Flug in die Wildnis

Michael Schanze lässt geheilten Turmfalken in Ronshausen wieder frei

Falkner Michael Schanze hat den Turmfalken wieder gesund gepflegt und entlässt ihn aus seinem „Blumenstraußgriff“ nun in die Wildnis.
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Falkner Michael Schanze hat den Turmfalken wieder gesund gepflegt und entlässt ihn aus seinem „Blumenstraußgriff“ nun in die Wildnis.

Falkner Michael Schanze hat einen angeschossenen Turmfalken gepflegt und aufgepäppelt und bei Ronshausen wieder in die Wildnis entlassen.

Ronshausen – Falkner Michael Schanze wendet sich einer großflächig zugeschneiten Wiese zu, löst seinen sehr festen Blumenstraußgriff um den gesund gepflegten Turmfalken und geschwind fliegt der Vogel davon. Wenige Momente nach seinem Start in sein altes Jagdgebiet macht er es sich erstmal auf einem nahegelegenen Schornstein bequem und überblickt die nun verschneite Umgebung, die er zuletzt am 7. Januar durchflog. „Turmfalken können einen Moment auf der Stelle fliegen, um ein Ziel am Boden besser ins Visier zu nehmen. Gleichzeitig geben sie dabei aber auch ein leichtes Ziel ab“, erklärt Frank Dittmar vom Fachdienst Ländlicher Raum des Kreises.

So erlitt der Turmfalke an diesem Tag im Januar eine Schussverletzung im Flügel und sank zu Boden. Die Anwohnerin Melanie Stephan bemerkte den Sturz des Turmfalken und reagierte schnell. „Sehen konnte man nicht, was dem Vogel fehlte, aber ich ertastete dann die Schusswunde und den Flügelbruch.

Tierärztin auf solche Fälle spezialisiert

Das Projektil wurde kurz nach dem Fund aus seinem Flügel operiert. Da sind wir ganz froh, mit Susanne Schuster eine Tierärztin in der Region haben, die auf solche Fälle spezialisiert ist“, erzählt Schanze. Anhand des Projektils soll auch eine Chance bestehen, den Schützen zu finden.

In Schanzes Obhut konnte sich der Falke nun mehrere Wochen lang wieder erholen. Schanze ist als Falkner in unserem Landkreis, sowie im Schwalm-Eder-Kreis und im Landkreis Fulda aktiv. Im Jahr gibt es zwischen fünf und acht solcher Fälle in den drei genannten Kreisen, wo gefundene Vögeln wieder aufgepäppelt werden. „Wir hatten auch schonmal einen Habicht, der von einer Pfeilspitze getroffen wurde“, schiebt Dittmar kopfschüttelnd ein, „auch er konnte nach der Heilung wieder fliegen.“

Der Erholungsprozess bei Schanze wird weitestgehend den Tieren überlassen. „Sie sollen wie in der Wildnis möglichst wenig Beachtung von Menschen erhalten, außer es geht nicht anders“, so Schanze. Gefüttert würden dabei auch nur farblich passende Tiere, die der Beute des Vogels in der Wildnis entsprechen. Gelbe Küken stehen demnach nicht auf seiner Speisekarte. „Kann er wieder fliegen und sicher wenden, dann ist es Zeit, ihn wieder auszuwildern. Der Erholungszeitraum soll dabei so kurz wie möglich sein“, gibt Schanze zu Bedenken, so dass erst gar kein Gewöhnungseffekt an den Menschen eintritt. Einen Namen hat er ihm auch nicht gegeben. Den etwa einjährigen Jungvogel erwartet nun die Balzphase.

Zusammenarbeit mit Universität angedacht

Emotional ist so ein Moment für Schanze kaum, auch wenn es ihn schon interessiert, wie das weitere Leben der Vögel verläuft. Dafür liegen aber zu wenig Daten vor. Ein angedachtes Projekt in Zusammenarbeit mit einer Universität könnte dem in naher Zukunft aber entgegenwirken.

Für seine Arbeit (Futter, Fahrtwege, Arztkosten) erhält Schanze eine Aufwandsentschädigung durch die genannten Landkreise. „In Einzelfällen muss man natürlich entscheiden, ob sich der finanzielle Aufwand lohnt. Kann ein Vogel nach einem Unfall etwa mit Sicherheit nicht mehr fliegen, dann erlösen wir die Tiere auch“, erklärt Schanze weiter.

Bis zu 30 Vögel halten sich bei Schanze gleichzeitig auf der Greifvogelauffangstation auf, wobei diese Höchstzahl eher im Sommer erreicht wird. Aktuell sind es lediglich drei Tiere.

Schanzes weiterer Weg führte ihn an diesem Tag nach Bad Zwesten, denn im Kofferraum war neben dem Turmfalken noch ein Bussard, der sich mit einem Lkw angelegt hatte. „Ihn mussten wir sogar mehrere Tage per Hand füttern, da er dazu selbst nicht mehr in der Lage war“, meint Schanze.

Wer einen abgestürzten Vogel findet, kann sich telefonisch mit Schanze in Verbindung setzen, um die weiteren möglichen Schritte zu besprechen: Mobil: 0152 / 977 69 80. (Daniel Blöthner)

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