Kreistrend ähnelt den Bundeszahlen

Mitgliederzahlen: SPD verliert, CDU mauert, kleine Parteien wachsen

Geht es nach der Anzahl der Mitglieder, bleibt die SPD Platzhirsch unter den Parteien im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Die CDU hält sich jedoch zurück und veröffentlicht keine 

1753 eingetragene Sozialdemokraten gibt es hier, vor fünf Jahren waren es 2102. Verstärkten Zulauf haben nur die kleineren Parteien in den vergangenen Monaten registriert.

Die Zahl der CDU-Mitglieder lag im März vergangenen Jahres bei 732. Nachzulesen ist das auf der Internetseite zum CDU-Landesparteitag 2018 – eine der wenigen Chancen, Näheres über die Mitgliederzahl zu erfahren. Denn Kreisvorsitzender Timo Lübeck sagte auf Anfrage nur mehrfach: „Das haben wir noch nie veröffentlicht.“ Begründung? „Das ist meine Sache“. Aktuelle Zahlen nennt er nicht.

Zwischen 70 und 80 Mitglieder hat der Kreisverband der Grünen laut Vorstandssprecherin Martina Selzer. Der stärkere Zulauf an Mitgliedern in den vergangenen Monaten habe durch überdurchschnittlich viele Abgänge im vergangenen Jahr, etwa durch Todesfälle oder Wegzug, keine gravierenden Änderungen für die Statistik mit sich gebracht: Die geringe Anzahl von Mitgliedern im Verhältnis zur Anzahl der Wähler nennt Selzer ein „grünes Phänomen“.

Auch andere „kleine“ Parteien bewegen sich bei den Mitgliederzahlen auf relativ niedrigem Niveau. So gaben sowohl Hartmut Thuleweit von der Linken als auch AfD- Kreisvorsitzender Gerhard Schenk die Mitgliederzahl mit „zwischen 50 und 60“ an – mit steigender Tendenz.

Im FWG-Kreisverband sind etwa 165 Menschen organisiert, erklärte Vorsitzender Jörg Brand. Die Struktur der politischen Organisation ist anders als bei Parteien, so sei die Kreis-FWG als eigener Verein organisiert, dazu gebe es eigenständige Ortsverbände, deren Mitglieder nicht zwingend auch der Kreis- FWG angehörten.

Auch FDP-Kreisvorsitzender Werner David nennt keine konkrete Mitgliederzahl. Er spricht von einer Zahl im „unteren dreistelligen Bereich“. Dass der FDP-Kreisverband keine konkrete Mitgliederzahl nennt, begründete Vorsitzender Werner David mit einem alten Vorstandsbeschluss, sagte aber auch, dass man über diesen Beschluss durchaus „mal reden“ müsse.

Insgesamt sei man mit der Mitgliederzahl aber sehr zufrieden, da es zu einem rasanten Mitgliederschwund gekommen war, als die FDP aus dem Bundestag geflogen war. Im vergangenen Jahr habe es einen ordentlichen Zuwachs gegeben, der mit einer deutlichen Verjüngung des Verbandes verbunden war.

Parteien freuen sich über junge Mitglieder

Linken-Vorstandsmitglied Hartmut Thuleweit sprach von einem leichten Zuwachs im vergangenen Jahr, besonders jüngere Menschen hätten sich durch das Erstarken der AfD bei der Linken gemeldet. Doch münde das Interesse nicht zwingend in eine Mitgliedschaft. Alle Organisationen hätten im Übrigen Schwierigkeiten, neue Mitglieder zu bekommen: „Wer voll im Arbeitsprozess steckt, kann sich kaum noch ehrenamtlich engagieren.“ 

AfD-Kreisvorsitzender Gerhard Schenk spricht von einem „regen Zulauf“ in seiner Partei, der sich aufgrund des komplizierten Aufnahmeverfahrens noch nicht konkret mit Zahlen feststellen lasse. Etliche Anträge würden derzeit noch in der Landeszentrale durch Internetrecherche überprüft. Es sei leichter, einem unerwünschten Kandidaten die Aufnahme zu verweigern, als ein Mitglied später aus der Partei zu werfen. Hessenweit habe die Zahl der AfD-Mitglieder im vergangenen Jahr um 800 zugenommen, sagte er. 

Die letzte Eintrittswelle bei der SPD mit 54 Anmeldungen gab es nach Angaben von Parteimitarbeiterin Christa Landsiedel 2017 mit der Nominierung von Martin Schulz. 38 Austritte im vergangenen Jahr werden auf die Beteiligung an der Großen Koalition zurückgeführt. Neumitglieder seien sehr jung, zwischen 18 und 25 Jahre alt, was in der Partei hocherfreut zur Kenntnis genommen wird. Denn die SPD spürt wie auch die Grünen oder andere kleinere Parteien den demografischen Wandel: Es gibt sehr viele schon sehr alte Mitglieder. Die Todesfälle würden durch Neueintritte nicht ausgeglichen. 

Wie Grünen-Sprecherin Martina Selzer verweist auch Landsiedel darauf, dass junge Mitglieder den Kreis zu Studium oder Ausbildung verlassen und sich in anderen Ortsverbänden melden würden. Allerdings: Immer häufiger kehrten junge Menschen zurück – dann, wenn sie eine Familie gegründet hätten.

Bundeszahlen ähneln dem Kreistrend

Auch auf Bundesebene verzeichneten die Grünen 2018 ein Mitgliederplus: Etwa 10 250 neue Mitglieder kamen hinzu, nun sind es 75 300. Die CDU verlor vergangenes Jahr 11 000 Mitglieder und liegt nun bei 415 000. Die SPD verlor rund 5000 Mitglieder und liegt bei 438 000. Die Linke stagnierte bei gut 62 000 Mitgliedern, die FDP gewann 1000 hinzu und hat nun knapp 64 000. Auch bei der AfD gab es ein Plus von knapp 1000 auf jetzt 33 615 Mitglieder.

VON SILKE SCHÄFER-MARG

Rubriklistenbild: © HNA-Archiv

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