Lesen und Schreiben: Hürde für viele im Kreis

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Gesamtschulen in Niedersachsen

Hersfeld-Rotenburg. Auf 7,5 Millionen wird die Zahl der sogenannten funktionalen Analphabeten in Deutschland geschätzt. Sie können nur eingeschränkt lesen oder schreiben. Auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind viele betroffen. Die Dunkelziffer ist hoch. Experten sprechen von einem Tabuthema.

Die Bundesregierung hat deshalb vor wenigen Tagen die Dekade der Alphabetisierung gestartet.

Die Volkshochschule des Kreises bietet seit gut zehn Jahren Kurse an, in denen Erwachsene Lesen und Schreiben lernen können. Leiterin ist von Beginn an Hannelore Preiß. Sie spricht von einem schleppenden Zuspruch: „Die Scham ist so groß, dass sich Betroffene nicht zu diesem Kurs anmelden.“ Sie seien dagegen Meister in der Vertuschung geworden. Häufig bemerkten nicht einmal Angehörige, dass die Schriftsprache für Vater oder Mutter eine vermeintlich nicht zu überwindende Hürde ist.

Bereits Schulkinder könnten Strategien entwickeln, durch die ihr Unvermögen im Lesen oder Schreiben nicht auffällt, weiß auch die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Anita Hofmann. Die mündliche Leistung habe einen hohen Stellenwert bei der Benotung, wenn dann noch geschickt beim Banknachbarn abgeschrieben werde, könnten immer noch ausreichende Gesamtleistungen rauskommen. Es gebe betroffene Kinder, die knapp durchschnittlich intelligent seien und so die Vertuschungstaktik im Schulalltag durchhalten.

Hofmann nennt es erschreckend, dass noch immer Schüler durchs Raster fallen. Das Kultusministerium habe zwar schon 2005 Programme zur individuellen Förderung aufgelegt, doch seien diese noch nicht in allen Schulen umgesetzt. Familien und Kitas kommt eine besondere Bedeutung zu.

Schwäche verbergen

Analphabetismus bedeutet, dass Menschen große Schwächen im Lesen oder Schreiben haben oder beides überhaupt nicht können. Nach einer Studie der Universität Hamburg von 2001 soll es in Deutschland zwei Millionen Erwachsene geben, die weder lesen noch schreiben können.

7,5 Millionen Menschen werden als funktionale Analphabeten bezeichnet. Das heißt, sie können die Schrift nicht so gebrauchen, wie es allgemein üblich ist. Die Dunkelziffer soll sehr hoch sein, weil viele Menschen sich schämen, nicht lesen und schreiben zu können. Die meisten haben Vermeidungsstrategien („Brille vergessen“) entwickelt, sodass die Schwäche nicht auffällt.

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