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Zwischen den Zeilen: Lolls-Vorfreude, Sicherheit und fiese Betrüger

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Kai A. Struthoff
Kai A. Struthoff © LUDGER KONOPKA

In der Kolumne „Zwischen den Zeilen“ befasst sich Kai A. Struthoff mit sauren Wochen und frohen Festen.

Es ist eine seltsame Stimmung in Stadt und Land. Die Ungewissheit des kommenden Winters mit hohen Energiepreisen, Inflation und Kriegsangst drückt uns allen aufs Gemüt. Keiner weiß so recht, wie schlimm es kommen wird. Aber alle ahnen schon, das nichts mehr so ist, wie es war. Immer mehr Menschen resignieren, verlieren ihr Vertrauen in „die da oben“, und manche flüchten sich sogar in krude Verschwörungstheorien.

Um es mit Goethes Gedicht „Der Schatzgräber“ zu sagen: „Arm am Beutel, krank am Herzen, schleppt ich meine langen Tage. Armuth ist die größte Plage.“ Ja, einen Schatz würden wir jetzt wohl alle gern finden. Vielleicht ist es in dieser Situation ganz gut, endlich mal wieder beim Lullusfest ausgelassen miteinander zu feiern nach all den sauren Wochen, die hinter uns und vor allem noch vor uns liegen. Freuen wir uns also auf Lolls, Trübsal blasen können wir danach noch lange genug ...

Aber natürlich gibt es beim Feiern immer wieder diejenigen, die über die Stränge geschlagen. Dazu gehören zum Beispiel die sogenannten Wildpinkler, die sich an jeder Ecke erleichtern, obwohl rund um den Festplatz ausreichend Toiletten zur Verfügung stehen. Zu den besonders Betroffenen gehört die evangelische Stadtkirchengemeinde, die regelmäßig mit den stinkenden und ätzenden Hinterlassenschaften zu kämpfen hat. Ein Bauzaun soll das altehrwürdige Gemäuer während der tollen Tage schützen.

In diesem Jahr hat auch die Stadt reagiert und eine Videoüberwachung installiert, die zudem das Areal um Hauptportal und Nebeneingang gut ausleuchtet. Damit sollen, so war von Seiten der Kirche zu hören, nicht nur unbeherrschte Wildpinkler abgeschreckt, sondern auch Drogengeschäfte verhindert werden. Die waren im dunklen Umfeld der Kirche zuletzt verstärkt beobachtet worden. Auch eine sexuelle Belästigung hat es dort wohl gegeben. Licht und Kamera wirken hoffentlich abschreckend.

Schatzgräber der besonders bösartigen Art sind Schockanrufer, die mit erfundenen Hiobsbotschaften über Angehörige in Not, Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen versuchen. Unsere Zeitung berichtet regelmäßig über immer neue, perfide Tricks dieser Betrügerbanden, die meist im Ausland sitzen und derer unsere Polizei oft kaum habhaft werden kann. Wenn wir ehrlich sind, dann haben die meisten von uns vermutlich schon ungläubig mit dem Kopf geschüttelt, wenn sie diese Geschichten gelesen haben und gedacht: Das passiert nur etwas verhuschten, hochbetagten Menschen – aber ganz bestimmt nicht mir.

So dachte auch eine gestandene Bad Hersfelder Geschäftsfrau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Bis sie vor einigen Tagen den Anruf erhielt, dass ihre Tochter in höchster Not sei und deshalb sofort ein hoher Geldbetrag benötigt werde. „Diese Betrüger wussten so viel über mich und meine Tochter, dass ich ihnen beinahe geglaubt habe“, erzählte mir die Hersfelderin, immer noch erschüttert über die Bösartigkeit der Telefonattacke.

Die Erklärung für das genaue Vorwissen der Betrüger ist dabei recht einfach: Auf Facebook, im Internet und anderen sozialen Medien geben wir viel – zu viel – von uns Preis und dürfen uns daher nicht wundern, wenn Halunken das ausnutzen. Die Polizei ist gegen diese Art von Verbrechen nahezu machtlos. Umso mehr müssen wir selbst wachsam sein und misstrauisch. Diese Warnung unserer Hersfelder Mitbürgerin gebe ich gern weiter.

Hoffen wir jetzt aber auf ein paar unbeschwerte Tage, an denen das Schlimmste, was uns passieren kann, ein dicker Kopf ist!

(Kai A. Struthoff)

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