Deutschlandweit einmaliges Pilotprojekt

Medibus kann Cornberg und Nentershausen weiter versorgen: Angebot wird erweitert

Unterschriften für den Medibus: von links Ralf Hilmes (Nentershausen), Lars Böckmann (Herleshausen),Thomas Mäurer (Weißenborn), Alfred Knoch (Cornberg, Erster Beigeordneter), Thomas Eckhardt (Sontra). Archivfoto: Maurice Morth
+
Die beteiligten Kommunen haben mit aller Macht für den Erhalt des Medibusses gekämpft. Zum Beispiel mit Unterschriftenaktionen, wie hier auf unserem Archivbild. Es zeigt von links Ralf Hilmes (Nentershausen), Lars Böckmann (Herleshausen),Thomas Mäurer (Weißenborn), Alfred Knoch (Cornberg, Erster Beigeordneter), Thomas Eckhardt (Sontra).

Der Medibus, das Pilotprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, ist für drei weitere Jahre gesichert. Das steht nach zähem Ringen jetzt fest.

Cornberg/Nentershausen/Sontra – Seit Juli 2018 steuert die rollende Hausarztpraxis von montags bis donnerstags im Halbtageswechsel Cornberg, Herleshausen, Nentershausen, Sontra und Weißenborn an. Der Medibus soll die medizinische Versorgung in den Kommunen aufrechterhalten. Die Finanzierung war nur bis Ende 2020 gesichert. Das Ende des Projektes in der mit Hausärzten stark unterversorgten Region drohte.

Der Medibus kann nun mit finanzieller Unterstützung des Landes weiterfahren. Das Land hat eine finanzielle Förderung des Projekts für die nächsten drei Jahre zugesagt. „Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner sowie dem Interkommunalen Zweckverband Sontra-Herleshausen-Nentershausen haben wir vereinbart, das Projekt fortzuführen“, teilte das Land Hessen zur beschlossenen Kooperation am Freitag mit.

Das Angebot des Medibusses soll erweitert werden um pflegerische und soziale Beratung. „Insbesondere bei chronisch Erkrankten und älteren Menschen besteht oft Hilfebedarf, der die Expertise verschiedener Gesundheits- und Pflegeberufe gleichzeitig erfordert. Deshalb wollen wir in einer älter werdenden Gesellschaft vermehrt integrierte Versorgungsangebote schaffen“, heißt es in der Mitteilung des Landes Hessen. Wie genau das erweiterte Angebot beim Medibus dann aussehen wird, steht noch nicht fest.

„Wir schließen mit dem Medibus kurzfristige Versorgungslücken. Die Herausforderung der Zukunft aber ist, die wohnortnahe Versorgung der Bürger dauerhaft zu sichern. Deshalb fördert die Landesregierung auch den geplanten Ausbau des interkommunalen Gesundheitszentrums Sontra“, betont Sozialminister Kai Klose. Auch für das Zentrum ist trotz intensiver Suche bislang noch kein Arzt gefunden worden.

Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen hatten gemeinsam mit den Bürgern lange und intensiv für eine Fortführung des Projekts gekämpft. Die Rathauschefs zeigten sich erfreut, dass die rollende Hausarztpraxis erst mal weiterfährt, betonten aber auch, dass diese Zeit genutzt werden müsse, um Lösungen für die grundsätzlichen Probleme zu finden.

Die diagnostischen Möglichkeiten des Busses entsprechen hohen Standards, betont die Kassenärztliche Vereinigung. So gibt es auch ein Laborschnelltestgerät für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Lungenembolie und Beinvenenthrombose. Auch ein Lungenfunktionsmessgerät und ein Ultraschallgerät sind an Bord. Alle Patienten erhalten einen Behandlungsbericht für den Haus- oder den Facharzt. Der Medibus wird die Kommunen weiter zu den gewohnten Zeiten anfahren. 

„Auch der interkommunale Zweckverband Sontra-Herleshausen-Nentershausen begrüßt, dass das Projekt verlängert wird“, betont der Vorsitzende des Zweckverbands, Sontras Bürgermeister Thomas Eckhardt. Das schaffe für die nächsten Jahre Klarheit. „Es verschafft uns auch Zeit, für unser gemeinsames Ziel, die ärztliche Versorgung in unserer Gesundheitsregion mit dem interkommunalen Gesundheitszentrum in Sontra und den Satellitenpraxen in den beteiligten Kommunen über das dahinterstehende regionale Fachwerk Gesundheit weiter aufzubauen“, betont Eckhardt.

„Unser Zweckverband hat mit dem eingereichten Handlungskonzept für den Erhalt des Medibusses einen erfolgreichen Antrag gestellt“, sagt der Nentershäuser Bürgermeister Ralf Hilmes. „Ein großer Dank geht an alle Bürger, Gremien der Gemeinde, den Ortsbeirat Nentershausen und den Sozialverband VdK, die für den Erhalt des Busses gekämpft haben“, sagt Hilmes. „Für drei Jahre haben wir den Medibus jetzt gesichert. Er wird auch sehr gut angenommen. Das Problem der Unterversorgung in unserem Versorgungsbereich ist damit aber noch nicht gelöst. Für eine ausreichende Versorgung müssen wir weiter kämpfen“, betont Hilmes.

In Cornberg gibt es seit Jahren gar keinen Hausarzt mehr. „Der Medibus ist für uns sehr wichtig. Für die Zukunft muss die ärztliche Versorgung aber grundlegend sichergestellt werden“, sagt Cornbergs Bürgermeisterin Katja Gonzales Contreras.

„Mein Dank gilt allen Beteiligten, die sich für den Erhalt des Busses eingesetzt haben“, betont SPD-Landtagsabgeordnete Karina Fissmann, die vor Ort und in Wiesbaden für eine Fortführung gekämpft hatte. „Auch ich freue mich über die Einigung“, sagt Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt (CDU). „Ich habe seit einem halben Jahr in Wiesbaden für die Fortsetzung des Projektes geworben.“

„Der Medibus ist ein tolles Projekt. Für eine zukunftsfähige gesundheitliche Versorgung braucht es aber niedergelassene Hausärzte. Dafür wollen wir Grünen uns weiter einsetzen“, betont Landtagsabgeordnete Kaya Kinkel.

„Es ist ein eindeutiges Bekenntnis zu unserem ländlichen Raum, dass die Zukunft des Medibusses gesichert ist. Die Bemühungen aller Beteiligten haben sich gelohnt“, betont Landrat Dr. Michael Koch. Das übergeordnete Ziel bleibe aber die dauerhafte Ansiedlung von Hausärzten.

„Mir liegt die Projektregion sehr am Herzen und wir werden weiter unter größtem Einsatz daran arbeiten, Landärzte dauerhaft zur Ansiedlung zu bewegen“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Dr. Eckhard Starke.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.