Am 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag 

Familie aus Ludwigsau hat sich für ein Kind mit Down-Syndrom entschieden

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Fröhlich und unkompliziert: Simone Dahlmann-Pierce und ihre Tochter Ivy, die das Down-Syndrom hat.

Der 21. März ist der Welt-Down-Syndrom-Tag. Er wird seit 2006 begangen und soll das öffentliche Bewusstsein für das Down-Syndrom steigern. Der 21.3. symbolisiert das dreifach Vorhandenseins des 21. Chromosoms. In unserem Beitrag erzählt die Mutter eines Kindes mit Trisomie 21 von ihren Erfahrungen.

Tann. Ivy ist ein zufriedenes, fröhliches Baby, das sich gut entwickelt. Sie kam im September 2017 mit Down-Syndrom zur Welt, geliebt und willkommengeheißen von ihrer Familie. Dass Kinder mit einer Behinderung, die schon vor der Geburt bekannt ist, geboren werden, ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr.

Auch Ivys Mutter, Simone Dahlmann-Pierce aus Tann, sah sich mit der Erwartung ihrer Frauenärztin konfrontiert, das Baby abtreiben zu lassen, als sie das Ergebnis des Tests bekam, der Ivys Behinderung feststellte. „Wollen Sie das Kind wirklich bekommen?“ sei sie bei den Vorsorgeuntersuchungen gefragt worden, berichtet Dahlmann-Pierce. Informationen zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten, wie sie das Frühförderzentrum des Klinikums bietet, erhielt sie nicht.

Alleine gelassen

Die Schwangerschaft sei unauffällig verlaufen, erzählt Simone Dahlmann-Pierce. Es habe keine Anzeichen für ein schwerwiegendes Problem gegeben. Entsprechend schockiert war sie, als die Mitarbeiterin ihrer Frauenärztin, die ihr am Telefon noch versichert habe, der Test weise nicht auf das Down-Syndrom hin, dann lapidar mitteilte, dass das Kind doch mit einer Behinderung zur Welt kommen werde und sie dann damit alleine ließ.

Für Dahlmann-Pierce und ihren Mann war jedoch klar, dass „auch ein Mensch mit Down-Syndrom zu uns gehört“. Eine Abtreibung stand für die Eltern überhaupt nicht zur Debatte. „Wir haben zuerst mal unser Kind gesehen, ein komplettes, gesundes Baby, und nicht die Behinderung“, betont sie.

Froh über Information

Trotz der unerfreulichen Erfahrungen mit ihrer Frauenärztin ist Simone Dahlmann-Pierce froh, dass sie schon vor der Geburt über die Behinderung ihrer Tochter Bescheid wusste und sich darauf einstellen konnte. Gefreut hätten sie sich allerdings über Unterstützung oder den Hinweis, dass Eltern sich schon während der Schwangerschaft im Frühförderzentrum melden können, wenn sie von Problemen ihres Kindes wissen.

Simone Dahlmann-Pierce hat zunächst vor allem das Internet genutzt, um sich zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Sie möchte jedoch gerne auch mit Eltern und ihren Kindern vor Ort Kontakt haben und freut sich sehr, dass das Frühförderzentrum am 22. März einen Austauschnachmittag für Eltern von Kindern mit Down-Syndrom organisiert.

Regelmäßig geht sie mit ihrer Tochter zur Krankengymnastik ins Frühförderzentrum. „Ivy ist etwas verzögert in ihrer Entwicklung, aber grundsätzlich sehr fit“, hat sie festgestellt. „Wir fördern ihre Stärken und weisen nicht auf ihre Schwächen hin“, gilt als Grundprinzip der Erziehung in der Familie.

Von Familie und Freunden fühlt sich Simone Dahlmann-Pierce gut unterstützt. Und auch im Dorf habe es noch keine unangenehmen Bemerkungen gegeben, ist Dahlmann-Pierce erleichtert. Schließlich hat sie sich bewusst dafür entschieden, mit ihrer Familie aus London zurück nach Waldhessen und eben aufs Dorf zu ziehen, um den Kindern ein Aufwachsen in der Natur und in der Dorfgemeinschaft zu ermöglichen.

Gerne möchte Simone Dahlmann-Pierce Kontakt zu anderen Eltern von Downsyndrom-Kindern aufnehmen:

Kontakt: dahlmannsimone@gmail.com

Hintergrund: Trisomie 21

Menschen mit Down-Syndrom haben in jeder Zelle ein Chromosom mehr. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden. Deshalb spricht man auch von Trisomie 21. Die Häufigkeit des Auftretens ist mit einer auf 800 Geburten weltweit überall gleich. Allerdings entscheiden sich viele Eltern gegen ein Kind mit Down-Syndrom, wenn sie die Diagnose vorher kennen. Das Down-Syndrom bewirkt sowohl eine Reihe körperlicher Veränderungen, unter anderem die typische Augenform, als auch eine Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten. Die Spanne reicht dabei von schwerer Behinderung bis zu fast durchschnittlicher Intelligenz. Erstmals beschrieben wurde das Down-Syndrom 1866 vom englischen Arzt Dr. Langdon Down.

Von Christine Zacharias

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