Erste Absichten

Ludwigsauer Gemeindevertretung diskutiert über Neuregelung der Waldbewirtschaftung

Ludwigsau. Die Gemeinde Ludwigsau will mit der Firma Center-Forst Gespräche über eine mögliche Bewirtschaftung der rund 600 Hektar kommunaler Waldflächen aufnehmen.

Gegen die Stimmen der Bürger für Ludwigsau (BfL) hat das Gemeindeparlament am Montagabend beschlossen, dass der Gemeindevorstand einen entsprechenden Letter of Intent (englisch für Absichtserklärung) auf den Weg bringt.

Hintergrund ist eine Auflage des Bundeskartellamts aus dem Jahr 2015, wonach das Land nicht mehr für private und kommunale Forstbetriebe mit einer Wirtschaftsfläche von mehr als 100 Hektar die Holzvermarktung übernehmen darf. Eine abschließende Entscheidung vom Bundesgerichtshof steht noch aus und wird am 12. Juni erwartet.

Gleichwohl möchte die Gemeinde vorbereitet sein. „Wir sind nicht unzufrieden mit der bisherigen Arbeit von Hessenforst, erklärte Erich Schmidt (SPD), Vorsitzender des Forst- und Flurausschusses. Wenn aber das Bundesgerichtshofs die Waldbewirtschaftung durch Hessenforst untersagt, wäre die Gemeinde dank Vorgesprächen mit Center-Forst schnell handlungsfähig, erläuterte Schmidt.

Für die BfL äußerte Heinrich Fink Bedenken. Er sehe keinen „dringenden Handlungsbedarf“ und plädierte dafür, das Urteil und etwaige Übergangsfristen abzuwarten, anstatt bei Center Forst falsche Erwartungen zu wecken und sich vorschnell festzulegen. Schließlich gebe es auch die Möglichkeit, sich bei der Waldbewirtschaftung mit anderen Kommunen zusammenzuschließen.

Den widersprach Bürgermeister Thomas Baumann. Der „Letter of Intent“ sei nur eine Absichtserklärung und keine Vorentscheidung für Center-Forst. Er erwarte aber nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs „einen gigantischen Nachfragedruck auf dem Markt“. Schon jetzt seien die verfügbaren Forstfachleute knapp. Die Gefahr, keine Angebote zu bekommen, sei deshalb groß, zumal der gemeindeeigene Wald mit einer Fläche von nur 600 Hektar im kommunalen Vergleich eher klein und nicht sonderlich lukrativ sein.

Mit dem „Letter of Intent“ an Center Forst wolle man lediglich Zeit gewinnen. Die Erfahrungen der Gemeinde Ludwigsau mit der kommunalen Zusammenarbeit seien zudem nicht die besten, sagte Baumann.

Diesen Argumenten folgte schließlich die Mehrheit der anwesenden Gemeindevertreter und nahm den Antrag mit den Stimmen von SPD und WGL an. (kai)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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