Lautes Geläut sorgt für Streit

Wirbel um Abschaltung der Glocke in Konrode nach Anwohner-Beschwerde

Stein des Anstoßes: Nach Beschwerden lässt die Gemeinde Schenklengsfeld prüfen, ob die Glocke im Turm in der Ortsmitte von Konrode die gesetzlichen Lärmgrenzwerte überschreitet.
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Stein des Anstoßes: Nach Beschwerden lässt die Gemeinde Schenklengsfeld prüfen, ob die Glocke im Turm in der Ortsmitte von Konrode die gesetzlichen Lärmgrenzwerte überschreitet.

Ob das Glockengeläut in Konrode den gesetzlichen Grenzwerten entspricht, soll nun eine amtliche Messung klären. Die zwischenzeitliche Abschaltung hat für Wirbel gesorgt.

Konrode – Um 6.30 Uhr, 11.30 Uhr und 18 Uhr läutet in Konrode die Glocke. Das ist mindestens seit dem Bau des Glockenturms in der Ortsmitte im Jahr 1968 so – wobei laut Dorfchronik schon um 1920 ein Vorgängerturm errichtet wurde und es bis Ende des 19. Jahrhunderts ein kleines Gotteshaus in dem heutigen Schenklengsfelder Ortsteil gab. Vom vorvergangenen Freitag bis zum darauffolgenden Dienstag blieb die Glocke allerdings stumm – und das hat für reichlich Wirbel gesorgt.

Bürgermeister Carl Christoph Möller, der das Abschalten des Läutwerks offenbar angeordnet hatte, wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern und verwies auf seine Stellvertreterin. Er selbst sei befangen – denn unter den lärmgeplagten Anwohnern sei auch seine Ehefrau.

Daher erklärt Schenklengsfelds Erste Beigeordnete Beate Lüders: Nachdem bereits in der Vergangenheit bei der Gemeindeverwaltung zwei Beschwerden von Bewohnern über die Lautstärke eingegangen seien, habe kürzlich eine Anwohnerin eine Klage mit der Begründung angedroht, dass die Glocke die gesetzlichen Lärmgrenzwerte überschreite. Die Gemeinde habe den Sachverhalt zur Prüfung an den Hessischen Städte- und Gemeindebund (HSGB) weitergeleitet. Ein Rechtsstreit könnte weitreichende Folgen haben – schließlich gebe es in den Ortsteilen insgesamt sieben Glockentürme.

Der HSGB habe die Kommune auf Urteile zu ähnlichen Fällen hingewiesen, bei denen zugunsten der Kläger entschieden worden sei, berichtet Lüders. Weil es sich nach Einschätzung des Kommunalverbandes nicht um ein kirchliches Geläut handele, habe der HSGB der Gemeinde eine amtliche Lärmmessung nahegelegt.

Als „unerträglich“ bezeichnet eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, im Namen der Betroffenen sowohl die Lautstärke als auch die Zeiten, zu denen – auch am Wochenende – geläutet werde. Das sei auch mit Blick auf zunehmendes Homeoffice und Homeschooling störend und nicht mehr zeitgemäß. Eigene Messungen hätten gezeigt, dass die Lärm-Grenzwerte der Glocke selbst innerhalb ihrer Häuser überschritten würden. Den Betroffenen gehe es darum, dass eine akzeptable Lösung gefunden wird.

Im Vergleich zu früher sei die Läutdauer bereits von vier auf zwei Minuten reduziert worden, merkt hingegen Beate Lüders an. Der Gemeindevorstand habe beschlossen, zunächst das Ergebnis der offiziellen Messung abzuwarten. Dass es vom Turm dennoch vier Tage lang still blieb, erklärt die Erste Beigeordnete so: Die Angelegenheit habe sich durch eine „unglückliche Fügung“ verselbstständigt. In der Facebook-Gruppe Schenklengsfeld.info, wo das Thema hitzig diskutiert wird, schweigt Bürgermeister Möller nicht und schreibt, dass die Glocke nicht den Anforderungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes entspreche. Die Gemeinde habe den Sachverhalt nach entsprechenden Hinweisen überprüft und Handlungsbedarf festgestellt.

Ein Großteil der 237 Konröder scheint dafür wenig Verständnis zu haben: Die Erste Beigeordnete Beate Lüders berichtet von 140 Unterschriften, die eine Initiative für den Erhalt des Geläuts gesammelt habe, sowie von zwölf bis 15 entsprechenden Reaktionen von Kindern. Auf Beschluss des Gemeindevorstandes sei das Läuten am Dienstag nach der Abschaltung wieder fortgesetzt worden.

Die offizielle Lärmmessung wurde von der Gemeinde inzwischen beauftragt. Der Termin steht noch nicht fest. Sollte die Glocke tatsächlich die Lärmgrenzwerte überschreiten, wäre das laut Beate Lüders nicht zwangsläufig das Ende des Morgen-, Mittags- und Abendläutens in Konrode. Die Gemeindegremien müssten dann entscheiden, ob am Turm eine Dämmung nachgerüstet werden soll, um die Lautstärke des Geläuts entsprechend zu reduzieren. (Jan-Christoph Eisenberg)

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