Vom Baum in den Beutel

Mostraum Mengshausen: Hier wird aus Äpfeln süßer Saft

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Handarbeit: In großen Plastikbottichen reinigt Gerlinde Müller die Äpfel, während Ehemann Tom darauf wartet, die Früchte im Häcksler zu Maische zu verarbeiten. Rechts befüllt Thorsten Wittich die Saftpresse.

Mengshausen. Im Mengshäuser Mostraum stellen Obstbaumbesitzer Saft aus eigenen Äpfeln her. Wir haben mal zugeschaut:

Ein süßlicher Duft steigt in die Nase beim Betreten des kleinen gekachelten Raumes im Erdgeschoss des Dorfgemeinschaftshauses in Mengshausen. Der Duft frischer Äpfel. Was in den Dörfern selten geworden ist, gibt es in dem Niederaulaer Ortsteil noch: Einen Raum, in dem Obstgarten- und Streuobstwiesenbesitzer ihre Früchte selbst verarbeiten können. Entstanden sei diese Einrichtung während der Dorferneuerung, berichtet Thorsten Wittich, während er eine graue Schürze umbindet und Gummihandschuhe überstreift. Der Mengshäuser hat seit dieser Saison die Betreuung des gemeindeeigenen Mostraums übernommen.

Kiste statt Flasche: Thorsten Wittich demonstriert das Bag-In-Box-System.

An diesem Nachmittag haben sich Ulrike und Joachim Prause aus Kohlhausen und Gerlinde und Tom Müller aus Mengshausen zum gemeinsamen Mosten angemeldet. Einen Autoanhänger und mehrere große Säcke voller leuchtend roter und gelber Früchte haben sie mitgebracht. Bei der schweißtreibenden Arbeit sind die vier ein eingespieltes Team. In Eimern tragen die beiden Frauen die Früchte vom Anhänger nach drinnen. Dort werden Boskoop, Kaiser Wilhelm und Ausbacher Rotäpfel in zwei großen Speisfässern doppelt gewaschen.

In den Häcksler

Aus den Bottichen schaufelt Tom Müller die Früchte in den Trichter des Obsthäckslers. Das ratternde Gerät macht aus den Früchten Brei – Maische nennen den die Fachleute. Thorsten Wittich schüttet die Maische in die kleine Presse – einen runden Gitterkorb aus Edelstahl, der mit einem Vlies ausgekleidet wird. Das Pressen selbst läuft weitgehend lautlos ab – alleine mit dem Druck aus der Wasserleitung. Durch einen Schlauch läuft das Wasser in eine Membran im Inneren. Die dehnt sich aus und drückt die Maische gegen die Außenwand. Schon rinnt aus den Sieblöchern der goldgelbe Saft, der durch eine Auffangrinne und in einen Eimer plätschert. Ob er in diesem Jahr wohl schmeckt? 

Apfelsaft-Herstellung in Mengshausen

Süß, aber nicht pappsüß, sondern mit einer vollmundigen Säure ist der Saft, den Joachim Prause zum Verkosten in einem Plastikbecher aufgefangen hat. Zufriedene Gesichter – die Arbeit hat sich gelohnt. Den Saft schüttet Prause aus dem Eimer in große Plastikfässer. Zuhause wird er für den Eigenbedarf entweder zu Wein vergoren oder – erhitzt auf 78 Grad – in Folienbeutel mit Zapfhahn abgefüllt. Bag in Box – Beutel im Karton heißt diese Lagermethode. „Aus einem Teil kochen wir Apfelgelee mit Calvados“, erzählt Gerlinde Müller stolz. 15 Cent je Liter zahlen Nutzer des Mengshäuser Mostraums für die Herstellung. „Wenn man alle Kosten mit einrechnet, ist der Saft aus dem Supermarkt trotz der vielen Arbeit nicht teurer“, meint Joachim Prause. Qualitativ komme dieser an das Erzeugnis aus eigenen Früchten aber nicht heran, sind sich die fünf einig. Neben dem Saft bleibt von den Äpfeln der Trester übrig. Die braune Masse aus Stilen, Kerngehäusen und Schalen landet auf einem Anhänger im Hof und wird später als Tierfutter verwendet.

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