Bad Hersfeld hat in den vergangenen Jahren kräftig investiert – Das zahlt sich jetzt aus, engt aber die Spielräume für Neues ein

Luxusprobleme und ein Leuchtturm

Das Jahrhundertprojekt: Für 31 Millionen Euro entsteht auf dem ehemaligen Babcock-Areal am Rande der Bad Hersfelder Innenstadt der neue Schildepark mit Plaza, Veranstaltungshalle, dem Science-Center „wortreich“, Bildungseinrichtungen, Gartenlandschaften und einem neue Parkhaus. Bis Ende dieses Jahres wird ein Großteil fertig sein, der Rest bis zum Herbst 2012. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Die Kreisstadt ist der Motor der Region. Hier gibt es Arbeit, es wird eifrig gebaut, und die Festspiele sind ein kultureller Leuchtturm. All das bringt viel, kostet aber auch viel. Die Schulden wachsen.

1.Demografie: Die Zahlen sind nicht so schlimm wie anderswo: Zum 31.12. 2009 wurden 29 971 Einwohner gezählt, knapp 500 weniger als zwei Jahre zuvor. Beim Gegensteuern setzt Bad Hersfeld auf den Staubsauger-Effekt: Arbeitsplätze und die Ausrichtung als familienfreundliche Stadt.

Fazit: Das Problem ist erkannt, es wurde und wird gehandelt. Beispielsweise durch das zum Teil schon erfolgreiche Bemühen um Bildungseinrichtungen wie die künftige TU Mittelhessen.

2.Finanzen: In Bad Hersfeld wurde und wird kräftig investiert. Die Stadt hat sich beim neuen Amazon-Logistikzentrum finanziell engagiert, wie auch beim Umzug der Firma Grenzebach-BSH. Der Kurpark und die Leonard-Müller-Anlagen wurden saniert, jetzt ist das 31 Millionen Euro-Projekt Schildepark an der Reihe. Schuldenstand Ende 2011: 61 Millionen Euro, bis Ende 2014 laut Finanzplanung noch fünf Millionen mehr. „Das können wir uns leisten,“ war das Credo von Alt-Bürgermeister Boehmer. Bisher stimmt das auch. Die Haushaltspläne sind ausgeglichen, der Schuldendienst beherrschbar und geregelt.

Fazit: Damit das so bleibt, muss die Gewerbesteuer weiter kräftig fließen. Und: Auch Bad Hersfeld muss künftig sparen. Die Folge: Die Spielräume für neue Projekte werden kleiner.

3.Wirtschaft/Gewerbe: Hier hat die Stadt nur Luxusprobleme. Die Arbeitslosigkeit ist gering, allerdings werden die meisten Jobs nicht gerade üppig entlohnt. Mittelstand und Handwerk sind in der Stadt gut aufgestellt. Größere Betriebe blieben in den letzten Jahren trotz Krise von Insolvenzen verschont. Die Einkaufsstadt weist eine ausgezeichnete Zentralitätskennziffer von 170 auf. Leerstände sind in den guten Lagen die Ausnahme.

Fazit: Die Stadt hat die Wirtschaft bisher gezielt gefördert und bei Bedarf schnell gehandelt. Der Einzelhandel konnte sich darauf verlassen, dass Wildwuchs auf der grünen Wiese nicht stattfindet.

4.Infrastruktur: 13 städtische Kindergärten mit ausreichend Krippenplätzen (dazu die Einrichtungen anderer Träger), Schule bis zum Abitur, Fachhochschulen, das Klinikum am Ort, vielfältige Einkaufsmöglichkeiten, eine zentrale Lage an wichtigen Autobahnen, gute Bahn-Anbindung und kurze Wege in der Stadt – in Bad Hersfeld lebt es sich gut.

Fazit: Wenn das Niveau gehalten werden kann, ist das meiste geschafft.

5.Freizeit/Tourismus: Die Festspiele sind Bad Hersfelds Leuchtturm, deswegen lässt sich die Stadt das Sommerfestival mehr als vier Millionen Euro kosten. Das bringt Renommee und Besucher von außerhalb. Ende dieses Jahres kommt das „wortreich“ im Schildepark dazu. Für die Einheimischen: 49 Kinderspielplätze plus der einmalige Jahnpark. Ordentliches Radwege-Netz. Und um die Stadt jede Menge Wald als Naherholungsgebiet.

Fazit: Die Stadt hat sich in den vergangenen zehn Jahren nachhaltig verändert. Sie ist attraktiver geworden. Mit dem Schildepark kommt jetzt ein weiteres Schmuckstück hinzu.

Von Karl Schönholtz

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