Porträt: Der Naturschützer Walter Gräf und das Schutzgebiet Rhäden

Zahllose Vögel (im Bild ein Schwan, der eine Ente scheucht), Libellen, Unken und Frösche leben im Rhäden.

Obersuhl. Walter Gräf ist ein freundlicher Herr, dessen Augen oft spitzbübisch blitzen. Die Begegnung mit ihm beginnt im Eingangsbereich des Obersuhler Naturschutzzentrums vor einer großen Landkarte an der Wand.

Das Große, Vielfältige und Zauberhafte, das Gräfs Arbeit hervorgebracht hat - ein paradiesisches Naturschutzgebiet - hier wirkt es klein und überschaubar.

Gräf fährt mit den Fingern über die Karte und erklärt: Im Dreieck zwischen Obersuhl, Bosserode und dem thüringischen Dankmarshausen liegt der so genannte Rhäden, auf der Karte wenige Quadratzentimeter groß. Tatsächlich sind es 300 Hektar Lebensraum für zahllose Vögel, Libellen, Unken, Frösche.

Der Name Walter Gräf ist fest verbunden mit dem Naturschutzgebiet zwischen Bosserode, Obersuhl und Dankmarshausen.

Das Paradies verdankt seine Auferstehung der deutschen Teilung. Die Menschen vergangener Jahrhunderte hatten das Sumpfgebiet trocken gelegt, um der Natur Ackerland abzutrotzen. Nach dem Krieg verlief die innerdeutsche Grenze durch den im Niemandsland verwildernden Rhäden. Meterweit kein Baum, kein Strauch, aber auch kein Feld, kein Traktor. Wenn überhaupt, dann nisteten hier nur ein paar versprengte Wiesenbrüter.

Wiesbaden drohte

Walter Gräfs erste Schritte als Naturschützer in den 60er-Jahren waren beherzt und munter, aber nicht planvoll. Mit Spaten und Schaufeln spazierten er und 15 Vogelschützer in den Rhäden und begannen zu buddeln. Unter den argwöhnischen Blicken der DDR-Grenzsoldaten entstanden erste Dämme und Teiche.

Dass sich bald erste Vögel in den so entstehenden Feuchtgebieten wohlfühlten, ermutigte die Truppe. Die Vogelschützer rückten mit Baggern an. Gräf erinnert sich: Die Regierung in Wiesbaden drohte mit Gefängnis und Geldstrafe. „Die Briefe habe ich monatelang liegen lassen.“ Wieder das Blitzen in den Augen. Die Vogelschützer schufen Tatsachen, die die Regierung 1973 anerkannte. Der Rhäden war ab jetzt Naturschutzgebiet.

Jahrzehnte sind vergangen. Aus den Vogelschützern wurde eine Naturschutzgruppe mit über 300 Mitgliedern, mit Hallen für Bagger, mit schönen Aussichtspunkten im Rhäden, mit einem ganzen Naturschutzzentrum und mit zahllosen Projekten für allerlei Tiere und Pflanzen.

Der Mann, der alles angestoßen hat, ist heute nicht mehr der Vorsitzende. Das passt zu Walter Gräf. Er hat Vertrauen, lässt andere machen und fördert sie. Er ist zielstrebig, dabei aber undogmatisch, vielleicht gar ein bisschen anarchisch.

Die Begegnung mit Walter Gräf endet mit einem Rundgang durch den Rhäden. Es ist friedvoll still. Schwäne schwimmen durch die von Schilf umsäumten Seen. Auf einer hölzernen schwimmenden Brutinsel sitzt eine Nilgans.

„Man muss das große Ganze im Blick haben“, erklärt Gräf. „Schauen Sie hier. Kästen für Haselmäuse. Davon haben wir 60 Stück an den Bäumen befestigt.“ Walter Gräf schaut und beobachtet, lässt dem Leben seinen Lauf.

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