Kritik aus Ronshäuser Ortsteil – Landkreis spricht von üblichem Vorgang

Neue Straße nach Machtlos ohne Mittellinie

Rund ein halber Meter fehlt an mehreren Abschnitten der Kreisstraße nach Machtlos, damit ein Mittelstreifen gezogen werden könnte. Das Bild zeigt Ortsvorsteher Udo Berle.
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Rund ein halber Meter fehlt an mehreren Abschnitten der Kreisstraße nach Machtlos, damit ein Mittelstreifen gezogen werden könnte. Das Bild zeigt Ortsvorsteher Udo Berle.

Die frisch sanierte Straße in den Ronshäuser Ortsteil Machtlos hat keinen Mittelstreifen. Für viele Nutzer ist das ein handfestes Ärgernis.

Die Straße nach Machtlos ist frisch saniert und die Fahrbahn so glatt wie derzeit kaum eine andere im Landkreis. Doch eines fehlt: Die vier Kilometer lange Kreisstraße hat nun keinen Mittelstreifen mehr, weil sie dafür nach der „Richtlinie für die Markierung von Straßen“ nicht breit genug ist. Vor der Sanierung gab es noch einen Mittelstreifen. Nur eine witzige Anekdote in einem Dorf, das ohnehin keinen Durchgangsverkehr hat, oder doch ein handfestes Ärgernis?

Für Ortsvorsteher Udo Berle ist es auf jeden Fall Zweiteres. „Jeder, der etwas mit Straßenbau zu tun hat, weiß doch, unter welchen Bedingungen ein Mittelstreifen gezogen werden kann. Warum wird darauf dann nicht geachtet?“, fragt er. Der Hintergrund: Laut aktuellen Richtlinien muss eine Straße mindestens 5,50 Meter breit sein, damit die Markierung in der Fahrbahnmitte gezogen werden kann. Die Linie, die es bis zur Sanierung im Herbst gab, war laut der Straßenbaubehörde Hessen Mobil schon so alt, dass sie vermutlich nach einer Vorgängerversion der aktuell gültigen Richtlinie markiert worden sei.

Reisebusse und Müllabfuhr nutzen die Straße

Nun müssen die Machtloser wohl mindestens 25 bis 30 Jahre – also bis zur nächsten grundhaften Sanierung – ohne Mittellinie leben, vermutet Berle. Das betreffe nicht nur die Einwohner, sondern auch die Gäste des Feriendorfs, die mitunter in Reisebussen kommen. Auch der Schulbus, die Müllabfuhr, Baufahrzeuge und Zulieferer für Machtloser Unternehmer wie Berle selbst müssen die Straße benutzen. Es sei also keinesfalls so, dass sowieso nur Autos die einzige asphaltierte Straße zum Ronshäuser Ortsteil nutzen. „Vom Gefühl her ist die Straße jetzt schmaler als vorher, sagen viele“, so Berle.

Viele andere Kreisstraßen ohne Mittelstreifen

Dem widersprechen der Landkreis, der bei Kreisstraßen Auftraggeber und Kostenträger ist, und Hessen Mobil. Die Straße sei im Bestand erneuert worden und habe die gleiche durchschnittliche Breite wie vor der Sanierung, so Hessen-Mobil-Sprecher Joachim Schmidt. An mehreren Stellen ist sie weniger als fünf Meter breit. Möglich seien durch die Sanierung allenfalls vereinzelt kleinere Abweichungen von fünf bis zehn Zentimetern gegenüber dem bisherigen Verlauf, fügt Kreis-Sprecherin Jasmin Krenz hinzu. Sie verweist auf mehr als 15 andere Kreisstraßen, die ebenfalls keinen Mittelstreifen haben – etwa Oberellenbach-Licherode, Cornberg-Rockensüß und die Kreisstraßen bei Dens und Solz. Der Vorgang sei also üblich, Kreisstraßen würden bei einer Sanierung nicht verbreitert.

Laut Ronshausens Bürgermeister Markus Becker wurde im Vorfeld der Sanierung nicht darüber gesprochen, dass es danach keinen Mittelstreifen mehr gebe. „Ich sehe das aber auch nicht als Problem an. Es gibt ja viele andere Straßen in der Gegend, bei denen das auch so ist.“

„Es wird weniger gerast“

Bei der Markierung geht es um Haftungsfragen, sobald es zu einem Unfall im Begegnungsverkehr kommt. Anordnen könnte die Linie laut Hessen Mobil theoretisch die zuständige Straßenverkehrsbehörde, also in Person der Landrat. Das wird laut Kreissprecherin Jasmin Krenz aber nicht passieren, denn ein Verzicht auf die Linie entspricht nicht nur den Richtlinien, an die man sich selbstverständlich halte, sondern sei auch sinnvoll. „Es fördert eine angepasste Fahrweise und verhindert Rasen“, sagt sie.

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