WAHL IN CORNBERG - Franziska Bolz ist für eine Gemeindefusion

„Mehr Transparenz im Rathaus Cornberg“

Das Bild zeigt Bürgermeisterkandidatin Franziska Bolz vor der Dorflinde in Königswald.
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An der Dorflinde in Königswald muss sich etwas tun, findet Bürgermeisterkandidatin Franziska Bolz. Für eine Sanierung sind Mittel im Haushalt eingestellt, die Arbeiten haben aber noch nicht begonnen. Bürgermeister Großkurth hatte im Interview mit unserer Zeitung im Sommer gesagt, dass dies mit Eigenleistung der Bürger geschehen solle und die beiden mit zahlreichen Projekten beschäftigten Bauhof-Mitarbeiter versuchen würden, sich darum zu kümmern, wenn die Bevölkerung auf sie zukomme.

In Cornberg wird am 1. November ein neuer Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin gewählt. Wir stellen die vier Kandidaten vor. Heute Franziska Bolz.

Königswald – Dass Franziska Bolz als Bürgermeisterkandidatin für eine Fusion der Gemeinde steht, hat sich in Cornberg, Rockensüß und Königswald herumgesprochen. Darin sieht sie sich nach sechs Wochen Wahlkampf auch bestärkt. Doch es gibt ein weiteres zentrales Anliegen der Bürger, das sie aufgenommen hat.

„Den Menschen fehlt es an Transparenz. Sie sind unzufrieden mit der Kommunikation von Gemeindevertretung und Rathaus mit den Bürgern“, sagt die 35-Jährige. Es gebe langwierige Arbeitswege für kleinste Anfragen und lange Wartezeiten. „Das ist eine Bitte, die an mich herangetragen wurde: Bitte mach das anders, wenn du gewählt wirst.“

Ins Gespräch mit den Wählern kommt die Königswälderin vor allem beim Verteilen ihrer Flyer. Sie ist erst seit zwei Jahren wieder zurück in der Heimat und damit nicht so gut vernetzt wie die drei Konkurrenten – was sie aber nicht als Nachteil begreift. „Ich bringe viele Eindrücke aus den Orten mit, wo ich in den vergangenen Jahren gelebt habe, und bin nicht so festgefahren“, meint sie. Viele würden sie dann auch doch noch kennen, von früher, aus ihrer Kindheit. Sie habe sehr viele gute Gespräche geführt, erzählt die jüngste unter den vier Bewerbern um den Chefposten im Rathaus.

Stark im Fokus ihres Wahlkampfes steht eine mögliche Fusion der Gemeinde. Franziska Bolz hat zahlreiche Bürgermeister der Nachbarkommunen besucht und war auch schon beim Landrat. Von den Treffen berichtet sie auf den Internetplattformen Facebook und Instagram. Sie war auch bei Thomas Mäurer. Er ist Bürgermeister in Weißenborn, das mit rund 1000 Einwohnern die kleinste Gemeinde Hessens ist – ehrenamtlich. „Das ist auch eine Möglichkeit. Weißenborn ist nach wie vor eine eigenständige Gemeinde. Zwischen gänzlicher Eigenständigkeit und kompletter Fusion gibt es Zwischenstufen. Auch wenn es kein Rathaus in Cornberg mehr gäbe, könnte man zum Beispiel halbtags ein Bürgerbüro anbieten, wo man die wichtigsten Dinge erledigen kann.“ Man müsse ausloten, was die Bevölkerung möchte. Dass aber die Mehrheit einer Fusion positiv gegenüber stehe, da sei sie sich nun nach einigen Wochen Wahlkampf noch sicherer als zuvor. So habe es auch mehrere Situationen gegeben, in denen Bürger, die vorher für eine Eigenständigkeit ihrer Gemeinde waren, sich von ihren Argumenten überzeugen ließen.

Zwei Dinge seien aber für eine erfolgreiche Fusion absolute Voraussetzung: Die Bürger Cornbergs dürften bei einer Eingliederung in eine größere Kommune nicht vernachlässigt werden, und die Digitalisierung im Rathaus müsse vorangetrieben werden. „Wenn man sich mit einer anderen Kommune zusammentut, müssen Akten und Daten ja kompatibel miteinander sein. Und bis 2022 müssen wegen des Onlinezugangsgesetzes ohnehin alle Verwaltungsleistungen auch im Internet möglich sein.“ Da sieht die 35-Jährige in Cornberg noch Nachholbedarf.

Sie findet, dass es in ihrer Gemeinde teilweise zu lange dauert, bis Pläne tatsächlich umgesetzt werden. Auf die Frage, was sie für eine Chefin ist, antwortet sie: „Ich bin gut strukturiert und organisiert und versuche immer, zeitnah zu agieren.“ Verwaltungs- oder kommunalpolitische Erfahrung hat die Königswälderin zwar nicht, doch sie hat im Einzelhandel schon mehrere Teams geleitet und Personalverantwortung gehabt. Wichtig sei, dass man als Chefin ein Vorbild sei und darauf achte, dass es den Mitarbeitern gut gehe – nur dann könne man motiviert arbeiten.

Mit den Parteien in Cornberg und dem Rathaus hat die parteilose Kandidatin, die sich auch auf Bundesebene keiner Partei zuordnen möchte, im Wahlkampf außer der offiziellen Angelegenheiten bezüglich der Wahl keinen Kontakt gehabt. „Ich spreche mit den Bürgern, denn um die geht es ja“, sagt Franziska Bolz.

Sieben Aussagen

1. Die Feuerwehren müssen in Zukunft ... optimal ausgerüstet und gefördert werden. Alle drei Ortsteilwehren müssen bestehen bleiben und wachsen.

2. Die Kita in Cornberg ... ist sehr wichtig und muss gefördert und unterstützt werden. Dabei sollte man eng mit Personal und Eltern zusammenarbeiten und offen für neue Anregungen der Eltern sein.

3. Diese Marotte würde ich mir am liebsten abgewöhnen: (zögert lange) In Stresssituationen Süßigkeiten zu essen.

4. Als Lesestoff hat mich in letzter Zeit besonders beeindruckt: „Pro Ride Horsemanship“ von Thomas Günther. Es hat nicht nur mit Pferden, sondern auch mit Zwischenmenschlichem zu tun.

5. Mit diesen drei Eigenschaften würden mich meine besten Freunde beschreiben: gutherzig, unternehmungslustig, offen.

6. Wenn ich für einen Tag Bundeskanzlerin wäre, würde ich ... die Kontakte in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und alle Länder der Welt nutzen, um soviel neues Wissen und neue Perspektiven zu bekommen wie möglich.

7. Die Bürgermeisterwahl wäre für mich ein Erfolg, wenn ... möglichst viele Cornberger wählen gehen.

Zur Person

Franziska Bolz (35) ist in Königswald aufgewachsen und hat in Sontra Abitur gemacht. Danach arbeitete sie in verschiedenen Städten Deutschlands im Textileinzelhandel. Vor drei Jahren kaufte sie in ihrem Heimatdorf Königswald ein Haus und betreibt die „Kingswood Ranch“, wo sie Reitunterricht gibt, Pferde zureitet und ein Ferienhaus hat. Sie hat zwei Söhne (drei und sieben Jahre alt). 

Von Christopher Ziermann

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