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Medibus sorgt für Schlagzeilen: Land Hessen gibt 1,4 Millionen Euro – Ausweitung denkbar

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Von: René Dupont

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Sie schieben den Medibus an und sorgen mit ihrem enormen Engagement dafür, dass er mit einem starken Angebot weiter rollt: von links Dr. Eckhard Starke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Hessen, Nicole Rathgeber, Landrätin im Werra-Meißner-Kreis, Dr. Frederike Müller-Brand, krankheitsbedingte Vertretung des Medibus-Arztes, Samara Abhau, medizinische Fachangestellte, Hessens Sozialminister Kai Klose, der Nentershäuser Bürgermeister Ralf Hilmes, Anja Hoffmann, stellvertretende Pflegedienstleitung der Diakonie Eschwege Land, Cornbergs Bürgermeisterin Katja Gonzalez Contreras und Rosa-Maria Eckhardt vom Hospizdienst der Diakonie.
Sie schieben den Medibus an und sorgen mit ihrem enormen Engagement dafür, dass er mit einem starken Angebot weiter rollt: von links Dr. Eckhard Starke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Hessen, Nicole Rathgeber, Landrätin im Werra-Meißner-Kreis, Dr. Frederike Müller-Brand, krankheitsbedingte Vertretung des Medibus-Arztes, Samara Abhau, medizinische Fachangestellte, Hessens Sozialminister Kai Klose, der Nentershäuser Bürgermeister Ralf Hilmes, Anja Hoffmann, stellvertretende Pflegedienstleitung der Diakonie Eschwege Land, Cornbergs Bürgermeisterin Katja Gonzalez Contreras und Rosa-Maria Eckhardt vom Hospizdienst der Diakonie. © René Dupont

Der Medibus sorgt für Schlagzeilen – und das nicht nur in Deutschland.

Nentershausen/Cornberg/ Sontra – Selbst aus Frankreich kamen schon Anfragen, das Pilotprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) in einer Reportage vorzustellen. Und dem Land Hessen ist das Projekt so wichtig, dass es die rollende Hausarztpraxis mit 1,4 Millionen Euro unterstützt. Der Betrieb des Busses kostet insgesamt etwa 300 000 Euro pro Jahr.

Hessen Sozialminister Kai Klose hatte am Dienstagnachmittag bei seinem Besuch in Nentershausen zwar keinen großen Koffer mit Geldscheinen im Gepäck. Aber er überbrachte noch ein Mal persönlich die gute Nachricht und die Geldsumme auf Papier gedruckt.

Angesichts von Corona kam er mit etwas Verspätung nach Waldhessen. Die Nachricht war schon Mitte Dezember bekannt geworden – wir berichteten. Damit ist die Zukunft des Medibusses für die nächsten drei Jahre gesichert. Er wird also weiterhin in den Kommunen Nentershausen, Cornberg, Sontra, Weißenborn und Herleshausen unterwegs sein.

Keinen Geldkoffer im Gepäck, aber die Zahlen schwarz auf weiß: Hessens Sozialminister Kai Klose übergab symbolisch die 1,4 Millionen Euro Unterstützung des Landes an Dr. Eckhard Starke.
Keinen Geldkoffer im Gepäck, aber die Zahlen schwarz auf weiß: Hessens Sozialminister Kai Klose übergab symbolisch die 1,4 Millionen Euro Unterstützung des Landes an Dr. Eckhard Starke. © René Dupont

Eine Ausweitung auf Nachbarkommunen sei in Zukunft durchaus denkbar

„Unser Ziel ist, die medizinische und pflegerische Versorgung auch in ländlichen Gebieten langfristig zu sichern und innovative Ideen zu unterstützen. Eine solche ist der Medibus 2.0“, sagte Hessens Sozialminister Kai Klose. „Der Medibus ist ein Musterbeispiel für gelebte Zusammenarbeit zwischen den Institutionen vor Ort, der öffentlichen Verwaltung und den Leistungserbringern. Außerdem trägt er dazu bei, die Hausärzte zu entlasten“ sagte Klose.

„Eine Ausweitung auf Nachbarkommunen ist in Zukunft durchaus denkbar, wenn es an einem bisherigen Standort keinen Bedarf mehr für den Medibus geben sollte. Da gibt es also einen kleinen Spielraum für andere Kommunen“, betonte Dr. Eckhard Starke, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Der Einsatz eines zweiten Busses ist allerdings nicht geplant.“ Der Medibus sei mit Blick auf die hausärztliche Versorgung in der Region derzeit kaum bis überhaupt nicht zu ersetzen, sagte Starke und bedankte sich für die finanzielle Unterstützung des Landes.

Alle Redner waren sich einig, dass der Medibus eine Übergangslösung ist. Ziel sei, wieder Ärzte vor Ort zu haben. Auch der Nentershäuser Bürgermeister Ralf Hilmes bedankte sich für die Unterstützung dieses enorm wichtigen Projektes. „Wir haben kommunale Ärztehäuser auf den Weg gebracht und damit unsere Hausaugaben gemacht“, betonte Hilmes allerdings auch.

„Auf Dauer brauchen die Menschen ihren persönlichen Arzt vor Ort“

„Der Medibus ist unter den derzeitigen Bedingungen für unsere Kommunen eine große Bereicherung, da durch dessen Einsatz die medizinische Grundversorgung sichergestellt werden kann“, sagte Katja Gonzalez Contreras, Bürgermeisterin der Gemeinde Cornberg. Dort gibt es schon seit Jahren keinen Hausarzt mehr.

Auch Nicole Rathgeber, Landrätin des Werra-Meißner-Kreises, begrüßte die Fortführung und Ausweitung des Medibus-Angebots als Überbrückungslösung. „Auf Dauer brauchen die Menschen ihren persönlichen Arzt vor Ort, dem sie sich anvertrauen können“, sagte Rathgeber.

Zurzeit ist der Medibus-Arzt Dr. Ulrich Paul selbst krank. Vertreten wird er seit Montag von Dr. Frederike Müller-Brand aus Kassel. Mittlerweile ist Dr. Paul seit 2018 der sechste Arzt im Bus. Mit ihm soll wieder Kontinuität kommen. Er hat einen Vertrag für drei Jahre als Medibus-Arzt unterschrieben.

Freitags soziale Beratung der Diakonie und des Hospizvereins

Seit 1. Januar gibt es freitags ein zusätzliches Beratungsangebot der Diakonie Eschwege Land und des Hospizdienstes Freunde und Förderer der Diakonie im Medibus. Freitags ist kein Arzt an Bord. Der Bus macht freitags jeweils von 9 bis 13 Uhr im Wechsel Station in Nentershausen, Cornberg und Weißenborn. In einer offenen Sprechstunde können sich Interessierte pflegerisch und sozial beraten lassen. Themen sind unter anderem die häusliche Krankenpflege oder Beantragung eines Pflegegrades. Auch Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht gehören zu dem Beratungsangebot.

Es gibt außerdem die Möglichkeit, mit dem ambulanten Hospizdienst in Verbindung zu treten und sich auch seelsorgerische Unterstützung zu holen. Die ersten Reaktionen von Nutzern des Beratungsangebots sind sehr positiv. Der nächste Termin ist Freitag, 25. März, vor der Tannenberghalle in Nentershausen. Weitere Infos und Termine im Internet unter: diakonie-esw-land.de

(René Dupont)

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