Gutachten bestätigt seine Tatversion

Mordprozess Bosserode: Angeklagter ist voll schuldfähig

Das Landgericht in Fulda.
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Das Landgericht in Fulda.

Der Angeklagte im Bosseröder Mordprozess ist voll schuldfähig. Das hat der psychologische Gutachter am letzten Tag der Beweisaufnahme vor dem Landgericht in Fulda ausgesagt.

Bosserode/Fulda – Nicht nachzuweisen ist allerdings, ob die Getötete zu Beginn der Messerattacke geschlafen hat oder wach war. Die rechtsmedizinische Gutachterin kam aber zu dem Schluss, dass die Spuren am Tatort und an der Leiche „schlüssig mit der Einlassung des Angeklagten in Einklang“ gebracht werden können.

Während Oberstaatsanwältin Dr. Christine Seban in der Anklage davon ausging, dass die 79-Jährige vom Sohn im Schlaf angegriffen wurde, womit das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt wäre, hatte der Verteidiger des Angeklagten anderen Angaben gemacht (wir berichteten). Demnach habe der damals 60-Jährige Arbeitslose seine Mutter in der Nacht zum 10. November 2020 zunächst aufgeweckt und es sei zu einem Streit gekommen, hatte Rechtsanwalt Artak Gaspar aus Niederaula stellvertretend für seinen Mandanten ausgesagt. Folgt das Gericht dieser Annahme, würde die Strafe wohl milder ausfallen.

Die rechtsmedizinische Gutachterin sagte, dass die Spuren sicher darauf schließen lassen, dass sich das Opfer heftig zur Wehr gesetzt habe. Gegenüber einem Bad Hersfeld Kripo-Beamten hatte der Angeklagte gesagt, nach dem ersten Messerstich gegen den Hals der Mutter hätten sie noch minutenlang weiter gestritten. Staatsanwältin Seban wollte wissen, ob das möglich sei. Körperlich wäre die 79-Jährige dazu noch in der Lage gewesen, antwortete die Gutachterin. „Ob man sich danach noch unterhält, weiß ich nicht“, meinte sie. Keiner der 17 Messerstiche sei tödlich gewesen. Die Frau sei verblutet. Dass sie anfangs geschlafen haben könnte, schloss die Gutachterin nicht aus.

Der psychologische Gutachter sagte, aufgrund der langen Abstinenz habe die Alkoholsucht des Bosseröders heute keine Auswirkungen mehr auf seine Schuldfähigkeit. Ebenso habe er keine psychischen Krankheiten oder Persönlichkeitsstörungen. Er sei zwar „leicht unterdurchschnittlich intelligent“, eine Intelligenzminderung per Definition lasse sich aber ausschließen. Ebenso verneinte der Gutachter eine Bewusstseinsstörung während der Tat. Das begründete er zum Beispiel damit, dass der Sohn sich nach der Tötung seiner Mutter „geordnete“ Gedanken darüber machte, was nun passiere. Weniger Stunden später hatte er sich mit gepackter Tasche bei der Polizei in Rotenburg gestellt.

Zum Schluss richtete der Bruder des Angeklagten, der als Nebenkläger auftritt, das Wort an den heute 61-Jährigen: „Ich bin hier, weil ich mir erhofft hatte, Antworten zum Wie und Warum zu bekommen. Ich hätte mir gewünscht, dass du mir die Wahrheit sagst.“ Zum Tatvorwurf hatte ausschließlich der Verteidiger, nicht aber der Angeklagte gesprochen. „Du kannst auch selber reden. Du hast einen Sohn, ein Patenkind und ein Enkelkind. Die sitzen zu Hause, und denen geht es nicht gut. Willst du sie das ganze Leben lang im Unklaren lassen, was da passiert ist?“, fragte der Bruder abschließend.

Am Mittwoch, 18. August, halten Verteidiger und Staatsanwältin ihre Plädoyers. Das Datum für die Urteilsverkündung steht noch nicht fest. (Christopher Ziermann)

So ging es los im Mordprozess von Bosserode.

Der Verteidiger erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Der Angeklagte selbst schweigt, legt aber über seinen Anwalt ein Geständnis ab.

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