Naturschützer fordern Schutzgebiet statt Windkraftanlagen

Ihre Arbeit ist zunächst getan: Naturschützer aus dem Raum Rotenburg-Bebra haben den Vogelzug und das Vorkommen des Rotmilans im Bereich der Franzosenstraße zwischen Königswald und Bebra kartiert. Die Ergebnisse liegen dem Regierungspräsidium nun vor. Von links Werner Schalles, Karl-Heinz Heumann, Harald Schuchardt, Gerhard Schuchardt und Arno Werner, Arbeitskreisleiter der Hessischen Gesellschaft für Ornitholgie und Naturschutz. Unterstützung bekamen sie noch von drei weiteren Helfern. Foto: Schäfer-Marg

Rotenburg. Das Stölzinger Gebirge mit der Franzosenstraße zwischen Dankeröder Höhe und Bebra muss aus Vogelschutzgründen frei von Windkraftanlagen bleiben.

Diese Einschätzung teilen Naturschützer, die 2014 den Vogelzug und das Vorkommen des Rotmilans kartiert haben. Ihr Arbeitsergebnisse haben sie dem Regierungspräsidium vorgelegt. Die Vogelkartierung ist damit ein Einwand gegen den Teilregionalplan Energie.

Auf einer Fläche von 62 Quadratkilometern haben ehrenamtliche Mitarbeiter der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und Naturschutzbund Deutschland (Nabu) das Vorkommen des streng geschützten Rotmilans kartiert sowie den Durchzug von Kranich und Rotmilan.

Von März bis Juli haben die Kartierer 308 Stunden an 130 Tagen Rotmilane gezählt und sind dabei auf 576 Exemplare gekommen. Es wurden 14 bis 17 Brutpaare gesichtet. Auffällig dabei: Die Tiere bewegen sich nicht nur im Offenland, sondern wurden auch im Waldbereich, etwa auf Lichtungen und sichtbaren Waldwegen auf Beutezug gesichtet. Für die Vogelschützer ist damit klar, dass Windkraftanlagen im Wald der Raubvogelart durchaus gefährlich werden können.

Beim ihrem Herbstzug nach Frankreich oder Spanien wurden etwa 2000 Rotmilane in einem schmalen Korridor über das Stölzinger Gebirge registriert. Allerdings ist eine steigende Tendenz zur Überwinterung zu erkennen. Im Winter, wenn kein Laub an den Bäumen hängt, werden jagende Rotmilane im Wald zunehmen - davon gehen die Vogelschützer aus. Und damit wären sie durch Windkraftanlagen im Wald verstärkt gefährdet.

Gewaltig ist die Zahl, die die Kartierer für den Kranichzug ermittelt haben: An 34 Zugtagen zwischen September und Dezember wurden über 105.000 Kraniche gezählt. Diese Zahl, so erklärte HGON-Arbeitskreisleiter Arno Werner, rechtfertige die Einstufung des Stölzinger Gebirges als überregional bedeutsamen Zugkonzentrationskorridor. Die Vogelschützer fordern nun die Anerkennung als Schutzgebiet für das Stölzinger Gebirge.

Windkraftanlagen in Wald und in Offenland können mit ihren Rotoren, die eine Sogwirkung erzeugen, Vögel töten. Der Rotmilan ist besonders gefährdet, weil er quasi zu den Profiteuren zählt. Er ist auch Aasfresser und sucht im Flug im Bereich der Windräder nach deren Opfern. Dabei kann er ebenso von Rotoren erfasst werden, erläuterte Werner. Auch für Kraniche bestehe ein erhebliches Kollisionsrisiko, da sie den Höhenzug Franzosenstraße meist niedrig, in Höhe der Windräder überflögen.

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