Erinnerung an die Schrecken des Krieges

75 Jahre nach der Luftschlacht: Gedenkfeier im Seulingswald

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Gedenkfeier im Seulingswald: Angehörige, Kommunalpolitiker und Veteranen waren an der Gedenkstätte zusammengekommen, darunter auch Bürgermeister Wilfried Hagemann, hier mit Liesel Hassenpflug, Gerald R. Pittman und Jim Bertram, sowie viele Bürger, die dem Regen trotzten. 

75 Jahre nach der dramatischen Luftschlacht über dem Seulingswald haben Hinterbliebene, Militär- und Veteranen-Vertreter, Politiker sowie über 100 Bürger der Opfer gedacht.

 Gerald R. Pittman ist ein tapferer Mann. Als 20-Jähriger kämpfte er im Dschungel von Vietnam für seine amerikanische Heimat, wurde schwer verwundet und trägt mit Stolz das „Purple Heart“. Doch an diesem Morgen zittert seine Stimme und immer wieder wischt er sich Tränen aus den Augen.

„Es ist ein sehr emotionaler Moment für mich“, sagt der 73-jährige Kalifornier, bevor er eine bewegende Rede zum Gedenken an die gefallenen Soldaten der Luftschlacht über dem Seulingswald hält. „Nur wer die Schrecken des Krieges aus erster Hand erfahren hat, weiß, was diese Flieger in ihren letzten Momenten durchlitten haben“, sagt er. Man spürt, dass Pittman weiß, wovon er spricht.

Und der Himmel weint mit ihm. Trotz des Regens haben sich über 100 Menschen an der Gedenkstätte tief im Seulingswald versammelt, die an die 136 amerikanischen und deutschen Soldaten erinnert, die an jenem furchtbaren 27. September 1944 bei der Luftschlacht über dem Seulingswald ihr Leben ließen.

Ludwigsaus Bürgermeister Wilfried Hagemann dankt in seiner Rede dem verstorbenen Walter Hassenpflug, der die Gedenkstätte imitiert und betreut hatte. Seine Witwe Liesel ist unter den Gästen. Ebenso wie viele Amerikaner – darunter auch Hinterbliebene der US-Piloten, der einstigen Kriegsgegner, die inzwischen längst zu Freunden geworden sind. Von den Piloten leben nur noch zwei hochbetagte Männer in den USA.

In seiner mahnenden Rede würdigt Hagemann die Verdienste der Amerikaner für die Aussöhnung nach dem Krieg und lobt die Freundschaft. Aber er spricht auch neue Konflikte und weltweite Spannungen an. Die „grausige Erinnerung“ an die Luftschlacht möge deshalb auch heute als Mahnung im täglichen Miteinander dienen.

Auch Daniela Schily, die Generalsekretärin des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge, warnt davor, heute wieder Politikern das Vertrauen zu schenken, die die Nazizeit als Vogelschiss der Geschichte verharmlosen. Helmut Henk erinnert im Namen der Gemeinschaft der Flieger Deutscher Streitkräfte daran, dass im Krieg auf jeder Seite, Menschen um die Opfer trauern. „Nicht Aufrechnung, sondern Versöhnung ist notwendig“, sagt er. Oberstleutnant Michael Penzler vom Kreisverbindungskommando Hersfeld-Rotenburg erklärt, diese „Gedenkstätte einer verlorenen Generation“ sei auch ein Mahnmal für die Lebenden.

Einer, der die Luftschlacht überlegt hat, ist US-Leutnant Frank Bertram. „Es war für ihn kein sehr angenehmer Besuch, als er 1944 erstmals in dieser Gegend war“, erzählt sein Sohn Jim Bertram, der für die Veteranen der Kassel Mission Historical Society spricht. Aber sein inzwischen verstorbener Vater habe ihm früher immer wieder berichtet, wie gut er von der deutschen Gemeinde damals und dann bei vielen weiteren Besuchen behandelt wurde. „Danke, dass Sie seine Freunde geworden sind“, sagt er.

Als dann das Brass-Ensemble unter Leitung von Helgo Hahn, das neben dem Gesangsverein „Liederkranz 1887 Friedlos“ die Gedenkfeier einfühlsam musikalisch umrahmt hatte, die deutsche und die amerikanische Nationalhymne anstimmt, da glänzen nicht nur in den Augen des Kriegshelds und Friedensmahners Gerald R. Pittmann wieder die Tränen. kai

Quelle: Hersfelder Zeitung

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