Ostseeinsel Fehmarn

Meeschendorf: Gegner sammeln mehr als 2000 Stimmen gegen Hotelbau

Sieht den Charme der Insel in Gefahr: Ulrike Hübner und ihre Mitstreiter haben innerhalb kürzester Zeit mehr als 2000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die Hotelpläne von Jufa in Meeschendorf gesammelt.
+
Sieht den Charme der Insel in Gefahr: Ulrike Hübner und ihre Mitstreiter haben innerhalb kürzester Zeit mehr als 2000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die Hotelpläne von Jufa in Meeschendorf gesammelt. Die 56-Jährige schätzt an Fehmarn vor allem die Naturbelassenheit und Weite.

Fehmarn begehrt auf. Auf dem Gelände der ehemaligen Ferienanlage des Landkreises Hersfeld-Rotenburg soll ein Familienhotel entstehen. Gegner des Projekts wollen das verhindern.

Hersfeld-Rotenburg/Fehmarn – Auf der Ostseeinsel Fehmarn weht derzeit ein starker Gegenwind, und er braust vor allem über das Gelände der ehemaligen Ferienanlage des Landkreises Hersfeld-Rotenburg in Meeschendorf. Das österreichische Unternehmen Jufa will dort ein Familienhotel bauen, innerhalb von gut zwei Wochen haben Gegner des Projekts nun 2134 Unterschriften gegen die Pläne am südöstlichen Strand gesammelt. Der Hotelbau wird mit dem Bürgerbegehren abgelehnt, der positive Beschluss der Inselpolitik soll aufgehoben werden. Nötig für einen Erfolg sind lediglich 1009 Stimmen.

Auch für den Kreis wird es wieder spannend

Damit wird es auch für Hersfeld-Rotenburg wieder spannend. Der Landkreis hatte Jufa das Gelände in Meeschendorf im Juni 2019 per Erbpacht für 75-Jahre überlassen. Die Politik auf Fehmarn hat den Weg für das Projekt seitdem trotz einiger Kritikpunkte freigemacht – wir berichteten.

Der Zeitdruck ist groß

Das große Problem: Die Planung stand von Beginn an unter Zeitdruck, weil bis zum 23. Juni 2021 Baurecht vorliegen muss. Dann endet die Übergangsregelung für den 150-Meter-Naturschutzstreifen an der Küste der Ostseeinsel. Ein Hotelneubau wäre damit nicht mehr umsetzbar. Nun könnte der drohende Bürgerentscheid die bestehende Zustimmung unterlaufen und Jufa in Bedrängnis bringen, weil für Alternativen die Zeit bis zur Frist knapp wird. Bisher hieß es aus dem Landratsamt stets, es gebe zu einem Rückzieher der Österreicher komplexe Klauseln im Erbpachtvertrag. Ein einfacher Ausstieg sei nicht möglich.

Die Gegner des Familienhotels haben mit einem Erfolg gerechnet, sagt Ulrike Hübner. Die 56-Jährige vertritt die Gruppe von Aktiven, die hinter dem Bürgerbegehren stehen. Die Unterschriften seien mit durchschnittlich sechs Helfern sowohl persönlich als auch an acht über die Insel verteilten Einwurfstellen gesammelt worden.

Abstimmung beim Bürgerentscheid

Bis zum 4. Januar sollen sie der Kommunalverwaltung auf dem Festland vorliegen. Die Prüfung bei der Stadt Fehmarn laufe bereits. Erreicht das Bürgerbegehren die nötige Anzahl gültiger Unterschriften – also rund die Hälfte der gesammelten – folgt in der Regel spätestens innerhalb von drei Monaten die Abstimmung beim Bürgerentscheid. Ein häufig angeführter Grund für die Ablehnung auf Fehmarn: „Die Höhe des Hotels ist vielen zu mächtig“, sagt Hübner – eine Kritik, die auch von der Politik diskutiert wurde.

„Für Einheimische wird zu wenig getan“

Hinzu kommt, dass auf der Ostseeinsel ohnehin mit der zukünftigen Gestaltung des Tourismus gehadert wird. Der Hotelbau in Meeschendorf ist nicht das einzige Projekt, das für Unfrieden sorgt. „Natürlich sind Touristen willkommen. Aber viele haben das Gefühl, dass zu wenig für die Einheimischen gemacht wird“, sagt Ulrike Hübner. Die Nutzung einiger Sahnestücke auf der Ostseeinsel ginge für Einheimische verloren, weil sie von Touristen überlaufen werden. „In den Erholungsgebieten fehlt die Balance zwischen Tourismus und Anwohnern.“

Die 56-Jährige lebt seit neun Jahren auf Fehmarn und engagiert sich auch beim dortigen Ableger von Fridays for Future. „Viele fürchten um den Charme der Insel“, sagt sie. (Clemens Herwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.