Nina Petri und Christian Maintz unterhielten in Cornberg mit Liebesgedichten

Der Liebe Komik im Kloster

Boten erhellende Einsichten aus dem Feld der Liebe: Nina Petri und Christian Maintz im Kloster Cornberg. Foto: Apel

Cornberg. Große Momente – kleine, innige, erhellende, verblüffende, ganz unverblümt erotische – was darf man erwarten, wenn die große Schauspielerin Nina Petri und der bekannte Autor und Germanist Christian Maintz nach Cornberg ins Kloster kommen, „Komische Liebesgedichte“ rezitieren und erhellende Einsichten ankündigen?

Das Publikum ist gespannt, als Projektmanager Berthold Theus die steinerne Bühne betritt und die beiden Protagonisten im Namen der Veranstalter und Sponsoren des Kultursommers Nordhessen willkommen heißt. Kaum haben sie an dem mit einem überdimensionierten weißen Tuch mit blauer Blende bedeckten Tisch Platz genommen, sinniert Maintz schon darüber, dass Liebe eigentlich gar nicht lustig ist und dass es meistens gar wenig zu lachen gibt.

Von Heine bis Erhardt

Trotzdem versuchen es der an der Universität Mainz Lehrende und die Festspiel-Schauspielerin. In einer Art „Präludium“ – was man getrost mit „Vorspiel“ übersetzen kann – erfreuen sie die in der Mehrzahl reiferen Damen und Herren des Auditoriums mit prägnanten Zwei- und Vierzeilern. Erdacht von Wilhelm Busch, Heinrich Heine, Erich Kästner, aber auch von Friedrich Karl Waechter und Heinz Erhardt, der den Vierzeiler von der verliebten Gans beisteuert: „Die Gans erwacht im grauen Forst erstaunt in einem Adlerhorst. Sie blickt sich um und denkt betroffen: Mein lieber Schwan, war ich besoffen.“

Frank Wedekind spricht die Dinge direkter an, doziert Maintz durchaus nicht trocken, und verweist auf „Stallknecht und Viehmagd“. Es folgen Werke von Ludwig Thoma und Erich Mühsam, und schließlich überrascht Petri die Anwesenden mit der mithilfe von Udo Lindenbergs Noten à cappella gesungenen „Sachlichen Romanze“ von Kästner. Noch amüsanter Kästners in schönstem Berlinisch gehaltenen Verse über das „Danach: … Die Ehe war zum jrößten Teile vabrühte Milch un Langeweile“. Die in der Stiftsruine in Kleists „Der zerbrochne Krug“ den Gerichtsrat Walter Gebende trägt sie mit ihrer markanten, leicht verrauchten, manchmal auch leicht verruchten, wunderbaren Stimme mit großem Vergnügen vor.

So vergeht vor immer neuen Be- und Umschreibungen der Liebe nicht nur die Liebe, sondern auch die Zeit wie im Fluge – bis schließlich Hermann Hesse den Mann von 50 Jahren davon träumen lässt, „einmal noch vorm Ende anstatt eines Buches von Goethen ein junges Mädchen an sich zu drücken.“ Nina Petri und Christian Maintz lassen das Publikum - auch unter Zuhilfenahme von Robert Gernhardt - beim Enthemden, Enthosen, Entsocken, Entzücken und Entrücken schmunzeln, dabei sein, begeistert sein, reichlich Applaus spenden und schöne, vom Germanisten Maintz kenntnisreich eingebettete, erhellende Einsichten mit nach Hause nehmen.

Von Wilfried Apel

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