Mathe lernen – am besten im Team

Lehrer und Lehrerausbilder Manfred Engel aus Lispenhausen geht in den Ruhestand

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Beim Schlepper: Manfred Engel, scheidender Mathematiklehrer der Jakob-Grimm-Schule und Ausbilder am Studienseminar Kassel, wird künftig mehr Zeit für sein Hobby haben. Er macht Holz, wie es so schön heißt. In seinem Heimatdorf Lispenhausen sieht man ihn zumeist auf einem seiner beiden Traktoren.

Rotenburg. Einfach mal eine Matheaufgabe lösen, nur weil sie interessant zu sein scheint? „Das ist nicht meine Welt“, sagt der Mathematiker Manfred Engel. Viel spannender, also seine Welt, war es zu überlegen, wie man Mathematikunterricht interessant gestalten kann.

Praktisch sein ganzes Berufsleben lang, 40 Jahre, hat er daran gearbeitet, auch den vermeintlich unbegabtesten Schülern im Unterricht etwas mitzugeben. Jetzt geht der Lehrer der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule in Ruhestand.

Der Lehrer

Klar, wer das Abitur bestehen will, muss gewisse mathematische Leistungen erbringen. Man braucht Grundlagen, um Erfolge zu erzielen. Aber Matheunterricht war immer mehr: Ein Problem sehen und gemeinsam Lösungswege suchen, zuhören, sich einbringen, diskutieren, zusammen die richtige Methode wählen, um das Ergebnis zu finden – das ist gelungener Unterricht – gern gewürzt mit Humor und lebensnahen Beispielen. „Ich sehe meinen Beitrag darin, junge Menschen insgesamt voranzubringen“, sagt Manfred Engel. „Es soll bei ihnen hängenbleiben, dass es sich lohnt,wenn man sich auf den Hosenboden setzt und Lösungen sucht.“ Punkte gab es nicht für die, die einfach nur „nett dagesessen“ haben.

Die Schüler

Sie halten jung im Kopf und sie werden die Gesellschaft weiterentwickeln. Wertschätzende Begegnungen gibt es auch heute noch, auch intensive Gespräche. Engel hat stets den engen Kontakt zu den Schülern gesucht. Legendär sind seine Grillfeste und die „Sitzungen“ in seinem Kaminzimmer. Hier treffen sich auch heute noch die Abiturjahrgänge 1985 und 2007. Die 2007er haben ihn den Umgang mit Powerpoint gelehrt.

Der Ausbilder

Seit Ende der 90er-Jahre arbeitet er am Studienseminar Kassel in der Lehrerausbildung, tourt in dieser Funktion durch ganz Nordhessen. Lehrer an der JGS war er nur noch mit wenigen Stunden. Er hat den Lehrernachwuchs begleitet und angeregt, mehr als nur Formeln und Regeln zu vermitteln. Beiher hat sich Manfred Engel als Herausgeber von Büchern etabliert. Es geht immer um gelungenen Mathematikunterricht.

„Bildung ist nicht das Befüllen von Gefäßen, sondern das Entzünden des Feuers.“

Jüngstes Beispiel ist ein Praxisheft, das Referendare mit ihm erarbeitet haben: „Mathematische Unterrichtsideen rund um den Schokoladenweihnachtsmann“. Ausgangspunkt waren fünf Schokofiguren für fünf Referendare – „Macht was draus“. Eng ist die Zusammenarbeit mit Professor Werner Blum von der Uni Kassel.

Der Sportmanager

Er hat keine Ahnung von Basketball, ist aber Vizepräsident des Hessischen Basketballbundes. Er hat 1998 die Vorrunde der Frauen-WM nach Rotenburg geholt, ebenso drei Bundestage des Deutschen Basketballbundes. Angefangen hatte er als Helfer von Lehrerkollegen Norbert Raabe, der Basketball in der TG Rotenburg etablierte.

„Ich bin zuständig für die Verwaltung und kann den Trainern den Rücken freihalten“, sagt Manfred Engel. „Die sind froh, dass ich keine Ahnung vom Sport habe, weil ich ihnen nicht reinrede.“ Ehrenamtlich ist er auch Landesvorsitzender der Deutschen Vereinigung für mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht.

Der Privatmann

Manfred Engel wurde in Lispenhausen geboren und lebt noch heute dort. Abitur machte er an der JGS und ist seit seiner Referendarzeit, wieder dort. Mit seinem Vater ist er schon früh in den Wald gegangen, um Holz zu machen. Das liebt er noch heute – inzwischen unterstützt von seinem Ex-Kollegen Jimmy Prunnbauer. Am liebsten ist der 65-Jährige zu Hause und „krokelt“ an Haus und Hof. Manfred Engel ist alleinstehend. Er freut sich, dass sein Berufsleben schön war.

Abschied

Mit einem Fachtag im Audimax der Bad Hersfelder Modellschule Obersberg für aktuelle und ehemalige Referendare sowie die Kollegen der Studienseminare Kassel und Fulda verabschiedet sich Manfred Engel am Samstag, 28. Januar. Dem Kollegium der JGS Rotenburg sagt er dann am Dienstag, 31. Januar, „Tschüss“.

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