Jahrestag: Franz Brandl rettete zwei Kumpel in Nentershausen aus dem Schacht

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Franz Brandl an seinem 74. Geburtstag am 17. Februar 2000: Für unsere Zeitung hatte er das Bundesverdienstkreuz und die Urkunde noch einmal aus dem Schrank geholt.

Nentershausen. Vor 65 Jahren hat Franz Brandl zwei Kumpeln in Nentershausen das Leben gerettet - und wurde der erste Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Es ist dunkel und eng. 460 Meter unter der Erde werden 68 Bergleute auf dem Weg zur Nachtschicht von einem Wassereinbruch im Kupferschacht in Nentershausen überrascht. Da sie noch nicht ganz unten sind, können sie sich retten. Aber die drei Kumpel Heinrich Meister, Franz Brandl (beide aus Nentershausen) und Karl Zdralek aus Cornberg sind noch unter Tage.

Hans-H. Schmidt

200 Kubikmeter Wasser pro Minute strömen am 25. November 1950, vor 65 Jahren, in den Reichenbergschacht. Doch Fördermann Brandl bringt seine Kameraden hoch. Er kehrt um und warnt sie, obwohl er weiter oben ist. Hilft den beiden, schleppt auf den letzten Metern sogar einen von ihnen.

„Sie hatten uns schon aufgegeben“, erinnerte er sich im Gespräch mit HNA-Redaktionsleiter Manfred Schaake anlässlich seines 74. Geburtstages im Februar 2000. „Als wir lebendig oben ankamen, gab es ein Riesengeschrei vor Freude.“

Ein Held 

Gestorben ist Brandl im Alter von 81 Jahren im Jahr 2008 in Nentershausen. Als Held. Ein solcher war er nicht nur für seine zwei Kameraden, die lange vor ihm gestorben sind. Nicht umsonst hat er als erster Deutscher das Bundesverdienstkreuz erhalten.

„Das hat mir Theodor Heuss überreicht“, blickte Brandl stolz auf die Begegnung mit dem damaligen Bundespräsidenten zurück. Beim Gratulieren habe Heuss zu ihm gesagt: „Das kommt von Herzen.“ Dennoch hat der bescheidene Mann das Kreuz nie in der Öffentlichkeit getragen. „Ich brauch’ das auch nicht.“

Wichtiger war ihm, dass er und seine Kumpel überlebt haben. „Ich denke dankbar zurück“, sagte Brandl, „es war Gottes Fügung. Und noch viele Jahre ging mir durch den Kopf, welch großes Glück wir hatten.“

Umdenken 

Dieses Ereignis hat zu einem Umdenken im gesamten Kupferschieferbergbau im Richelsdorfer Gebirge geführt. Das berichtet Hans-Heinrich Schmidt. Der 84-Jährige lebt mittlerweile in Taunusstein. Vor 65 Jahren hat er in der Mittagsschicht im Reichenbergschacht gearbeitet. „1955 wurde der letzte Kupferschieferschacht geschlossen“, sagt Schmidt. Die Gefahr für die Bergleute sei einfach zu groß gewesen. Das habe die Novembernacht im Jahr 1950 deutlich bewiesen, meint Hans-Heinrich Schmidt. Er entwickelte sich später beruflich weiter, studierte und wurde Diplom-Ingenieur.

Franz Brandl arbeitete noch bis 1955 als Bergmann, danach 30 Jahre lang im Mähdrescherbau bei Massey Ferguson in Eschwege. An Brandl hat Schmidt keine Erinnerungen mehr. „Er war in einer anderen Schicht, ihn habe ich nie persönlich kennengelernt“, sagt er.

Bekannt aber war Franz Brandl vielen Menschen. Er hatte Fernsehauftritte und Erwähnungen in Zeitungen. „Held vom Reichenbergschacht“ nannte man ihn. Brandl dazu: „Ich habe nur meine Pflicht getan.“

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