Viele Pfarrer in Wippershain erlebt

Mit dem Postauto zur Klavierstunde: Helmut Eidam spielte 65 Jahre die Orgel

Für 65 Jahre war das sein Stammplatz: Der 80-jährige Helmut Eidam legt nach über sechs Jahrzehnten sein Amt an der Orgel in Wippershain nieder.
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Für 65 Jahre war das sein Stammplatz: Der 80-jährige Helmut Eidam legt nach über sechs Jahrzehnten sein Amt an der Orgel in Wippershain nieder.

Als Helmut Eidam neun Jahre alt war, begann er mit Klavierspielen. Es folgten zwei Jahre Orgel-Unterricht. Und mit 15 übernahm er den Orgeldienst in der Wippershainer Kirche.

Wippershain - Nach 65 Jahren wurde er jetzt von Pfarrerin Imke Leipold in den Ruhestand verabschiedet. „Jetzt kann ich mich im Gottesdienst auch mal entspannen und nur zuhören“, freut sich Eidam. Während Eidams Schulzeit hatten die Lehrer zusätzliche Ämter inne, berichtet er. So war der Lehrer im Dorf zumeist auch Organist und Chorleiter. Der junge Helmut Eidam wurde eines Tages von seinem Lehrer auserkoren, dass er dessen Nachfolger an der Orgel werden solle. Jetzt mussten aber Klavierstunden her und ein Bus ist damals noch nicht nach Bad Hersfeld gefahren. Also ist Eidam zwischen Briefen und Paketen sitzend vom Postboten mitgenommen worden und nach einer Stunde Klavierunterricht ging es zu Fuß wieder den Berg hoch zurück nach Wippershain, erzählt er.

„Mein Klavierlehrer hat so viel Zigarre geraucht, da konnte ich kaum die Noten lesen“, erinnert sich der 80-Jährige amüsiert. Irgendwann kaufte die Familie ein gebrauchtes Klavier, sodass er auch zuhause üben konnte.

Die ersten Berührungspunkte mit der Orgel hatte er allerdings schon, als er von seinem Lehrer aufgefordert wurde, während Proben und Gottesdienst den Blasebalg zu betätigen. Als Eidam schließlich selbst an der Klaviatur saß, war es an ihm, eine Assistenz für den Blasebalg zu finden. „Als Dank habe ich dann auch mal ein Eis spendiert“, berichtet er.

In seinen Anfangsjahren als Orgelspieler wechselten die Gottesdienstzeiten zwischen acht und 13 Uhr. Wenn man als junger Mann am Abend zuvor mal auf der Kirmes war, fiel das Aufstehen zum Gottesdienst natürlich nicht so leicht, berichtet Eidam schmunzelnd, „aber geschwänzt habe ich nie.“ Seit 1976 ist Eidam auch Leiter des Männergesangsvereins, später kamen noch der Frauenchor und der Chor „Voices of Joy“ hinzu. Dirigieren und Orgelspielen musste Eidam im Gottesdienst dann parallel. In den vergangenen 25 Jahren konnte der Musiker aber auf die Unterstützung von Agnes Schneider zählen, die ihn regelmäßig an der Klaviatur vertreten hat und nun vollständig sein Amt übernimmt.

Erfolge feierte Eidam während seiner Karriere mit einem Krippenspiel von Erwachsenen für Erwachsene, bei dem er Regie führte. Zwar musste er damals einigermaßen große Überzeugungsarbeit leisten, das Endprodukt kam aber so gut an, dass es mehrere Jahre auf die Bühne gebracht wurde, auch außerhalb von Wippershain, in der Kirche in Buchenau. Während den vergangenen 65 Jahren im Dienst der Wippershainer Kirche hat Eidam einige Pfarrerinnen und Pfarrer kommen und gehen gesehen sowie die Kirche im Wandel beobachten können. Der 80-Jährige bedauert, dass die Kirche – wie er findet – „auf der Stelle stehen geblieben ist“, auch was die Musik betreffe. (Laura Hellwig)

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