Bundestagswahl

Michael Roth (SPD) verteidigt Direktmandat in Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner

Der erfolgreiche Direktkandidat Michael Roth (vorne) zusammen mit (von links) Katharina Borngässer, Michael Klöppner und Sören Kanzler aus seinem Wahlkampfteam am Abend der Bundestagswahl im Vacca Stracca in Bad Hersfeld.
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„Ich hoffe, dass die SPD auch künftig mit meiner Erfahrung etwas anfangen kann“: Michael Roth (vorne) zusammen mit (von links) Katharina Borngässer, Michael Klöppner und Sören Kanzler aus seinem Wahlkampfteam am Wahlabend im Vacca Stracca in Bad Hersfeld.

Noch sind nicht alle Wahlbezirke ausgezählt, dennoch steht fest: Michael Roth hat zum sechsten Mal sein Direktmandat verteidigt. Abgeschlagen auf Platz zwei: Wilhelm Gebhard (CDU).

Aktualisiert am 26. September 2021 um 21.31 Uhr: Mit wie viel Prozent der Erststimmen der Sozialdemokrat Michael Roth erneut das Direktmandat gewonnen hat, steht noch nicht fest. Gegen 21 Uhr sind 428 von 434 Wahlbezirken im Wahlkreis 169 ausgezählt, der die Landkreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner umfasst. Doch Roth liegt mit 43,8 Prozent uneinholbar in Führung. Er verteidigt also zum sechsten Mal in Folge seinen Sitz im Bundestag.

Eindrücke vom Wahlsonntag aus den Wahllokalen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und eine ausführliche Vorstellung aller Kandidaten, die für die Region in den Bundestag einziehen wollten, haben wir hier zusammengetragen.

Keine Chance hat offenbar CDU-Herausforderer Wilhelm Gebhard. Der Bürgermeister von Wanfried landet mit Abstand auf Rang zwei. Nach 428 Wahlbezirken hat er er 26,4 Prozent der Erststimmen. Zum Vergleich: Sein Parteifreund Timo Lübeck erzielte vor vier Jahren 29,9 Prozent.

Sozialdemokraten auch bei der Zweitstimme vorn

Auch bei den Zweitstimmen behält die SPD voraussichtlich mit 37,5 Prozent die Oberhand, gefolgt von der CDU (21,6) und der AfD (11,7). Besser als ihr Direktkandidat schnitten die Liberalen (10,0) ab vor den Grünen (8,9) und Linke (3,5). 

Die drittmeisten Kreuzchen hat bisher AfD-Landtagsabgeordneter Gerhard Schenk bekommen (11,2 Prozent). Awet Tesfaiesus, die für die Grünen ins Rennen gegangen ist, liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem jüngsten Kandidaten, FDP-Nachwuchsmann Jorias Bach (23). Gegen 21 Uhr liegt Tesfaiesus leicht mit 6,2 Prozent in Führung vor Bach mit 5,6.

Keine Rolle spielte Sabine Leidig (Linke/drei Prozent), die 2017 noch über die Landesliste nach Berlin gekommen war, Rainer Janisch (2,4/Freie Wähler), Beate Gerke (1,1/Die Basis), Berthold Hartmann (0,1Prozent/Die Pinken/Bündnis 21) und Heidi Schmidt (0,08/unabhängig/MLPD).

Zweimal „Rückenwind“ mit zwei völlig verschiedenen Ergebnissen

„Nach 23 Jahren als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter war dieses Ergebnis für mich nicht selbstverständlich. Aber es gibt mir Rückenwind für die kommenden spannenden Wochen in Berlin“, sagt Michael Roth am Wahlabend gegenüber unserer Zeitung. Die SPD habe ein tiefes Tal durchschritten, nun aber wieder die Chance, den Kanzler zu stellen. „Ich hoffe, dass die SPD auch künftig mit meiner Erfahrung etwas anfangen kann“, so Roth.

Gemeinde Meißner zählt am schnellsten

Nach Auskunft von Wahlleiterin Andrea Möller (Eschwege) hat die Gemeinde Meißner am Wahlabend am schnellsten ausgezählt. Die 2950-Einwohner-Gemeinde meldete um 19.14 Uhr das erste komplette vorläufige Ergebnis.

Der weit abgeschlagene Herausforderer Wilhelm Gebhard erweist sich derweil als fairer Verlierer: „Ich gratuliere Michael Roth zu einem fulminanten Sieg. Sechs Monate sind zu wenig, um gegen den langjährigen Amtsinhaber zu gewinnen - vor allem wenn der Rückenwind der Bundes-CDU diesmal eiskalt von vorn kam“, so der CDU-Kandidat, der dennoch mit seinem Wahlkampf zufrieden ist.

„Ich bin zufrieden, vor allem, weil mein Ergebnis besser ist als das meiner Partei auf Bundesebene. Ich glaube, dass ich bei der arbeitenden Bevölkerung hier auf dem Land einfach gut ankomme“, kommentierte AfD-Kandidat Gerhard Schenk sein Ergebnis. Thematisch habe er mit den Themen Corona und Klimawandel gepunktet. Ohne den „medialen Gegenwind“ wäre sein Ergebnis noch besser ausgefallen, so der Bebraner.

Trotz Niederlage: Zukunft in der Kommunalpolitk und in Berlin

„Mein Ziel war es immer, ein gutes FDP-Ergebnis zu erlangen und das ist mir gelungen. Für einen Erstantritt und dafür, dass ich 23 Jahre jung bin, ist es ein gutes Ergebnis“, sagt der Jüngste im Bewerberfeld, Jorias Bach von der FDP. Kommunalpolitisch will er weiterhin aktiv sein: „Stadtverordneter zu sein, ist eine große Ehre.“

„Mit dem bundesweiten Ergebnis der Grünen bin ich zufrieden, mit meinem eigenen Abschneiden im Wahlkreis aber nicht. Ich war wohl doch für viele Wähler noch zu unbekannt“, so die erste Reaktion von Grünen-Kandidatin Awet Tesfaiesus. Sie wird wohl trotzdem über die Liste ihrer Partei in den Bundestag einziehen - sie steht dort auf dem aussichtsreichen neunten Platz.

Für Sabine Leidig (Linke) ist es „schon ein herbes Ergebnis“. Die Halbierung des Ergebnisses von 2017 sieht sie nicht als eine Besonderheit im Wahlkreis 169 an, da die Linke bundesweit ein ähnliches Ergebnis hat. Hauptgrund dafür sei wohl gewesen, dass es in erster Linie eine Kanzlerwahl war: „Da haben wir keine Rolle gespielt.“ Die Wähler seien offensichtlich nicht bereit gewesen, „deutliche Veränderungen“ im Land zu wollen. (Sebastian Schaffner, Kai A. Struthoff, Tobias Stück, Stefan Forbert)

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