Pfarrer geht nach 37 Jahren in den Ruhestand

Martin Arndt: Ein Seelsorger für Generationen

Pfarrer Martin Arndt vor einem der Buntglasfenster der Ransbacher Kirche, die der Mainzer Künstler Alois Plum 1993 entworfen hat.
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Nimmt Abschied von seiner langjährigen Wirkungsstätte: Pfarrer Martin Arndt vor einem der Buntglasfenster der Ransbacher Kirche, die der Mainzer Künstler Alois Plum 1993 entworfen hat.

Seine erste Pfarrstelle war für Martin Arndt zugleich auch seine letzte. Denn nach 37 Jahren geht er nun in den Ruhestand.

Ransbach - „Es hat mir hier gefallen. Warum hätte ich weggehen sollen?“, fragt der 64-Jährige schmunzelnd. Seinen Dienst als evangelischer Seelsorger in Ransbach und Ausbach hat Arndt am 1. April 1984 angetreten. 2014 kamen noch Oberlengsfeld und Teile von Schenklengsfeld hinzu. Nach knapp 37 Jahren, rund 4000 Gottesdiensten, 1000 Beerdigungen und etwa 500 Taufen tritt Arndt nun zum Monatsende in den Ruhestand.

Sein Interesse für theologische Fragen sei schon im Kindergottesdienst sowie zur Schul- und Konfirmandenzeit in Mittelhessen geweckt worden, erinnert sich der Pfarrer. Dennoch begann er zunächst ein Studium der Mathematik und Informatik. Dass er damit nicht sein ganzes Leben verbringen wollte, sei ihm jedoch bald klar geworden: „Ich wollte kein Fachidiot werden“, erklärt Arndt.

Als Gemeindepfarrer bestand diese Gefahr nicht: „Durch die große Vielfalt der Aufgaben und Charaktere, mit denen man zu tun hat, ist das für mich der tollste Beruf, den es im Leben gibt“, unterstreicht der Theologe. Mehr als eine Generation hat Martin Arndt in seinen 37 Dienstjahren von der Taufe über die Konfirmation bis zur Hochzeit – und manchen auch bis ans Grab – begleitet. Eine Art roter Faden sei für ihn dabei gewesen, die Menschen Gott erfahren zu lassen – wenngleich es dafür keinen klaren Weg gebe und er nur die Wahrnehmung jedes einzelnen schärfen könne. Dabei habe es auch als Pfarrer durchaus Momente des Zweifels gegeben – etwa wenn ein junger Mensch beerdigt wurde. „So etwas gibt man nicht an der Garderobe ab“, sagt Arndt.

Im Laufe der Jahre hätten sowohl er als auch die Gemeinde voneinander gelernt und eine gemeinsame Entwicklung durchlaufen. Das kirchliche Leben sei heute weit weniger pfarrerzentriert als in der Anfangszeit, sondern stärker von eigenen Ideen und Initiativen der Menschen geprägt – allerdings zunehmend in Form einzelner Projekte und Aktionen. Die Bereitschaft, sich dauerhaft in kirchlichen Gruppen und Kreisen zu binden, nehme hingegen ab. In guter Erinnerung bleiben werden dem 64-Jährigen die Zusammenarbeit im Kirchenvorstand bei der Auswahl der Buntglasfenster für das Ransbacher Gotteshaus und der Renovierung der Ausbacher Bauernbarockkirche, der Aufbau der Ortsjugendpflege, die aktive Frauen- und Seniorenarbeit, die 750-Jahrfeier in Ransbach, die Friedensdekade in Schenklengsfeld, die stillen Zeiten im Advent und in der Passionszeit sowie der große Helferkreis, der sich nach anfänglicher Skepsis für die Ransbacher Flüchtlingsunterkunft gebildet habe.

Einen Gottesdienst und anschließende Gespräche in großer Runde, mit denen sich der Pfarrer unter normalen Umständen gerne von seiner Gemeinde verabschiedet hätte, wird es coronabedingt vorerst nicht geben. Sofern es die Pandemielage bis dahin zulässt, soll das am 30. Mai unter freiem Himmel nachgeholt werden. Dazu werden Martin Arndt und seine Frau dann bereits von ihrem neuen Wohnort in der Nähe von Berlin anreisen. Dort lebt eine der beiden Töchter mit ihrer Familie. Der 64-Jährige freut sich darauf, mit dem Ruhestand bald mehr Zeit zu haben für die beiden Enkel, das Fotografieren, zeitgenössische Lyrik, gute Bücher und das Erkunden der Berliner Museen sowie seiner neuen Umgebung.

Er ist sich jedoch auch bewusst, dass er dort erst einmal neu Fuß fassen muss. Den längsten Abschnitt seines Lebens habe er schließlich dort verbracht, wo er sich wohlfühlte und fast jeden kannte: An seiner ersten und zugleich letzten Pfarrstelle. (Jan-Christoph Eisenberg)

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