Ein Jahr und vier Monate Freiheitsstrafe wegen Raubes

Misslungene Selbstjustiz: 25-jähriger Hersfelder vor Gericht

Bad Hersfeld. Mit einem Fall misslungener Selbstjustiz musste sich das Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld beschäftigen.

Am Ende wurde ein 25 Jahre alter Lagerarbeiter wegen gemeinschaftlichen Raubes in Tateinheit mit gemeinschaftlicher Körperverletzung zu einem Jahr und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem verhängte das Gericht unter Vorsitz von Richter Elmar Schnelle eine Geldauflage von 1600 Euro.

Der geständige Angeklagte war kurz vor der Tat Opfer eines Einbruchs geworden, bei dem seine weiße Playstation 4 gestohlen wurde. Als er am 27. September vergangenen Jahres im Bekanntenkreis hörte, dass einer seiner Freunde plötzlich solch ein weißes Spielgerät sein Eigen nannte, keimte in dem Arbeiter ein Verdacht.

Befeuert von erheblichen Mengen Alkohol schmiedete er den Plan, sich sein vermeintliches Eigentum zurückzuholen. Gemeinsam mit einem 28 Jahre alten Kumpan, der schon öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, ging der Hersfelder zur Wohnung des mutmaßlichen Einbrechers im Zellersgrund.

Über die aufgedrückte Terrassentür wurde das Wohnzimmer gestürmt. Der auf dem Sofa schlummernde Hausherr bekam nach seinem Hochschrecken eins auf die Nase, und dann wurde Beute gemacht: Ein Fernseher, eine weiße Playstation, eine Uhr und etwa 20 Euro Bargeld.

Die Spielekonsole war, wie der spätere Angeklagte schnell erkannte, allerdings nicht die seine, der Raubüberfall also vollkommen unbegründet. Vor dem Schöffengericht ging es vor allem um die jeweiligen Tatbeiträge der beiden Räuber. Der Ältere war dabei unstrittig der zupackende Teil, der Jüngere allerdings der Mann mit dem Plan.

Der Versuch seines Verteidigers Jochen Kreissl, den Raub rechtlich auf einen Einbruch zu reduzieren, ging jedoch nicht auf. Das Gericht folgte Staatsanwalt Harald Reith, blieb aber bei der Geldauflage unter dessen Antrag.

Zwischen Täter und Opfer gab es zudem eine versöhnliche Szene: Der bislang nicht vorbelastete 25-Jährige entschuldigte sich per Handschlag und sprach von einem „dummen Fehler“. (ks)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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