Ministerium spricht weiter von Einzeltieren

Vier Schafe bei Dens gerissen - Laboruntersuchung bestätigt: Es war ein Wolf

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Der Besitzer: Landwirt Christof Schäfer.

Erneut sind im Kreis Hersfeld-Rotenburg mehrere Schafe auf einer Weide getötet worden. Wieder kommt bei dem Vorfall im Nentershäuser Ortsteil Dens der Wolf als Übeltäter in Frage.

Update am 15.10.2019 um 10.17 Uhr - Die Untersuchung eines Gutachters des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie hat nun ergeben: Es war tatsächlich ein Wolf, der mehrere Schafe bei Dens gerissen hat. 

Eine Genetikprobe war nach dem Vorfall an das Labor für Wildtiergenetik, dem deutschen Referenzzentrum für die Wolfsgenetik in Gelnhausen, geschickt. Das Labor wird nun weitere Analysen durchführen, um die Herkunft des Wolfes zu ermitteln.

Besitzer vermutet Wolfsangriff: Vier Schafe bei Dens gerissen

Update am 8. Oktober, 15.54 Uhr - Landwirt Christof Schäfer hat am Freitag die Kadaver von dreien seiner Tiere gefunden, ein viertes musste eingeschläfert werden – und mehrere sind verletzt.

„So wie die Tiere zugerichtet waren, war da ein Profi am Werk. Ein Wolf, kein Hund“, vermutet der 46-Jährige. Die vom Land Hessen eingesetzten ehrenamtlichen Rissgutachter Dr. Wolfgang Fröhlich und Gerhard Becker kamen nach Dens und nahmen Genproben. Das Ergebnis wird aber wohl einige Wochen auf sich warten lassen.

War es der Wolf? An dem Kadaver dieses Schafs sind deutliche Fraßspuren zu sehen.

Der Landwirt, der hauptsächlich vom Ackerbau lebt, hat schon Konsequenzen gezogen. Seine rund 140 Schafe sind nun im Stall und sollen dort bis zum Frühjahr bleiben. Wie es dann weitergeht, ist offen. „Ich hänge an den Schafen. Aber ob ich wieder so viele auf die Weide bringe, weiß ich noch nicht. Ich will auch ruhig schlafen können.“

Der wirtschaftliche Schaden hängt von der Zahl der Fehlgeburten bei den Schafen ab

Vorstellbar sei, die Herde zu verkleinern und nur noch in der Nähe des Hauses weiden zu lassen. Der wirtschaftliche Schaden des Vorfalls hält sich in Grenzen, wenngleich der 46-Jährige sagt: „Wie schlimm es ist, sehe ich erst, wenn die Lämmer geboren werden.“ Schäfer hat Angst vor Verlammungen – so werden Fehlgeburten bei Schafen genannt. Sie können durch Stress verursacht werden.

„Wenn ich 50 Lämmer verliere, wäre das eine Katastrophe.“ Außerdem hat der 46-Jährige Bedenken, dass bei Wolfsangriffen seine Tiere ausbrechen könnten – für etwaige Schäden müssen dann gegebenenfalls die Halter aufkommen, wenn als Ursache kein Wolfsangriff nachgewiesen wird.

Der Zaun des Landwirts rund um die elf Hektar große Weide ist per Definition nicht wolfssicher. Eine Entschädigung wird er deswegen wohl nicht erhalten. Seine Weiden mit sogenannten wolfssicheren Zäunen zu schützen, würde mehrere tausend Euro kosten und wäre sehr aufwändig. 

"Gibt es hier in zehn Jahren noch Weidetierhaltung?"

Neben seinen persönlichen Sorgen treiben den Mann vor allem grundsätzliche Fragen um: „Wenn wir zum Wolfsgebiet werden – gibt es hier dann in zehn Jahren noch Weidetierhaltung? Ist der Schutz des Wolfs so wichtig, dass man die Landschaftspflege dafür opfert? Was passiert dann mit diesen Flächen?“

Eine bessere Unterstützung für Hobby- und Nebenerwerbsschäfer hatte Klaus-Ullrich Battefeld, Artenschutzreferent beim Hessischen Umweltministerium, nach dem Wolfsforum in Licherode Ende Juni als Arbeitsauftrag mit nach Wiesbaden genommen – für diese Gruppen fallen die Fördermittel, die meist an die Größe der Weiden gekoppelt sind, kaum ins Gewicht. „Ich kenne niemanden, der da etwas beantragt hat“, sagt Christof Schäfer.

Ob seit Battefelds Auftritt in Licherode Maßnahmen ergriffen wurden, konnte das Umweltministerium gestern auf Nachfrage unserer Zeitung bis Redaktionsschluss nicht beantworten.

19 Wolfsnachweise im Jahr 2019 in der Region

Im Jahr 2019 hat es bislang 19 Wolfsnachweise in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder, Werra-Meißner, Vogelsberg und Fulda gegeben. Bei Licherode, Ronshausen, Mittelkalbach (Kreis Fulda) und Unter-Seibertenrod (Vogelsbergkreis) wurden Schafe getötet und in einem Fall Fraßspuren an einem Kalb nachgewiesen.

In weiteren Fällen – unter anderem bei Herlefeld (Spangenberg) – wurden Rehe gerissen. Außerdem gibt es mehrere Foto-Nachweise (unter anderem Sontra-Ulfen).

Hier hat der Wolf in der Region spuren hinterlassen: Klicken Sie auf die Pfeile oben rechts, um die komplette Grafik zu sehen. 

Das Umweltministerium sagt stets, dass man von „Einzeltieren auf der Durchreise“ ausgehe, und dass sich noch keine Wölfe in Hessen ortsfest niedergelassen, geschweige denn als Paare oder Rudel zusammengefunden hätten. Davon gehe man auch weiterhin aus, sagte eine Sprecherin am Montag. 

Bei unserer Zeitung hatten sich im Sommer mehrere Augenzeugen gemeldet, die bei Rotenburg, Ludwigsau und Knüllwald ein Paar beobachtet haben wollen. Nach einem Riss bei Iba brachte ein Gentest zwar kein Ergebnis, ein Wolfsriss ist aber wahrscheinlich.

Als Reaktion auf diesen Artikel meldete sich am Dienstag ein weiterer Zeuge bei unserer Zeitung, der berichtet, dass er im Raum Imshausen, Gilfershausen, Iba bereits dreimal Wölfe gesichtet hat. In einem Fall sei es ein Paar zweier junger Wölfe gewesen. 

Nach Erscheinen dieses Artikels hat das Hessische Umweltministerium die Anfrage unserer Zeitung bezüglich der Unterstützung für Hobby- und Nebenerwerbsschäfer beantwortet. „Da die Bundesregelung zur Förderung der Tierhaltung noch nicht abgeschlossen ist, können wir auch noch nicht unsere Position bestimmen“, teilte eine Sprecherin mit. Es bestünden Finanzierungsabhängigkeiten zwischen Bund und Land.

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