Erstes Fundament steht

Mit Mast 174 geht's los - Bau der Stromtrasse Wahle-Mecklar hat begonnen

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Der erste Strommast wird im Wald bei Rohrbach schon gebaut. Das Fundament ist 14 mal 14 Meter groß.

Ludwigsau. Der Startschuss für den hessischen Teil der umstrittenen 380 000-Volt-Höchststromleitung Wahle-Mecklar ist am Mittwoch in Ludwigsau gefallen.

Mit einem Abschnitt im niedersächsischen Einbeck (Landkreis Northeim) ist bereits im März begonnen worden.

Netzbetreiber Tennet rechnet damit, dass die insgesamt 230 Kilometer lange Stromtrasse, die den Großraum Braunschweig/Hannover mit Nordhessen verbindet, Ende 2021 in Betrieb gehen wird. Die Kosten für die sogenannte Drehstromleitung mit einer Gesamtleistung von drei Gigawatt beziffert Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht auf rund eine Milliarde Euro. Die Investitionssumme werde über Netzentgelte auf die Verbraucher umgelegt.

Keine einzige Klage gegen die Leitung

Bemerkenswert für ein Infrastrukturprojekt dieser Größe: In Hessen hat es keine einzige Klage gegen die Stromtrasse gegeben. „Uns ist keine Klage bekannt“, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel auf Anfrage unserer Zeitung. 

Dabei standen Tennet und die 2006 begonnenen Planungen für die 380-kV-Leitung immer wieder in der Kritik. Gegner der Höchststromleitung haben nicht nur im Landkreis Hersfeld-Rotenburg Angst vor Elektrosmog und befürchten, dass die bis zu 93 Meter hohen Masten die Landschaft verschandeln. Bürgerinitiativen bemängelten die Informationspolitik des Netzbetreibers. Auch in den Parlamenten und Rathäusern der betroffenen Kommunen war die Trasse Dauerthema. Tennet kündigte am Mittwoch einen „engen Austausch mit Grundstückseigentümern, Anwohnern, Interessensgruppen sowie politischen Entscheidern“ an. 

Der hessische Abschnitt führt über 65 Kilometer von der Landesgrenze zu Niedersachsen im Norden bis in den Ludwigsauer Ortsteil Mecklar. Auf dieser Strecke sind rund 180 Masten für die Stromtrasse geplant.

Am Montag wird betoniert

Das Fundament steht, am Montag wird betoniert: In einem Waldstück im Ludwigsauer Ortsteil Rohrbach haben die Bauarbeiten für den hessischen Abschnitt der Stromtrasse Wahle-Mecklar begonnen. 

Der erste Mast hat die Nummer 174 und wird 54,50 Meter hoch sein. Aufgestellt wird er voraussichtlich Ende August, Anfang September.

Insgesamt werden auf dem Stromtrassenabschnitt D, der sich über 65 Kilometer Länge von der Grenze zu Niedersachsen bis Ludwigsau auf hessischem Gebiet erstreckt, 180 Masten für die Drehstromleitung entstehen. Der mit 93 Metern höchste Mast steht im Melsunger Raum.

Stromnetz ist an der Kapazitätsgrenze

Der Bau der 230 Kilometer langen Höchstspannungsleitung, die vom niedersächsischen Wahle (Landkreis Peine) bis Mecklar reicht, sei notwendig geworden, „weil das Netz an seiner Kapazitätsgrenze ist“, so Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht.

Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht.

Deshalb soll die gut eine Milliarde Euro teure Trasse das Netz entlasten. Auf rund 60 Prozent der geplanten Leitung wird Wahle-Mecklar langfristig, so Lieberknecht, die bereits vorhandene 110-Kilovolt-Bahnstromleitung auf einer zusätzlichen Traverse mitnehmen. Zusätzlich soll im Bereich der Ludwigsauer Ortsteile Ober- und Niederthalhausen die bestehende 380-kV-Leitung Borken-Mecklar über etwa fünf Kilometer auf der Wahle-Mecklar-Leitung mitgeführt werden. „Nach Inbetriebnahme der neuen Leitung werden in den Bereichen der Leitungsmitnahme die alten Bestandsleitungen zurückgebaut“, sagte Lieberknecht bei einem Vor-Ort-Termin am Mittwoch.

Wie in dem Waldstück bei Rohrbach greift Tennet für den Bau vieler der 180 neuen Masten teils massiv in die Natur ein. Durchschnittlich werden für einen der Strommasten rund 2500 Quadratmeter Wald abgeholzt, sagte Lieberknecht. „Die Fläche wird anschließend aber wieder aufgeforstet.“

Ausgleichsmaßnahmen: Nistkästen und Blühstreifen

Im vergangenen Herbst, so Lieberknecht, habe Tennet im Bereich des geplanten Leitungsverlaufs 150 von insgesamt 750 Nistkästen für Singvögel, Eulen und Fledermäuse angebracht. Außerdem seien Ende Juni erste Blühstreifen im Raum Bad Hersfeld mit einer Größe von rund einem Hektar als vorgezogene Kompensationsmaßnahme vom Regierungspräsidium Kassel abgenommen worden. Die Blühstreifen dienten vor allem der Feldlerche als Brutplatz und Nahrungsraum.

Zwei Abschnitte genehmigt

Für die vollständige Ansicht der Grafik klicken Sie bitte auf das Kreuz oben rechts.

Das Gesamtprojekt der Stromleitung Wahle-Mecklar wird in vier Einzelverfahren beantragt. Bislang hat Tennet Planfeststellungsbeschlüsse – und damit Baurecht – für die Abschnitte B und D (siehe Grafik). Die Abschnitte A und C befinden sich noch im Planfeststellungsverfahren.

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