Medibus ist für viele keine Alternative 

Hausarzt in Nentershausen schließt ohne Nachfolger: Mobile Praxis soll häufiger kommen

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Der Medibus wird ab 1. April ein Mal mehr pro Woche Station in Nentershausen machen: Unser Foto entstand bei der Vorstellung des Projektes in Cornberg im vergangenen Oktober. Zu sehen sind von links Arzthelferin Simone Richter, Dr. Matthias Roth und Fahrer Klaus Schneider.

Zehn Jahre lang hat Dr. Reza Nadjm alles versucht, einen Nachfolger für seine Praxis in Nentershausen zu finden. Vergeblich. Jetzt wird die Arzt-Situation vor Ort dramatisch. 

Zum 31. März schließt der Mediziner schweren Herzens seine Praxis aus Altersgründen. Damit wird auch in der Gemeinde Nentershausen die Situation der hausärztlichen Versorgung dramatisch. Dort gibt es dann nur noch eine Hausärztin.

Bis zuletzt war Dr. Nadjm bemüht, einen Nachfolger zu finden. Alle Möglichkeiten hat er genutzt – von Annoncen über die Praxis-Börse bis hin zu Treffen mit Interessenten, betont der Allgemeinmediziner auf Anfrage. Auch zu Kliniken hat er Kontakte aufgenommen. Am Ende blieb alles erfolglos.

Für die meisten Patienten ist der Medibus keine Alternative

„Der drohende Ärztemangel auf dem Land ist seit vielen Jahren bekannt. Politisch wurde zu lange zu wenig unternommen“, betont Dr. Reza Nadjm. „Nicht nur Niedergelassene, auch Kliniken suchen Ärzte. Weil sich kein Nachfolger fand, habe ich über das Rentenalter hinaus gearbeitet. Jetzt soll der Medibus die Lücke füllen.“

Für die meisten seiner Patienten sei das keine Alternative, sagt der Mediziner. Deshalb ist er froh, dass zwei Kollegen sich bereit erklärt haben, „hausarztlose“ Patienten aufzunehmen. „Ich danke meinen Kollegen Dr. Thomas Rühlmann aus Ronshausen und Hans-Jürgen Schell aus Rotenburg. Und ich danke meinen Patienten für das entgegengebrachte Vertrauen über die letzten 20 Jahre und wünsche allen eine baldige gute Lösung zur weiteren ärztlichen Versorgung“, sagt Dr. Nadjm.

Die mobile Arztpraxis kommt ab April auch dienstags

Auch die Gemeinde Nentershausen ist weiter bemüht, einen Nachfolger für die Praxis zu finden, berichtet Bürgermeister Ralf Hilmes. In der jüngsten Vergangenheit habe es bereits drei Gespräche mit interessierten Ärzten im Rathaus gegeben.

Außerdem hat die Gemeinde bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen angefragt, ob der Medibus öfter als bisher Station in Nentershausen machen könne. Bisher ist er dort mittwochs von 13.30 bis 17 Uhr erreichbar. Das Ergebnis der Anfrage: Ab 1. April kommt der Medibus zusätzlich auch dienstags von 13.30 bis 17 Uhr nach Nentershausen.

Bürgermeister Hilmes möchte erreichen, dass der Bus ein Mal pro Woche auch vormittags kommt. „Zur Blutentnahme zum Beispiel muss man nüchtern erscheinen. Das ist Patienten nachmittags nicht zumutbar“, sagt der Bürgermeister. Er hält die Lage der ärztlichen Versorgung in Nentershausen ab 1. April für dramatisch. „Wir haben dann statt zwei Ärzten nur noch einen – eine Reduzierung um 50 Prozent“. Der Bedarf für zwei Ärzte sei aber da. „Das belegen die Zahlen“, sagt Hilmes. „Der Medibus kann nur eine vorübergehende Notlösung sein. Wir brauchen einen zweiten Arzt in Nentershausen.“ Der Medibus sei sieben Stunden vor Ort. „Das kann keinen Arzt ersetzen, der fünf Tage in der Woche arbeitet – einschließlich Hausbesuche“, betont Hilmes.

Kassenärztliche Vereinigung: Es tut sich einiges im Hintergrund

"Auch wir stufen die Versorgung in dieser Region als kritisch ein“, betont Karl Matthias Roth, der Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen. „Da wollen wir gar nicht drumherum reden.“ Es sei kein Zufall, dass das Pilotprojekt Medibus gerade in dieser Region erprobt werde. 

Im Versorgungsbereich Sontra, zu dem Sontra, Nentershausen, Cornberg und Herleshausen gehören, fehlen nach der Schließung der Arztpraxis Nadjm laut Bedarfsplan 3,5 Hausarztstellen. Der Plan sieht 10,5 Stellen für diesen Bereich vor. 

„Es tut sich aber gerade einiges im Hintergrund“, sagt Roth. Details konnte die KV aber noch nicht mitteilen. „Wir werden die Öffentlichkeit so schnell wie möglich informieren“, verspricht der Pressesprecher.

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