MONTAGSINTERVIEW zum Weltkindertag am 20. September

Mia Bäuml (11) aus Hohenroda „will keine kaputte Welt“

Das Bild zeigt die elfjährige Mia Bäuml aus Hohenroda, hier mit dem tapferen Scheiderlein vor dem wortreich in Bad Hersfeld.
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Sie sagt ihre Meinung: Die elfjährige Mia Bäuml aus Hohenroda, hier mit dem tapferen Scheiderlein vor dem wortreich in Bad Hersfeld.

Am heutigen 20. September ist Weltkindertag. Deshalb sprach die elfjährige Mia Bäuml aus Hohenroda über ihre Wünsche an die Politik und darüber, was sie in der Welt ändern würde.

Hallo Mia, heute ist Weltkindertag der Vereinten Nationen. Weißt du eigentlich, was das ist?

Ich weiß, dass es darum geht, auf die Kinderrechte aufmerksam zu machen, zum Beispiel, dass Kinder überall zur Schule gehen können und nicht geschlagen werden dürfen. Aber so richtig haben wir uns mit diesem Thema auch in der Schule noch nicht beschäftigt.

In Thüringen ist der Weltkindertag sogar ein Feiertag und alle haben frei ...

(lacht) Das sollte man hier unbedingt auch einführen ...

...aber eigentlich geht es ja nicht um schulfrei. Welche Kinderrechte würdest du denn stärken wollen?

Ich möchte vor allem, dass alle Kinder überall auf der Welt in die Schule gehen dürfen. Und sie sollten gleich behandelt werden, wie Erwachsene.

Wirklich?

(lacht) Natürlich will ich nicht, dass wir auch arbeiten gehen müssen. Aber ich mag es nicht, wenn immer gesagt wird: Du bist ein Kind und kannst das nicht. Auch in der Schule werden wir manchmal so hingestellt, als ob wir nichts könnten. Außerdem bin ich definitiv dagegen, dass Kindern wehgetan wird.

Den meisten Kindern in Deutschland geht es ja vergleichsweise gut. In anderen Ländern sind Kinderarbeit und Schläge ganz normal und Mädchen in deinem Alter werden oft schon zwangsverheiratet. Redet ihr darüber in der Schule?

Nein, nicht wirklich. Manchmal heißt es aber, wir sollen uns nicht beklagen, denn in anderen Ländern dürfen Kinder nicht in die Schule gehen. Ich fände es sehr interessant, mehr über das Leben von Kindern in anderen Ländern zu erfahren. Warum das in der Schule kein Thema ist, weiß ich nicht.

Die Corona-Zeit war für Kinder ziemlich schwer, weil ihr nicht in die Schule gehen konntet und eure Freunde nicht sehen durftet. Wie war das für dich?

Es war sehr komisch. Vor allem die Maskenpflicht und auch, dass ich meine Freunde nicht treffen konnte. Der Online-Unterricht war auch total komisch, weil ich die Leute oft nur gehört, aber nicht gesehen habe. Inzwischen gehen wir ja wieder in die Schule. Ich habe auch keine so große Angst vor Corona, wir werden ja auch zweimal pro Woche getestet. Das ist zwar nicht so schön, weil man meist weinen muss, aber man gewöhnt sich daran.

Wer war denn beim Home-Schooling am Computer besser: Schüler oder Lehrer?

(lacht) Eigentlich die Schüler.

Es heißt ja immer, dass ihr Jugendlichen den ganzen Tag vorm Computer sitzt. Aber du hast das offenbar nicht so toll gefunden?

Home-Schooling ist ja auch etwas anderes als You-Tube zu schauen oder Spiele zu machen. Bei der Schule muss man sich anstrengen, denn es geht ja darum, die Sachen auch zu verstehen. Außerdem werden oft nur die drangenommen, die immer viel mitmachen. In der Schule kommen alle mal dran. Ich selbst habe schon mitgemacht und aufgepasst. Aber ein super Streber bin ich nicht.

Dafür warst du mal Klassensprecherin. Warum?

Weil ich nicht so schüchtern bin und auch mal meine Meinung sage. Eigentlich setze ich mich auch gern für andere Leute an, aber es kommt schon ein bisschen darauf an, für wen.

Am nächsten Sonntag ist Bundestagswahl. Kinder dürfen ja nicht wählen, aber was würdest du dir von der Politik wünschen?

Ich wünsche mir, dass mehr auf die Rechte der Kinder geachtet wird. Und dass auch die Ziele von „Black-Lives-Matter“ oder die Rechte von Menschen mit anderer Orientierung ernster genommen werden. Bei uns ist das vielleicht nicht so ein großes Thema, in anderen Ländern müssen Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer Sexualität sogar sterben.

Und wie ist es mit Klimaschutz?

An den Friday-for-Future-Aktionen habe ich noch nicht teilgenommen, aber Greta Thunberg kenne ich schon. Unweltschutz finde ich wichtig, denn ich denke, ich lebe ja noch eine Weile und möchte natürlich nicht, dass die Welt dann kaputt ist.

In Hohenroda, wo du wohnst, ist die Umwelt noch ganz in Ordnung. Würdest du lieber in einer Großstadt wohnen, weil man da besser shoppen kann?

Nee, ganz bestimmt nicht! Ich finde es schön, auf dem Dorf zu leben, weil man seine Ruhe hat. Aber ich fahre auch gern mal nach Bad Hersfeld.

Wenn du für einen Tag Bundeskanzlerin wärst und regieren könntest: Was würdest du tun – die Schulnoten abschaffen?

Nee, eigentlich nicht, denn wenn ich eine gute Note habe, freue ich mich ja auch. Bundeskanzlerin möchte ich aber lieber nicht sein – das wäre mir dann doch zu viel Verantwortung.

Viele ältere Leute sorgen sich um die Zukunft: Ob sie genug Geld haben, gesund bleiben oder einsam sind. Machst du dir auch Sorgen um deine Zukunft?

Nein, aber ich hoffe natürlich, dass alles gut wird. Angst habe ich nur davor, dass sich meine Familie auseinanderlebt und sich dann keiner mehr für einander interessiert. (Kai A. Struthoff)

Zur Person

Mia Bäuml (11) wurde 2010 in Bad Hersfeld geboren. Sie lebt in Hohenroda. Ihre Eltern sind getrennt, sie wohnt mit Mutter, Großvater und Tanten in einem Haus, sodass immer jemand da ist. Mia geht in die 6. Klasse der Gesamtschule Schenklengsfeld. Sie interessiert sich für Fotografie und würde später gern einmal in diesem Bereich arbeiten, „weil man sich da ausleben kann“. Außerdem spielt Mia Fußball, geht reiten und Skateboard fahren, und sie malt gern. (kai)

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