Mehr Wertschätzung, mehr Kommunikation

Montagsinterview: Das sind die Pläne der beiden Alheimer Bürgermeisterkandidaten

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Alheimer Bürgermeisterkandidaten Schmidt und Riekhof treten bei Stichwahl an

Alheim hat die Wahl: Am Sonntag, 29. November, treten Monika Riekhof (unterstützt von CDU und SPD) und Jochen Schmidt (parteilos) bei der Bürgermeisterstichwahl an.

Der Alheimer Wahlkampf hat zuletzt an Schärfe zugenommen. Wir haben die beiden Kandidaten im gemeinsamen Gespräch nach ihren Plänen gefragt, und wie sie sich unterscheiden.

Herr Schmidt, in der Öffentlichkeit ging es zuletzt vor allem um Frau Riekhofs Wohnort und darum, wie die SPD zu ihrer Kandidatin steht. Ist Ihr größtes Pfund, dass Sie nicht Monika Riekhof sind?
Jochen Schmidt: Ich freue mich, dass ich Jochen Schmidt bin. Ich bringe Dinge mit, die für einen Bürgermeister in Alheim gut und wertvoll sind: meine Ideen, mein Konzept, meine Persönlichkeit.
Frau Riekhof, was unterscheidet Sie am meisten von Herrn Schmidt?
Monika Riekhof: Die Erfahrung. Die Kompetenz, die ich als Bürgermeisterin in Schleswig-Holstein gesammelt habe. Ich habe in vier Jahren die komplette Bandbreite einer Gemeinde erlebt. Das geht von einem Bebauungsplan für ein Neubaugebiet über einen Kita-Anbau bis zur Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Schulen. Alles, was bearbeitet, verwaltet und gestaltet werden muss, habe ich schon gemacht. Es geht nicht darum, wer den besten Wahlkampf gemacht hat, sondern die Gemeinde sechs Jahre lang mitzugestalten und zu repräsentieren.
Schmidt: Erfahrung habe ich auch. Ich habe mein Leben lang politisch gearbeitet, war Berater gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Vielfalt. Ich habe Sozialwissenschaften und Politikwissenschaften studiert und habe zwei Hochschulabschlüsse in Gesellschaftswissenschaften und Pädagogik. Ich habe einer Partei angehört, im Ortsbeirat meines Heimatortes gearbeitet. Ich sehe mich als kompetent, auch wenn ich kommunalpolitisch nicht in dem Maß in Erscheinung getreten bin.
Sie versprechen beide mehr Transparenz, und dass Sie Bürger und Ortsbeiräte mehr einbeziehen wollen. Das ist im Wahlkampf kein unübliches Versprechen. Wie wollen Sie das umsetzen, was wird Sie in Ihrem Auftreten gegenüber den Bürgern ausmachen?
Schmidt: Ein bürgernaher Bürgermeister ist vor Ort, nicht nur im Wahlkampf. Ich will, auch wenn ich gewählt bin, Ortsrundgänge machen und den Kontakt zu den Ortsbeiräten intensiv halten. Ich will greifbar sein durch regelmäßige Bürgermeistersprechstunden. Ich verspreche auch, dass die Verwaltung transparent und kompetent funktionieren und bürgernah arbeiten wird.
Riekhof: Es war immer meine Arbeitsweise, dass ich an der Basis unterwegs bin. Ich bin immer mit den Bürgern im Gespräch, auch jetzt im Moment. Ich bin in den Ortsteilen mit Menschen aus Landwirtschaft, Handwerk und anderen Unternehmen im Gespräch. Die Ortsbeiräte tragen sehr viel zusammen, das hilft beim Informationsfluss mit den Bürgern. Trotzdem ist es immer gut, auch den direkten Kontakt zu den Bürgern zu haben. Transparenz ist ein großes Wort, aber das kann man in der Verwaltung klar darstellen, über Bürgerbeteiligungsverfahren und Öffentlichkeitsarbeit.
Schmidt: Das sehe ich auch so wie Frau Riekhof. Ich habe bei meinen Ortsrundgängen und dem Haustürwahlkampf viele Rückmeldungen bekommen, dass viele Dinge in der Verwaltung nicht so ankommen wie sie vor Ort gefordert werden. Man sollte ein offenes Ohr für die Bürger haben und das geht am besten, wenn man bei ihnen vor Ort ist.
Bei Ihnen beiden ist noch nicht ganz klar, wie Sie in der Gemeindevertretung Mehrheiten organisieren können, auch weil die Kommunalwahl noch aussteht. Worauf können sich die Gemeindevertreter einstellen?
Riekhof: In der Vergangenheit ist es meine große Stärke gewesen, auch für Dinge Mehrheiten zu bekommen, wo es eigentlich keine gegeben hat. Das heißt, dass man die Dinge miteinander erarbeitet und nicht über die Köpfe von irgendwem hinweg. Vor zwei oder drei Jahren wäre es in Alheim wohl noch undenkbar gewesen, dass sich SPD und CDU auf eine gemeinsame Kandidatin einigen. Das zeigt, dass es möglich ist. Man muss immer Kompromisse eingehen, aber dann kann man schaffen, was das Beste für die Bürger und die Gemeinde ist.
Schmidt: Einvernehmen herzustellen, Menschen dazu zu motivieren, gemeinsame Ziele zu verfolgen, Kompromisse zu schließen – das zieht sich durch mein ganzes Berufsleben. Das habe ich als zertifizierter Wirtschaftsmediator in Betrieben gemacht und jetzt in der Familienberatung. Da geht es darum, dass Menschen sich nicht benachteiligt fühlen, sich auf Augenhöhe begegnen und für beide Seiten gewinnbringend Kompromisse schließen. Ich sehe es als Vorteil, keiner Partei anzugehören. Dadurch bin ich verpflichtet, meine Dankbarkeit und mein Entgegenkommen für die Unterstützung allen gegenüber zu zeigen. Ich mache Wahlkampf auf eigene Kosten und eigene Energie und werde von keiner Partei unterstützt und bin unabhängig, anders als Frau Riekhof.
Welches Thema – abseits von Wohnorten und Parteiinterna – bewegt die Alheimer Bürger aus Ihrer Sicht derzeit am meisten?
Riekhof: Ein Thema oder zwei oder drei?
Nur eines. Bei der nächsten Frage haben Sie Gelegenheit, noch auf andere Dinge zu sprechen zu kommen. Es geht um das eine Thema, das die Menschen am meisten umtreibt.
Schmidt: Bei den persönlichen Gesprächen während meiner Ortsrundgänge ist mir aufgefallen, dass es den Bürgern ganz stark um Wertschätzung geht – gehört zu werden und Wertschätzung für ehrenamtliche Tätigkeiten und ehrenamtliches Engagement zu erfahren. Wir müssen schauen, dass wir ein Wir-Gefühl entwickeln und nicht, dass die Leute sagen: „Die haben das bekommen, wir möchten das haben, bekommen es aber nicht.“ Dieses Gefühl, dass man mehr Recht auf etwas hat, kommt ja irgendwo her. Man muss schauen, dass man mit den Bürgern in Kontakt ist. Wertschätzung zu zeigen – das ist das Wichtigste, was ich als Erstes für die Menschen in Alheim tue.
Riekhof: Es ist eine schwere Frage, weil es mehrere Dinge gibt. Aber aus meiner Sicht das Wichtigste ist die Kommunikation. Da geht kein Weg dran vorbei. Es sind nicht nur die Ortsbeiräte und Ortsvorsteher, die sich aus der Verwaltung mehr Gehör wünschen. Sondern auch die Bürger, die bei ihren Anliegen nicht immer die Antworten bekommen, die sie bräuchten. Schlussendlich ist es egal, um welchen Ortsteil es geht: Die Kommunikation zwischen Ortsbeiräten, Verwaltung und Institutionen wie Kita und Feuerwehr muss einfach auf einen Nenner kommen. Wenn die Kommunikation gut funktioniert, wären einige Probleme nicht mehr da. Wenn Anliegen schnell bearbeitet werden mit den Kompetenzen, die in der Verwaltung ja da sind, dann hat man kurze Wege zum Bürger. Das ist bereits ein Teil von Wertschätzung.
Schmidt: Das Potenzial ist da, auch in der Verwaltung. Man muss gucken, dass man die Menschen dazu motiviert, ihr Potenzial auszuschöpfen…
Sie haben doch schon gesagt, was aus Ihrer Sicht das wichtigste Thema ist.
Schmidt: Ja, Wertschätzung und Kommunikation.
Riekhof: Nein, Sie haben nur Wertschätzung gesagt.
Schmidt: Nein, da haben Sie mich falsch verstanden.
Riekhof: Ein Thema, bitte.
Schmidt: Ich habe gesagt, Kommunikation ist sehr wichtig, aber Wertschätzung ist auch noch mal ein sehr wichtiger Punkt. Ich verstehe nicht, warum Sie sich jetzt so aufregen.
Riekhof: Wir wurden nach einem Thema gefragt, nicht nach mehreren.
Es kommt jetzt noch eine Frage, bei der Sie mehrere Themen ansprechen können. Die letzte Gelegenheit für Sie beide. Welche drei Dinge werden sich im Leben der Alheimer im kommenden Jahr verbessern, wenn Sie gewählt werden?
Schmidt: Der erste Punkt ist eine transparente Verwaltung, die bürgernah arbeitet, mit dem Bürgermeister an der Spitze. Der zweite Punkt ist, dass das ehrenamtliche Engagement der Bürger die entsprechende Wertschätzung erfährt, die Bürger sich unterstützt fühlen und ihr Ehrenamt noch motivierter ausüben können. Der dritte Punkt ist, dass wir als moderne Gemeinde gucken müssen, dass wir die Voraussetzung für Kommunikation und Wertschätzung haben. Also: dass wir ein gutes Internet haben, dass wir eine gute Verbindung haben, auf Straßen genauso wie im Internet. Das gibt uns erst die Möglichkeit, gute Kommunikation und Begegnung stattfinden zu lassen.
Riekhof: Digitalisierung ist das Erste. Wir haben Ortsteile, die nicht wirklich angeschlossen sind und nicht so dabei sind, dass Homeschooling und Homeoffice möglich sind. Das ist auch für Unternehmen ganz wichtig. Das Nächste wäre die Thematik Leerstand. Die Neubaugebiete in den Ortsteilen außerhalb von Heinebach eruieren zu können – das ist ja nicht nur schwierig, sondern teilweise auch unmöglich. Aber es gibt viel Potenzial bei Leerständen. Da geht ganz schön was. Das braucht man für junge Familien und Neubürger, um weiter wachsen zu können. Und drittens möchte ich über die Kommunikation und Zusammenarbeit mit Vereinen und Verbänden dieses Wir-Gefühl für Alheim entwickeln. Wir sind Alheim. Wenn man das von außen betrachtet – die Möglichkeit habe ich ja –, sieht man ganz oft, dass man in den Dörfern für sich unterwegs ist, weil jeder versucht, sein Vereinsleben und so weiter im eigenen Dorf zu erhalten. Man muss das große Ganze sehen. Das ist nicht nur die Verwaltung für Alheim. Das sind alle, die Alheim sind. (Christopher Ziermann)

Zur Person

Jochen Schmidt (52) stammt aus Frielendorf im Schwalm-Eder-Kreis. Nach Fachabitur und Wehrdienst studierte er in Kassel Sozialpädagogik sowie Politik- und Sozialwissenschaften. In der Jugendberufshilfe war er unter anderem in Schwalmstadt und Berlin tätig, außerdem arbeitete er als Berater gegen Rechtsextremismus. Jugendpfleger in Alheim war Schmidt –mit befristetem Vertrag – 2014 und 2015. Seit 2016 arbeitet er als Familienberater und Therapeut beim Diakonischen Werk Hersfeld-Rotenburg. Bis zur Verkündung seiner Kandidatur war Schmidt SPD-Mitglied und unter anderem im Ortsbeirat seines Heimatortes aktiv. 

Zur Person

Monika Riekhof (46) wurde in Erfurt geboren. Seit 2006 lebt die gelernte Kauffrau in Hetlingen bei Hamburg. Seit 2013 ist sie CDU-Mitglied, von 2014 bis 2018 war sie ehrenamtliche Bürgermeisterin in Hetlingen. Kommunen sind in Schleswig-Holstein anders strukturiert als in Hessen – hauptamtliche Bürgermeister haben nur größere Städte. 2019 machte sie sich als Beraterin im Bereich Nachhaltige Entwicklung selbstständig. Sie hat eine 20-jährige Tochter und einen 16-jährigen Sohn und ist verheiratet. Riekhof ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins Elbkinderland, der sich für musische Förderung von Kindern und Jugendlichen einsetzt. 

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