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Klimainitiative benennt Problemstellen für Radfahrer in Bad Hersfeld

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Sorgen sich um die Sicherheit von Radfahrern in Bad Hersfeld und wollen Radfahren attraktiver machen: Hiltrud Pelka, Gerd Heusel, Lucas Sichardt, Doris Hoffmann und Reinhold Track (von links) von der Klimainitiative Bad Hersfeld.
Sorgen sich um die Sicherheit von Radfahrern in Bad Hersfeld und wollen Radfahren attraktiver machen: Hiltrud Pelka, Gerd Heusel, Lucas Sichardt, Doris Hoffmann und Reinhold Track (von links) von der Klimainitiative Bad Hersfeld. © Nadine Maaz

Klimaschutz, Corona-Pandemie und E-Bike-Boom: Fahrradfahren scheint wieder mehr im Trend zu sein. Umso wichtiger sei es, dass Radfahrer bequem und vor allem sicher unterwegs sind.

Bad Hersfeld - Das sagen Hiltrud Pelka, Gerd Heusel, Lucas Sichardt, Doris Hoffmann und Reinhold Track von der Klimainitiative Bad Hersfeld. Die Fünf bezeichnen sich selbst als Alltagsradler („der eine mehr, der andere weniger“) und kritisieren einige Problemstellen in der Kur- und Festspielstadt.

Schon beim ADFC-Fahrradklimatest, dessen Ergebnis vor rund einem Jahr veröffentlicht wurde, hatte Bad Hersfeld schlecht abgeschnitten und im Hessenvergleich den letzten Platz bei den Städten mit 20 000 bis 50 000 Einwohnern belegt. Bundesweit lag die Kreisstadt auf Rang 402 von 415. Im Vergleich zum Test von 2018 war das eine starke Verschlechterung. 63 Teilnehmer hatten an der jüngsten Bewertung teilgenommen (wir berichteten). Die Vertreter der Klimainitiative wollen das Thema nun weiter hochhalten.

Grundsätzlich gebe es für Radfahrer zwei Ziele: bequem und schnell zum Ziel zu kommen und sicher anzukommen. An vielen Stellen sei es allerdings riskant.

Doris Hoffmann kritisiert zudem die Wegeführung und Beschilderung. Zwar sei diese teilweise neu, aber selbst für Ortskundige nicht immer verständlich. Lucas Sichardt, der täglich mit dem Rad zur Arbeit fährt, erhofft sich vor allem ein Umdenken bei der Planung von Flächen: „Radwege sollten von vornherein mit geplant werden und nicht nach dem Motto ‘es sind noch zwei Meter übrig, da könnte ein Radweg hin’.“ Er wünscht sich eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer. Bislang orientiere man sich fast nur am Autoverkehr.

Neben Engstellen durch Poller, verblassten Markierungen und ähnlichen Ärgernissen aus Sicht der Radfahrer weisen die Klimaaktivisten unter anderem vor allem auf folgende Probleme hin:

Das Bild zeigt Radfahrer an der Ampel der Kreuzung Dippelstraße/Bahnhofstraße/Reichsstraße/Seilerweg. Dort müssen Radfahrer beim Überqueren in Richtung Schillerplatz wegen der Ampelschaltung immer in der Mitte warten. Auf der kleinen Insel – wo im Bild ein Radfahrer mit roter Jacke steht – ist jedoch kaum Platz.
Kaum Platz: An der Kreuzung Dippelstraße/Bahnhofstraße/Reichsstraße/Seilerweg, müssen Radfahrer beim Überqueren in Richtung Schillerplatz wegen der Ampelschaltung immer in der Mitte warten. Auf der kleinen Insel – wo im Bild der Radfahrer mit roter Jacke steht – ist jedoch kaum Platz. © Nadine Meier-Maaz

- Kreuzung Dippelstraße/Bahnhofstraße/Reichsstraße/Seilerweg muss man beim Überqueren in und aus Richtung Schillerplatz wegen der Ampelschaltung stets in der Mitte warten. Auf der kleinen Insel sei aber nicht mal ausreichend Platz für ein normales Rad, geschweige denn eines mit Anhänger für Kinder oder Einkäufe. Aus Sicht von Sichardt wäre dies bei der Planung vermeidbar gewesen, indem man auf die zweite Linksabbiegerspur für Autos aus Richtung Kino verzichtet hätte, wo es ohnehin häufig zu Beinahezusammenstößen komme, um stattdessen die Insel größer gestalten zu können.

- Am Seilerweg kurz vor der katholischen Kirche endet der aufgemalte Radweg plötzlich, was für Autofahrer irritierend sein könnte, wenn sie sich dann den Platz wieder mit den Radfahrern teilen müssen, weil dort ja mitunter auch noch Autos am Rand parken.

- Und auf der Reichsstraße kurz vor der Kino-Kreuzung führt der Radweg just dort auf die Straße, wo die Autos ohne Ampel rechts abbiegen können. Gerade dort komme es häufig zu brenzligen Situationen, weiß Sichardt nicht nur von einem Freund, der täglich dort unterwegs ist.

Stadt ist im Gespräch mit Hessen Mobil

Dass es in der Bad Hersfelder Innenstadt, speziell im Bereich des Stadtrings, nicht nur für Fußgänger und Gehandicapte, sondern auch für Radfahrer mitunter eng und unbequem ist, weiß auch der städtische Fachbereichsleiter Martin Bode, der selbst bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit fährt und bereits seit Jahren mit dem Thema Radverkehr betraut ist.

An einigen Problemstellen wird laut Bode bereits gearbeitet, andere seien leider nicht so einfach zu lösen – und manches sei eigentlich ganz klar von der Straßenverkehrsordnung geregelt.

Als „absolut unbefriedigend“ beschreibt Bode die Situation an der Kreuzung Dippelstraße/Bahnhofstraße/Reichsstraße/Seilerweg. Da dieser Teil des Stadtrings zur Bundesstraße 324 gehört, ist jedoch Hessen Mobil zuständig, allein könne die Kreisstadt nichts unternehmen. Wobei es aufgrund des dort hohen „Verkehrsdrucks“ ohnehin kaum möglich sei, die Kreuzung insgesamt umzubauen oder zum Beispiel eine von zwei Linksabbiegerspuren zu entfernen. Man sei gleichwohl seit dem jüngsten ADFC-Fahrradklimatest wieder im Gespräch mit Hessen Mobil, das Gesprächsbereitschaft signalisiert habe. Bode hofft auf einen gemeinsamen Vororttermin noch im Sommer.

In Augenschein genommen und besprochen werden soll dann auch die weitere Radwegesituation an der B 324 von der Hochbrücke bis zum Ende der Dippelstraße. Ohne Grünflächen einzubüßen, ließe sich aber an vielen Stellen auch an der geringen Breite der Radwege nichts machen, warnt Bode.

Dass der Radfahrschutzstreifen Richtung katholischer Kirche „plötzlich“ endet und sich Autos und Radfahrer die breite Fahrbahn wieder teilen müssen, sei indes eine völlig normale Situation. Man könne in Absprache mit der städtischen Verkehrsbehörde jedoch überlegen, ihn ein Stück zu verlängern, stellt Bode in Aussicht.

Ähnlich verhält es sich an der Reichstraße, wo der Schutzstreifen auf die Fahrbahn führt. „Das ist eine vollkommen normale Situation und der abbiegende Verkehr muss die geradeaus fahrenden Radfahrer ganz klar durchlassen“, erklärt Bode. Eventuell könnten dort aber neue Piktogramme oder eine rote Markierung für mehr Aufmerksamkeit sorgen. (Nadine Meier-Maaz)

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