Hotels und Gaststätten dürfen ab 15. Mai wieder öffnen

Holger Reichenauer (Dehoga Waldhessen): „Wir starten mit angezogener Handbremse“

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Die Gläser sind poliert: Holger Reichenauer, Restaurantleiter im Posthotel Rotenburg und Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Waldhessen Waldhessen, freut sich auf die ersten Gäste.

Gastronomen und Hoteliers hat die Corona-Zwangspause mit am härtesten getroffen. Jetzt erreichen die Lockerungen auch die gebeutelte Branche: Die Betriebe dürfen wieder öffnen.

Am 15. Mai ist es soweit – bis dahin müssen die Betriebe zunächst ihre Kühlschränke füllen. Wir haben mit Holger Reichenauer, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Waldhessen (Dehoga), über Erleichterung und das Wort „Aber“ gesprochen.

Herr Reichenauer, wie sehr atmen Sie und Ihre Kollegen im Landkreis nach der Entscheidung für eine Öffnung Mitte Mai auf?

Alle sind enorm erleichtert, dass es endlich vorwärtsgeht und wir öffnen können. Aber – und da ist es eben wieder, dieses aber – es wird nicht so sein, wie vor dem Shutdown. Wir starten mit angezogener Handbremse. Jeder zweite Tisch muss freibleiben. Das trifft vor allem die kleineren Gaststätten, die Bars und die Clubs, die nicht öffnen können, weil der nötige Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

Wird sich das Anfahren mit Handbremse auch bei den Mitarbeitern bemerkbar machen, von denen die meisten in Kurzarbeit oder gar nicht beschäftigt werden können?

Da nur die Hälfte der Fläche zur Verfügung steht, werden viele Betriebe wohl auch nicht mit voller Stärke loslegen können. Das betrifft in erster Linie die größeren Hotels. Aber auch die Mitarbeiter freuen sich, dass es wieder losgeht, und werden sich mit den neuen Regeln vertraut machen.

Sind die Gaststätten und Hotels im Kreis bis zum 15. Mai bereit für Gäste?

Das schaffen wir sogar in kürzerer Zeit. Wir brauchen ein paar Tage Anlauf, aber im Prinzip sind die Betriebe vorbereitet, die Gläser poliert und die Tische zurechtgerückt. Wir stehen auf Standby.

Die Kühlschränke in den Küchen dürften nicht gerade prall gefüllt sein.

Es ist alles leer. Was das betrifft, müssen wir erst einmal wieder hochfahren. Die Großhändler können sich darauf einstellen, dass alle Betriebe jetzt einkaufen wollen. Die Versorgungskette muss zunächst wieder stehen. Da sind auch keine Hau-Ruck-Aktionen gefragt, sondern wir müssen ein bisschen mit Verstand einkaufen.

Was viele Betriebe um jeden Preis vermeiden wollen, sind erneute Schließungen, weil die Fallzahlen wieder steigen.

Das wäre schlimmer als der erste Shutdown. Da wollen wir jetzt gar nicht dran denken. Wir halten uns an die Hygienemaßnahmen und auch die Gäste sind darauf eingestellt, sich an die Regeln zu halten. Die Mundschutzpflicht, das Abstandhalten beim Schlange stehen: Es klappt mit der Bevölkerung. Es wird sich wohl einspielen, dass wir hauptsächlich mit Reservierungen arbeiten. Wir wissen dann, wie viele Gäste wann kommen, und können entsprechend verteilen.

Die Hotels und Gaststätten sind also auf die Mithilfe der Gäste angewiesen?

Auch unsere Gäste sind doch daran interessiert, dass es wieder losgeht. Wir haben unheimlich viele Anfragen von Leuten, die gerne wieder kommen wollen. Viele sind froh, wenn sie mal aus den eigenen vier Wänden rauskommen. Und ich bin mir sicher, dass sich an die Regeln gehalten wird und die Gäste sich nicht in die Arme fallen. Allerdings wäre es ganz wichtig, dass bundesweit einheitliche Maßnahmen getroffen werden und nicht in Hessen, Niedersachsen und Thüringen jeweils andere Regeln gelten. Das wird sonst nur zu Disputen führen.

Hessen ist mit der Öffnung früher dran als andere Bundesländer. Es gibt weniger Auflagen als etwa in Niedersachsen. Ist das kein Vorteil?

Wir sollten keinen Wettbewerb daraus machen, wer schneller ist. Die Branche darf jetzt nicht versuchen, sich gegenseitig auszustechen. Es gilt abzuwarten, wie die Vorgaben der jeweiligen Behörden genau ausfallen. Wer zu schnell zu viel aufholen will und dabei im schlimmsten Fall die Hygiene vernachlässigt, schadet der ganzen Gastronomie und Hotellerie.

Wie viel Schadensbegrenzung ist nach der langen Zwangspause möglich?

Selbst wenn es reibungslos läuft und nicht erneut geschlossen werden muss, fehlen den Betrieben 30 bis 50 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr. Das ist nicht mehr aufzuholen. Wir können das gleiche Schnitzel ja nicht zweimal verkaufen. (cig)

Zur Person:

Holger Reichenauer (58) ist im thüringischen Ruhla geboren und aufgewachsen. Die Ausbildung zum Hotelfachmann absolvierte er im nahen Eisenach und arbeitete dort in der gehobenen Gastronomie. Die Prüfung zum Servicemeister legte er in Erfurt ab. Kurz nach der Grenzöffnung verschlug es Reichenauer in die Gastronomie im Kreis, zunächst nach Bebra. Seit 2005 ist er Restaurantleiter im Rotenburger Posthotel, dass zur Göbel-Hotels-Gruppe gehört. Holger Reichenauer sitzt seit 17 Jahren im Prüfungsausschuss Gastgewerbe der IHK Kassel-Marburg. Seit Januar ist er kommissarischer Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Waldhessen. Der 58-Jährige ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Rotenburg. (cig)

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