„Einzeltier auf Durchreise“

Wolfspaare in der Region gesichtet: Zweifel an offizieller Darstellung

Hat sich ein Wolfspaar im Gebiet von Ludwigsau und Alheim niedergelassen? Dieses Archivbild wurde im Tierpark Sababurg gemacht. Foto: Anja Gieseler/nh

Das Hessische Umweltministerium geht davon aus, dass die in Licherode getöteten Schafe von einem einzelnen Wolf „auf der Durchreise“ getötet wurden. Daran werden jedoch Zweifel laut. 

Gleiches gilt auch für den jüngst bestätigten Wolfsrisse im Landkreis Fulda. Nun gibt es mehrere Zeugen, die sagen, dass sie rund um Licherode und die angrenzenden Gebiete von Ludwigsau und Knüllwald in den vergangenen Monaten Wölfe, in zwei Fällen auch ein Paar, beobachtet haben. Darauf hat Thilo von Gilsa, Besitzer von Schloss Ludwigseck, unsere Zeitung aufmerksam gemacht, der ebenso wie der Besitzer der getöteten Schafe, Martin Fritsch, bezweifelt, dass ein einzelner Wolf die Tiere in Licherode getötet hat.

Ende Dezember hat Revierförster Michael Faust in Ludwigsau einen Wolf beobachtet. „An exakt der gleichen Stelle hat am 12. Januar ein Jagdgast aus Hamburg zwei Wölfe gesehen“, sagt Faust. Dabei handelt es sich um Dr. Eckard von Bodenhausen. Der bestätigt: „Ich habe während der Jagd in einem Erdsitz gesessen, als die beiden Wölfe in rund 100 Meter Entfernung vorbeiliefen.“ Anfang Februar hat laut von Gilsa eine Ziegenhalterin aus dem Nordteil des Landkreises zwei Wölfe beobachtet – unsere Zeitung konnte die Frau für eine persönliche Bestätigung nicht erreichen.

Die aktuellste Sichtung stammt von Jagdpächter Friedhelm Klockhaus. Er sagt, dass er am 3. Mai gegen 6 Uhr in der Gemeinde Knüllwald einen Wolf beobachtet hat. „Ich habe etwa 500 Meter vom Ort entfernt vom Hochsitz aus zwei flüchtende Rehe gesehen. Sie wurden von einem Wolf verfolgt. Vom Aussehen her würde ich vermuten, dass es ein Rüde war. “ Im gleichen Zeitraum, als sich der Riss der Schafe bei Licherode ereignete, wurde rund 500 Meter entfernt auf dem Gebiet der Revierförsterei Sterkelshausen eine gerissene junge Hirschkuh gefunden. Laut Hessenforst-Pressesprecher André Schulenberg wurde nicht überprüft, ob ein Wolf der Verursacher war. „Der Wolfsbeauftragte war zunächst verhindert, deswegen hat unser Förster die Spuren gesichert. Als wir von dem Riss in Licherode gehört haben, war für uns aber klar: Das war sehr wahrscheinlich der selbe Wolf.“

Riss von Iba: In zwei Wochen DNA-Analyse

Der Riss von zwei Schafen bei Iba vergangene Woche (wir berichteten) wurde mittlerweile vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) bestätigt. Die Wolfsbeauftragte Susanne Jokisch sagt, vermutlich sei ein Beutegreifer für den Übergriff verantwortlich. Es sei möglich, dass es ein Hund oder ein Wolf gewesen sei.

 „Es wurden genetische Proben genommen, deren Ergebnis in etwa zwei Wochen erwartet wird“, sagt sie. Wenn Wolfsanwesenheit nachgewiesen oder sehr wahrscheinlich sei, würden seitens des Umweltministeriums „Multiplikatoren“ darüber informiert. Darunter fallen laut Jokisch zum Beispiel Forstämter, Landwirtschaftsverwaltung, Bauernverband, Kreisverwaltung und Polizei. Ein Mitarbeiter des Kreisbauernverbandes sagt unserer Zeitung: „Wir wurden bislang dieses Jahr vom Ministerium noch nicht über Wolfsaktivitäten bei uns im Landkreis informiert.“ Eine am Montag gegenüber unserer Zeitung für Mittwoch angekündigte Pressemitteilung zur Situation des Wolfes in Hessen wird es laut Ministeriums-Pressesprecherin Ira Spriestersbach vorerst nicht geben. Nach den vermehrten Rissfunden müsse man sich erst mit dem HLNUG, das für Wolfsmanagement zuständig ist, intern abstimmen. Wie gestern bekannt wurde, wurden an Ostern bei Zierenberg vier Lämmer gerissen. Das Ergebnis der DNA-Analyse steht noch aus.

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