Ausführliche Diskussion über das Raubtier

Mehrheit im Alheimer Parlament stimmt für Warnschilder zum Wolf

So könnte es aussehen: Alheim will Hinweisschilder zur Wolfspräsenz in der Region aufstellen. Der Entwurf rechts stammt von der FDP-Fraktion. Auf dem linken Foto ist eines der Raubtiere im Wildpark Knüll zu sehen.
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So könnte es aussehen: Alheim will Hinweisschilder zur Wolfspräsenz in der Region aufstellen. Der Entwurf rechts stammt von der FDP-Fraktion. Auf dem linken Foto ist eines der Raubtiere im Wildpark Knüll zu sehen.

Die Alheimer Gemeindevertretung hat ausführlich über die Präsenz des Wolfes in der Region diskutiert. Nun sollen Hinweisschilder zum Raubtier aufgestellt werden.

Alheim – Eigentlich kann man so gut wie nichts machen. Aber was man machen kann, muss man auch machen. So lautete der Tenor einer langen Diskussion über den Wolf im Alheimer Parlament. Letztlich fand der Vorschlag der FDP, Hinweisschilder für die Wolfspräsenz aufzustellen, eine Mehrheit. Die Abgeordneten gründen nun sogar eine Arbeitsgruppe, um eine Resolution an das Umweltministerium zu formulieren.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Aribert Kirch erklärte, was seine Partei mit den Schildern erreichen will: „Der Wolf liest keine Schilder, das wissen wir. Aber die unregulierte Ausbreitung des Wolfes können wir so nicht hinnehmen. Wir müssen die Bürger sensibilisieren und Druck auf das Umweltministerium aufbauen. Wenn wir Schilder aufstellen, ziehen vielleicht auch andere Kommunen mit.“ Er wolle sich nicht anmaßen, eine Aussage dazu zu treffen, ob ein Aufenthalt im Wald für Menschen durch das Raubtier tatsächlich gefährlich ist, so Kirch. Er kenne aber viele Leute, die nun ein mulmiges Gefühl hätten und eben nicht mehr in den Wald, „in unser Naherholungsgebiet“, zum Spazieren gingen. Kirch betonte auch, dass es keinesfalls darum gehe, alle Wölfe abzuschießen. Regulierung müsse aber möglich sein.

Dass es eine unmittelbare Gefährdung für Menschen zweifelsfrei gibt, davon ging keiner der Redner in der ausführlichen Diskussion aus. Es herrschte aber über Parteigrenzen hinweg Einigkeit, dass man sich insbesondere für die Weidetierhalter klar positionieren müsse, für die der Wolf eine Belastung sei. Friedhelm Diegel (CDU) stellte als Ergänzungsantrag die Forderung an das Umweltministerium vor, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Auch das fand breite Zustimmung. „Der Wolf braucht natürliche Feinde“, sagte Diegel – das müsse der Mensch sein. Die Hürden für Abschüsse des streng geschützten Tieres sind in Deutschland so hoch, dass es kaum dazu kommen kann. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Schneider monierte, dass die CDU-Forderung nicht mit einer schriftlichen Begründung untermauert war. Nur dann nehme in Wiesbaden überhaupt jemand Notiz davon.

Kirchner: Aufnahme ins Jagdrecht noch einmal diskutieren

„Ich will nicht sagen, dass ich das nicht ernst nehme. Über das Jagdrecht zu diskutieren, ist der richtige Ansatz. Aber dafür müssen wir uns erst intensiver mit dem Thema auseinandersetzen.“ Jörg Bämpfer meinte, die Landschaft „mit Schildern zu belästigen“ sei nicht der richtige Weg, was auch fast alle seiner SPD-Fraktionskollegen so sahen.

Als einziger Sozialdemokrat sprach sich Mirko Kirchner für die Schilder aus. Er machte seinen Standpunkt ausführlich und pointiert deutlich. „Der Wolf gehört hierher. Ich dachte aber anfangs, man wird keine Notiz von ihm nehmen. Dass er nun auch durch Gärten läuft, ist nicht in Ordnung.“ Früher, als das Raubtier von Menschen verfolgt worden sei, sei es scheu gewesen. Das sei heute nicht mehr so. Deutschland habe die höchste Wolfsdichte in ganz Europa. Auch Kirchner plädierte aber vehement dafür, die Forderung nach der Aufnahme ins Jagdrecht noch einmal ausführlich zu diskutieren und mit stichhaltigen Argumenten zu untermauern.

Dem schloss sich nach einer Sitzungsunterbrechung dann auch die CDU an. Eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus allen Fraktionen soll sich dem Thema nun widmen. Die Hinweisschilder wurden mit einer Mehrheit von FDP, CDU, Kirchner und Edith Gipper (Grüne) beschlossen. Aufgestellt werden sollen sie von Jagdpächtern, um Aufwand und Kosten für die Gemeinde so gering wie möglich zu halten. (Christopher Ziermann)

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