Der Soundtrack unseres Lebens

Mit Albert Hammond durch 50 Jahre Musikgeschichte

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Albert Hammond singt in der Stadthalle Bad Hersfeld

Ein Konzert von Albert Hammond ist wie eine Zeitreise durch das eigene Leben. Jeder Song eine Erinnerung, jede Textzeile ein Moment in der Zeit. Am Dienstagabend war er zu Gast in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld. Albert Hammond ist ein Gigant der Musikgeschichte, Autor unzähliger Welthits. Dabei ist er selbst eher klein, zart, fast zerbrechlich. Ganz in Schwarz mit einer Lederjacke und seiner Akkustikgitarre betritt er pünktlich um 20 Uhr die Bühne der Stadthalle – und reißt schon kurz darauf die Zuschauer von den Sitzen.

Dabei ist es ein reiferes Publikum, das sich an diesem Abend eingefunden hat. Kein Wunder. 1968 lieferte Albert Hammond mit seinem ersten Hit „Little Arrows“ wohl so einigen von ihnen den Soundtrack für den ersten Liebeskummer. Ein halbes Jahrhundert später ist dieser Schmerz vergessen und nur die süße Erinnerung bleibt.

Schon beim zweiten Lied „Down by the River“, einem der ersten Öko-Songs der Musikgeschichte, singt das Publikum – erstaunlich textsicher – mit, und von da an dirigiert Albert Hammond mit südländischem Charme und verschmitztem Witz seinen vielstimmigen Chor. Unterstützt wird er von seiner perfekt auf ihn eingestimmten Band, die trotzdem zurückhaltend im Hintergrund agiert.

Welthits mit Geschichte(n)

Neben seinen eigenen weltbekannten Songs trägt der in London geborene und in Gibraltar aufgewachsene Singer und Songwriter auch jene Lieder vor, die er für andere geschrieben hat, die sie vielleicht sogar noch etwas besser gesungen haben. Zum Beispiel „Dont you love me anymore“, das durch Joe Cockers raue Rockröhre weltberühmt wurde. Oder Whitney Houstons „One Moment in Time“.

Nebenbei erzählt Albert Hammond mit angenehm weicher und volltönender Stimme die Geschichten hinter seinen Kompositionen. Etwa von jenem Lied, mit dem er einen Welthit zu landen glaubte und dann floppte. So erging es auch Schmusesänger Engelbert Humperdinck und Mr. Sex-Bomb Tom Jones. Erst als er Herzensbrecher Julio Iglesias das Lied im Auto auf einer Kassette vorspielte und ihn dann zusammen mit Willie Nelson ins Studio brachte wurde es zu einem Welthit: „To all the girls I loved before“. „Vielleicht lag es daran, dass ich die Frauen, die ich geliebt habe, an einer Hand abzählen kann“, erzählt Albert Hammond. „Aber als dann der Playboy und der Cowboy den Song aufnahmen, wurde er zum Hit.“

Es sind Geschichte wie diese, die die Zeitreise mit Albert Hammond zu einem besonderen Erlebnis machen. Zwei Stunden spielt der immerhin schon 74-Jährige ohne Ermüdung und Pause seine Lieder – und das Publikum in der Stadthalle macht mit. Schade, dass doch viele Plätze freigeblieben waren, denn einen solchen Weltstar sieht man in Bad Hersfeld sicher nur selten.

„Es ist mir egal, ob ich für 500 oder 5000 Menschen singe, ich will meine Zuhörer glücklich machen“, hatte Albert Hammond im Interview mit unserer Zeitung gesagt. Nach knapp zwei Stunden der Zugabe mit seinen größten Hits „It never rains in Southern California“ und der „Free Electric Band“ sah man in der Stadthalle jedenfalls nur glückliche Gesichter.

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Ein Besuch in der Garderobe

Kurz vor Konzertbeginn in den Gängen hinter der Bühne in der Stadthalle. In eine dicke Daunenjacke gehüllt wartet Albert Hammond schon auf die Leser unserer Zeitung. Freundlich werden Hände geschüttelt, die Frauen werden herzlich umarmt. „Leider hat man auf so einer Tour gar keine Zeit, um die Städte zu sehen“, sagt Hammond. Erst um 18 Uhr war er in Bad Hersfeld eingetroffen, Soundcheck in der Stadthalle, ein frühes Abendessen. 

Interessiert erkundigt sich Hammond nach den Bad Hersfelder Festspielen. Als er hört, dass im Sommer „Hair“ in der Stiftsruine gespielt wird, lächelt er vielsagend. „Gut, dass es ein Sommertheater ist, denn die Hippies ziehen sich ja gern aus“, sagt er. Hammond kennt die Flower-Power-Zeit, schließlich ist er ja selbst ein Kind der Hippie-Generation. 

Seine fast 74 Jahre sieht man ihm nicht an. Das volle Haar wallt über den Kragen, die Lederjacke passt wie angegossen. Von Anspannung vor einem Konzert, vom Stress einer Tournee mit Auftritten an fast jedem Abend der Woche, merkt man dem Sänger nichts an. Geduldig posiert er für Fotos, gibt Autogramme. Bei den Frauen mal er noch ein kleines Herzchen hinter seinen Namenszug. 

Dann verabschiedet er sich von seinen Besuchern. „Ich muss mich vorbereiten“. 20 Minuten später steht er dann auf der Bühne, singt, spielt und tanzt – Rock’n’Roll hält offenbar jung. 

Von Kai A. Struthoff

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