommunen, die Landwirtschaft und die Naturschutzverbände gleichberechtigt repräsentiert. Es können aber auch Privatpersonen oder Vereine, wie etwa Imker, daran mitwirken. Das Land fördert die Gründung mit bis zu 200.000 Euro. Weitere Fördermittel sollen beantragt werden. Zudem finanziert sich der Verband durch Mitgliedsbeiträge. Der Kreis etwa zahlt 5000 Euro pro Jahr, die Gemeinden werden nach einem Kostenschlüssel, der sich aus Fläche und Einwohnerzahl zusammensetzt, veranschlagt. Bislang sind elf Gemeinden dabei. 

„Behörden können nur gesetzlich regulieren, ein solcher Verband aber kann kreativ sein und zugleich auf den Nutzen für Naherholung und Tourismus achten“, erläutert Preßmann. Denn wem nützen unzählige Streuobstwiesen, wenn es keinen gibt, der sie pflegt und das Obst erntet.

Die offizielle Gründungsversammlung des Landschaftspflegverbands Hersfeld-Rotenburg e.V. soll am 22. November dieses Jahres stattfinden. (Kai A. Struthoff)

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