Harald Lampp bleibt Geschäftsstellenleiter 

Melsunger Modehändler Vockeroth übernimmt Bad Hersfelder Sauer-Gruppe

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Neuer Eigentümer: Vockeroth hat die Bad Hersfelder Sauer-Gruppe jetzt komplett übernommen. 

Der Melsunger Modehändler Thomas Vockeroth (57) übernimmt sämtliche Geschäfte der Bad Hersfelder Sauer-Gruppe komplett. Bisher hielt Vockeroth 25 Prozent der Anteile.

Sauer gehörte seit 2015 zur Moses-Gruppe der Familie Wittenberg. Bereits im September 2017 hatten beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit verkündet und perspektivisch von einer Fusion gesprochen.

„Wir vollziehen jetzt das, was sich Ende vergangenen Jahres abgezeichnet hat“, sagte Thomas Vockeroth im Gespräch mit unserer Zeitung. Das vorläufige Insolvenzverfahren eines Moses-Warenhauses in Bottrop hatte die Eheleute Wittenberg bewogen, ihren Partner Vockeroth um ein stärkeres Engagement bei Sauer zu bitten.

Sauer betreibt zehn Geschäfte, darunter Filialen in Homberg und Schwalmstadt. Allein in Bad Hersfeld verfügt die Gruppe über 9000 Quadratmeter Verkaufsfläche.

„Sauer ist jetzt wieder in regionaler Hand“, machte Vockeroth deutlich, der überwiegend in Nordhessen und Südniedersachsen rund 30 Modehandelsfilialen betreibt. „Wir kennen das Haus und konzentrieren uns wieder auf das Kerngeschäft.“ Zu Gerüchten, Sauer stecke in finanziellen Schwierigkeiten, bezog Vockeroth ebenfalls Stellung: Der Totalumbau des Haupthauses in Bad Hersfeld wie auch die Einrichtung des neu erbauten Intersport-Hauses seien „keine Kleinigkeit gewesen.“

Man müsse nun an internen Prozessen arbeiten und Bereiche beider Unternehmen zusammenlegen, „um uns für die Zukunft aufzustellen“. Dazu gehören auch die digitalen Themen, die noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden sollen.

Bei der Führung wird sich in Bad Hersfeld jedoch nichts ändern: Harald Lampp bleibt Geschäftsstellenleiter. „Ohne ihn geht es nicht, und ohne ihn würde ich es auch nicht machen“, sagte Vockeroth. 

Modehaus in Familienhand

Sauer – das ist schon von alters her in Bad Hersfeld das Synonym für ein Modehaus in Familienhand. Außerdem steht der Name für eines der ältesten Geschäfte der Stadt. Gottfried Knauff und anschließend sein Sohn Martin waren jahrzehntelang prägende Köpfe im örtlichen Einzelhandel, ehe das Haus 2015 im Jahr des 275-jährigen Bestehens verkauft wurde – aber wieder an eine Familie. Norbert und Martina Wittenberg waren dem Hause schon als Geschäftspartner verbunden, ehe Sauer Teil der Moses-Leininger-Gruppe wurde. Die betreibt Kaufhäuser in Bad Neuenahr, Neuwied, Gotha, Strausberg und anderen Orten. 

Mit großem Mut setzten die Wittenbergs die Totalsanierung des Haupthauses in der Breitenstraße um, das sich im Eigentum des örtlichen Unternehmers Walter Rossing befindet. In 16 Monaten Bauzeit wurde das Geschäft bei laufendem Betrieb auf allen vier Ebenen runderneuert. Damit nicht genug: Noch bevor dieses Mammut-Projekt abgeschlossen war, begann in der Badestube der Um- und Neubau der ausgelagerten Intersport-Abteilung in ein eigenständiges Ladengeschäft als Mietfläche auf zwei Etagen. 

Als im September 2017 in der Breitenstraße das neue „Festspielhaus der Mode“ eröffnet wurde, erschien auch Thomas Vockeroth, Modehändler aus Melsungen, mit im Bild. Zunächst war von einer Kooperation die Rede, perspektivisch aber schon von Fusion und Übernahme. Nur eben nicht so bald wie jetzt geschehen. Vockeroth ist in Bad Hersfeld bereits mit den Marken-Shops von S.Oliver und Esprit an der Ecke Breitenstraße/Badestube auf rund 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche vertreten. Früher hatte Vockeroth in der Stadt auch ein Herrenmoden-Geschäft betrieben. 

Als Norbert und Martina Wittenberg (links) im September 2017 die Kooperation der Sauer Modehandelsgesellschaft mit dem Unternehmen Vockeroth, vertreten durch Thomas Vockeroth (Zweiter von rechts) verkündeten, war eine strategische Partnerschaft geplant. Jetzt hat Vockeroth die Sauer-Geschäfte komplett übernommen. Rechts im Bild Sauer-Geschäftsleiter Harald Lampp.

Bürgermeister Thomas Fehling begrüßte den Zusammenschluss von Mode-Kompetenz am Standort Bad Hersfeld. Zudem sei Vockeroth ein „alter Bekannter“, der nun wieder eine tragende Rolle im Einzelhandel der Festspielstadt spiele. Martin Knauff hat sich trotz des Verkaufs von Sauer nicht ganz aus dem Einzelhandel zurückgezogen: Sein Geschäft ist das „Living Stars“ in der ehemaligen Raumgalerie in der Heinrich-von-Stephan-Straße.

Interview mit dem neuen Inhaber Thomas Vockeroth zur Übernahme:

Herr Vockeroth, die Spatzen haben es schon seit Wochen von den Dächern gepfiffen, dass Sie Sauer übernehmen werden. Warum haben Sie mit der Bekanntgabe so lange gewartet? 

Von der im Dezember geäußerten Bitte der Familie Wittenberg, dass wir uns stärker um den Standort Bad Hersfeld beziehungsweise Sauer kümmern – aus nachvollziehbaren Gründen –, bis zur Entscheidung, es tatsächlich zu tun, brauchte es einfach eine gewisse Zeit. Das hatte mit dem Prozess an sich zu tun, da es ursprünglich anders angedacht war. Wir wollten bis dato eine strategische Zusammenarbeit. Wir haben dies erst Ende Januar final entschieden und jetzt im Februar vollzogen. 

Was haben Sie den Sauer-Mitarbeitern bei der Betriebsversammlung am Donnerstag erzählt? 

Wir haben die jetzt gerade neu entstandene Situation vorgestellt, und wir haben über die neuen Inhaber und Geschäftsführer gesprochen. Aber auch darüber, dass die Sauer-Inhalte sich nicht über Nacht ändern werden, wir aber durchaus mit der Zeit einige Neuerungen einbauen wollen, um zukunftsfähig zu bleiben. Das eigentliche Ziel immer vor Augen: Wir wollen Mode anbieten und das mit Lust und Leidenschaft. 

Wird sich konzeptionell etwas ändern, was für die Kunden augenfällig ist? 

Nicht unbedingt. Die Häuser in Bad Hersfeld sind fast alle umgebaut oder sogar ganz neu. Sie sind auf einem guten Stand. Wir werden aber, wie es in der Branche üblich ist, versuchen, dem Mode-Zeitgeist in jeder neuen Saison auch sichtbar Rechnung zu tragen. 

Sauer steht bisher für stationären Einzelhandel, doch in Bad Hersfeld steht der Online-Handel mit Amazon buchstäblich und sogar zweimal vor der Tür. Was bedeutet das für Sie? 

Der Online-Zug hat Fahrt aufgenommen und ist aus den Haushalten nicht mehr wegzudenken. Das will auch niemand, denn jeder bedient sich heute des Smartphones. Wir sehen unsere Herausforderung in zwei Punkten: Stationär bedeutet Lust an Mode, Lust am Anfassen oder auf ein nettes, kompetentes Wort bei der Beratung. Steht mir das oder passt mir das? Das wird es aus unserer Sicht immer geben. Wir werden aber eine digitale Komponente anfügen. Die werden wir noch dieses Jahr entwickeln. 

Herr Vockeroth, Sie sind Geschäftsmann, Sie investieren Geld. Wie geduldig müssen Sie sein, bis Sie mit Sauer etwas verdienen? 

Das ist eine gute Frage. Das wird schon ein bisschen dauern, aufgrund der bisher getätigten hohen Investitionen, und weil wir einige Prozesse ändern wollen beziehungsweise müssen, unter anderem ja die zwischen unseren Häusern. Das wird am Anfang immer weiteres Geld kosten, bevor etwas zurückkommen kann. Wichtiger ist uns aber, dass wir den Charme der Mode rüberbringen. Es muss weiterhin Spaß machen, sich etwas Neues zuzulegen, dafür wollen wir in den Sauer- und Vockeroth-Teams stehen. Wir sind halt Modefans, das steckt irgendwie drin und wir wollen ansteckend sein (lacht).

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