Prozess in Fulda

Missbrauch: Sechseinhalb Jahre Haft für Familienvater aus Bad Hersfeld

Symbolbild Gericht HNA
+

Zu sechseinhalb Jahren Haft hat die 2. Große Strafkammer in Fulda den Angeklagten im Missbrauchsprozess verurteilt. Der 39-Jährige soll sich an seiner Tochter vergangen haben.

Sechseinhalb Jahre Haft: Dieses Urteil der 2. Großen Strafkammer nahm der Angeklagte im Fuldaer Missbrauchsprozess ohne äußerliche Regung auf. Die sexuellen Übergriffe gegen seine Tochter hatte der 39 Jahre alte Familienvater aus Bad Hersfeld bis zuletzt abgestritten, vor Gericht jedoch zur Sache geschwiegen.

Das Gericht unter Vorsitz von Joachim Becker sprach den Angeklagten in sechs Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Tateinheit des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen schuldig, davon in einem Fall zusätzlich auch der Körperverletzung. 

Sechs Fälle hielt die Kammer mit ihrem Vorsitzenden Joachim Becker für erwiesen, geschehen in der Zeit zwischen Mai 2015 und 2016, als das Mädchen elf beziehungsweise zwölf Jahre alt war.

Dabei stützte sich das Gericht vor allem auf die Aussage der heute 15-Jährigen. „Wir haben selten eine Zeugin gesehen, die ein Tatgeschehen so eindrücklich und nachvollziehbar dargestellt hat“, sagte Richter Becker in der Urteilsbegründung. Die Aussage sei somit „in vollem Umfang belastbar“.

Gerade die Sprünge in der Chronologie und einige Widersprüche überzeugten die Kammer vom Wahrheitsgehalt der Angaben, die eben nicht konstruiert gewesen seien. Auch sei kein Motiv für eine Falschbelastung des Vaters erkennbar gewesen.

Demnach hat der Hersfelder seine Tochter bei mindestens sechs Gelegenheiten an intimster Stelle mit Fingern und Zunge berührt, ihr in einem Fall sogar Schmerzen zugefügt – ein Geschehen dicht an der Vergewaltigung. Die Übergriffe geschahen, als die beiden Kinder des von der Mutter getrennt lebenden Angeklagten ihre Wochenenden in seiner Wohnung verbrachten beziehungsweise mit dem Vater zu Verwandten unterwegs waren.

Weil die Tochter am zweiten Verhandlungstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen worden war (unsere Zeitung berichtete), mussten die Zuhörer auch während der Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung den Saal verlassen.

Staatsanwältin Lambiel hatte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und vier Monaten gefordert, Rechtsanwalt Christian Kusche für den Angeklagten auf Freispruch plädiert. Kusche hatte wie in seinem abgelehnten Beweisantrag auf Widersprüche und Ungereimtheiten in der Aussage des Opfers hingewiesen.

Trotz der hohen Freiheitsstrafe sah die Kammer keinen Grund für einen sofortigen Haftbefehl. Der Hersfelder habe einen festen Wohnsitz, lebe in einer Partnerschaft und verfüge nicht über Beziehungen oder die finanziellen Mittel, um sich ins Ausland abzusetzen. (ks)

Prozess in Fulda: Ein 22-Jähriger aus Bad Hersfeld wird wegen Vergewaltigung und Missbrauch angeklagt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.