Innungsobermeister und Kollegen loben neue Tarifverträge

Mehr Geld für Friseure: Preise steigen im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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Mit Freude bei der Sache: Doch Arbeit soll nicht nur Spaß machen, sie muss sich auch lohnen. Die neuen Tarifverträge für Friseure begrüßen deshalb wohl die meisten in der Branche. Unser Bild zeigt Friseurmeisterin Maria Grau von „Maria’s HaarWerk“ in Rotenburg mit Lisa Urban.

Hersfeld-Rotenburg. Die Gewerkschaft Verdi und der Landesinnungsverband Friseurhandwerk haben sich auf höhere Entgelte für Auszubildende und Beschäftigte geeinigt.

Seit August gelten für Friseure in Hessen neue Tarifverträge. 

Die Gewerkschaft Verdi und der Landesinnungsverband Friseurhandwerk haben sich auf höhere Entgelte für Auszubildende und Beschäftigte geeinigt. Kunden müssen sich deshalb auf Preissteigerungen bei Haarschnitten und anderen Dienstleistungen einstellen. Peter Fiebig, Obermeister der Friseur-Innung Hersfeld-Rotenburg, begrüßt die neuen Verträge ausdrücklich und hält sie für fair, vor allem mit Blick auf die Ausbildungsvergütung. Wie der Markt das Ganze aufnehme, werde sich indes noch zeigen müssen. In seinem Salon in Schenklengsfeld wird ein Damenschnitt bei mittellangem Haar künftig 34 statt bisher 32 Euro kosten, ein Herrenhaarschnitt trocken 18 statt 17 Euro. Er geht davon aus, dass die Preise allgemein um etwa zehn Prozent angehoben werden müssen, wobei diese auch von weiteren Faktoren abhingen, wie etwa den Mietkosten, die in kleineren Orten wesentlich niedriger sind als in größeren Städten. Eines aber sei sicher: „Ein Damenhaarschnitt unter 30 Euro ist ein No-Go.“ 

Fiebig geht davon aus, dass ein Großteil der Kunden Verständnis für die Preiserhöhungen haben wird. Auch die stellvertretende Obermeisterin Stefanie Orth aus Bebra-Breitenbach ist mit den neuen Tarifverträgen einverstanden. „Es muss etwas getan werden, und man muss von seinem Beruf auch leben können“, sagt sie. Um Preissteigerungen komme man nicht umhin. Bei ihr kostet waschen, schneiden, föhnen für Frauen zurzeit noch 38 Euro, künftig werde man wohl an die 40 Euro herankommen. Etwa 115 Friseurgeschäfte gibt es laut der Kreishandwerkerschaft im Landkreis Hersfeld-Rotenburg – darunter sind Ein-Mann-Betriebe ebenso wie die Filialen größerer Ketten. Die Zahl der Auszubildenden betrage aktuell 31 vom ersten bis zum dritten Lehrjahr.

Löhne steigen in drei Schritten

Mit den neuen Entgelt-Tarifverträgen für Auszubildende und Beschäftigte im Friseurhandwerk steigen die Löhne in drei Schritten zwischen 15 und 24,5 Prozent – abhängig von der Lohngruppe. Ungelernte Kräfte erhalten nun 9,34 Euro, vorher 8,84 Euro, erfahrene Friseure 10,84 Euro (vorher 9,26). Für Meister einer kleinen Filiale steigt der Lohn von 12,74 Euro auf 14,81 Euro, Meister in einer Filiale mit über zehn Beschäftigten erhalten 17,84 Euro. Bis 2021 folgen zwei weitere Steigerungen. Das gilt auch für die Auszubildenden. In diesem Jahr gibt es bis zu 50 Euro mehr pro Monat (insgesamt 500 Euro im 1. Lehrjahr, 600 Euro im zweiten, 700 Euro im dritten). Kontrollorgane für die Einhaltung sind die Innungen und Handwerkskammern. Rund 12 000 Menschen sind im hessischen Friseurhandwerk beschäftigt.

„Viele schwarze Schafe“

Wie viele andere Branchen im Handwerk haben auch die Friseurbetriebe mittlerweile Probleme, Auszubildende zu finden. Zudem bricht laut Peter Fiebig, Obermeister der Friseur-Innung Hersfeld-Rotenburg, über die Hälfte der Lehrlinge die Ausbildung schon im ersten Jahr wieder ab.

Eine bessere Vergütung könne dem vielleicht etwas entgegenwirken, die Attraktivität steigern und das schlechte Image aufpolieren. Schließlich sei Friseur oder Friseurin eigentlich ein toller Job, betont Fiebig, der selbst einen Familienbetrieb übernommen hat und zurzeit einen Azubi anlernt: „Bei uns dreht sich alles um die Schönheit und wir machen Menschen glücklich.“

Die nicht gerade üppige Bezahlung im Vergleich mit anderen Branchen sei historisch bedingt, genauso wie die unterschiedlichen Preise für Damen- und Herrenhaarschnitte. Nicht zu verachten sei im Übrigen das Trinkgeld, berichtet Fiebig ebenso wie andere Berufskollegen, wenngleich das natürlich nichts nutze, wenn es beispielsweise um die spätere Rente gehe.

Immer freundlich sein, lange stehen und das für ein geringes Gehalt: Dass das Friseurhandwerk ein durchaus harter Job ist, weiß auch Janina Pfeiffer, die seit 2012 einen eigenen Salon betreibt und zurzeit zwölf Mitarbeiter hat, inklusive zwei Azubis. „Ich stehe ganz klar hinter den neuen Tarifverträgen“, sagt die Saloninhaberin. „Das ist eine Motivation für die Auszubildenden und die Gesellen.“ Für sie sei es selbstverständlich, sich nun auch an die neuen Vereinbarungen zu halten. „Leider gibt es viele schwarze Schafe, die tricksen und das nicht tun“, so Pfeiffer. Nicht mal alle zahlten so den Mindestlohn.

Ab Oktober sollen bei ihr die Preise angehoben werden, ihre Kunden informiert Pfeiffer aber schon jetzt per Aushang. Ihr ist es außerdem wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht sie von den Preissteigerungen profitiere, sondern eben die Angestellten. „Ich denke, alle, die ein bisschen Hintergrundwissen haben, verstehen das“, so die Friseurin.

Maria Grau von „Maria’s HaarWerk“ findet die höheren Löhne ebenfalls gut und richtig. Sie hat sich 2016 den Traum vom eigenen Salon erfüllt und mit dem ehemaligen Salon Wecker in Rotenburg ihren einstigen Ausbildungsbetrieb übernommen. Laut Grau haben viele Menschen ein falsches Bild vom Friseurberuf. „Auch Friseure müssen viel lernen“, erklärt sie. „Das ist nicht so einfach, wie viele sich das vorstellen und mehr als ein bisschen Haareschneiden.“ Die Anforderungen in der Berufsschule seien nicht zu unterschätzen. Auch sie meint, dass moderate Preisanpassungen nun notwendig seien. (nm)

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