Was zu beachten ist

Experte: Medikamente am besten mit Leitungswasser einnehmen

Hersfeld-Rotenburg. Auch wenn nicht jede Arznei eine bittere Medizin ist, versüßen sich manche Patienten die Einnahme mit einem Saft. Wir sprachen mit Apotheker Christian Hangen, was bei Arzneimitteln bezüglich der Einnahme und den Trinkgewohnheiten zu beachten ist.

Wer nicht gerne Tabletten schluckt, versucht es auch mal mit einem Saft. Kann man Medikamente auch mit Apfel-, Orangensaft oder anderen Säften einnehmen? 

Das ist nicht empfehlenswert, weil die Aufnahme von Medikamenten durch Saft gestört werden kann. Der Saft hemmt eine bestimmte Enzymgruppe, die für den Arzneiabbau sorgt, sodass sich die Wirkung verstärkt. Besonders ungünstig ist Grapefruitsaft. Hier werden bei 55 Arzneimitteln Wechselwirkungen beschrieben. Zum Beispiel bei dem häufig eingesetzten Cholesterinsenker Simvastatin. Oder beim Wirkstoff Colchicin, der bei einem akuten Gichtanfall genommen wird. Während der Behandlung mit den betroffenen Arzneistoffen sollte auf den Konsum von Grapefruitsaft generell verzichtet werden.

Beliebt nicht nur bei jüngeren Patienten sind Milch und Kakao. Sind sie geeignete Getränke zur Einnahme von Medikamenten?

Nein, das sind sie nicht. Das Kalzium in der Milch und bestimmte Arzneistoffe fassen sich bildlich gesprochen an den Händen und bilden Molekülkomplexe, die so groß werden, dass der Arzneistoff nicht mehr gut aufgenommen werden kann. Das ist etwa bei Biophosphonaten (Medikamente gegen Osteoporose), Schilddrüsenhormonen und bei einigen Antibiotika der Fall, aber nicht grundsätzlich bei jedem. Jeder Apotheker wird darüber gerne Auskunft geben.

Wie sieht es bei Kaffee aus, der von vielen gerne morgens nach der Einnahme der Arznei getrunken wird? 

Gerbstoffe, die sowohl im Kaffee als auch im Schwarzen Tee enthalten sind, können ebenfalls Komplexe mit Arzneimitteln bilden. Vorsicht ist hier zum Beispiel bei Eisenpräparaten geboten. Diese sollten möglichst nüchtern mit Leitungswasser oder - in diesem Fall möglich - mit saurem Vitamin-C-haltigen Fruchtsaft eingenommen werden. Eine zweite Wechselwirkung beruht auf dem Koffeingehalt: Eine bestimmte Gruppe von Antibiotika (sogenannte Gyrasehemmer), die häufig etwa bei Blasenentzündungen angewendet werden, hemmen das Enzym, welches normalerweise das Koffein im Körper abbaut. Daher können Wirkungen des Koffeins - wie etwa Erregung, Unruhe und Herzklopfen - verstärkt auftreten. Mit zwei Stunden Abstand zum Kaffee ist man auf der sicheren Seite.Wer unsicher ist, sollte seinen Apotheker fragen.

Manche Tabletten müssen am Abend eingenommen werden, eine Zeit, zu der viele auch gerne mal ein Glas Wein oder ein Bier trinken. Was ist zu beachten? 

Alkohol ist nicht grundsätzlich verboten. Es gibt durchaus Arzneimittel, die sich mit moderaten Mengen Alkohol vertragen. Vorsicht ist vor allem bei zentraldämpfenden Arzneimitteln wie etwa Schlafmitteln und Psychopharmaka geboten. Hier können schon geringe Alkoholmengen Benommenheit hervorrufen und die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen. Bei regelmäßiger Anwendung von Schmerzmitteln wie etwa Ibuprofen oder Diclofenac verstärkt Alkohol die Gefahr eines Magengeschwürs. Grundsätzlich ist es die Aufgabe des Apothekers - gerade bei Erstverordnung - Hinweise zur Unverträglichkeit mit Alkohol zu geben.

Ist Mineralwasser ein geeignetes Getränk zur Medikamenteneinnahme und ebenso gut wie Leitungswasser? 

Einzig und allein Leitungswasser ist uneingeschränkt zu empfehlen, denn Mineralwässern wird häufig Kalzium und Magnesium zugesetzt - mit der möglichen Folge eines Wirkungsverlusts der Arznei, analog der Einnahme mit Milchprodukten.

Wie macht man es dann richtig?

Am besten und immer richtig ist Tabletteneinnahme mit einem Glas Leitungswasser, etwa 200 Milliliter - ein Schluck reicht nicht. Tabletten sollte man in aufrechter Position einnehmen, damit sie nicht in der Speiseröhre stecken bleiben.

Bei welchen häufig verordneten Medikamenten ist besondere Aufmerksamkeit geboten, was die Getränke betrifft? 

Da sind allen voran Antibiotika und Schilddrüsentabletten zu nennen.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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