Nentershausens Bürgermeister im Gespräch

Ralf Hilmes im Interview: „Ich kann nicht abschalten“

Gestaltet seine Möbel fast alle selbst: Nentershausens Bürgermeister Ralf Hilmes in der Werkstatt, in der sein Vater einst als Schreiner arbeitete. Foto: Deppe

Nentershausen. Die Sommerferien gehen zu Ende. Das zweite Halbjahr beginnt, und die Bundestagswahl steht vor der Tür. Was machen eigentlich unsere heimischen Politiker in diesem Sommer? Wir haben nachgefragt, heute bei Ralf Hilmes (SPD), Bürgermeister von Nentershausen.

Herr Hilmes, jeder Möbelstück in Ihrem Haus ist selbstgebaut, an Ihrem Oldtimer werkeln Sie selbst herum, dazu die Termine als Bürgermeister. Ist Ihr Tag länger als der anderer Menschen?

Ralf Hilmes:Er ist nicht länger, aber ich stecke sehr viel rein. Ich schlafe sechs bis sieben Stunden und ansonsten wird nur gearbeitet.

Wann erholen Sie?

Hilmes: Das kann ich wohl erst, wenn ich nicht mehr im Amt bin. Ich kann nicht abschalten. Wenn ich mich mal aufs Sofa lege, bin ich gedanklich bei der Arbeit. Natürlich geht das an die Substanz.

Sie hatten in der vergangenen Woche einen Tag frei. War das Ihr Sommerurlaub?

Hilmes:Ja, ich nehme im Sommer selten Urlaub, ich mache ohnehin ungerne welchen. Außerdem sind im Sommer wegen der Urlaubszeit meine Mitarbeiter nicht da, das will ich auffangen, damit die Geschäfte laufen. Ich weiß aber auch, dass ich ersetzbar bin.

Gibt es keine anderen Orte, wo es Sie hinzieht?

Hilmes:Ich habe mal auf einer Aida-Reise gemerkt, dass mich andere Kulturen reizen. Ich war auch mal in der Ukraine, das erweitert den Horizont.

Woher haben Sie Ihr handwerkliches Geschick?

Hilmes: Mein Vater war Schreiner, da musste ich schon als Kind viel helfen. Und wenn man das dann ein halbes Leben lang gemacht hat, ist das wie eine Ausbildung. Mein Ausbilderberuf als Bergmechaniker bei Kali und Salz hat natürlich auch geholfen. Das war ein lehrreiche Zeit.

Sie fahren gern mit dem Fahrrad zur Arbeit. Wenn bald der Radweg zwischen Sontra und Nentershausen eröffnet wird – werden Sie dort oft unterwegs sein?

Hilmes: Der Radweg ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit. Ich begleite den auch bautechnisch. Wenn ich mal Zeit habe, werde ich ihn auch nutzen. Auf jeden Fall aber bei der Eröffnung.

Und wenn Sie die Wahl zwischen Ihrem Fahrrad und Ihrem VW-Oldtimer hätten?

Hilmes: Dann nehme ich den Käfer. Da kann ich bei der Fahrt nämlich gute Musik hören.

Welche Musik ist das?

Hilmes: Klassischer Schlager. Wenn ich dazu mit dem Kopf wackel, schütteln Sie vermutlich Ihren. Aber ich mag Freddy Quinn und die Kastelruther Spatzen. Beim Musikhören will ich berieselt werden. Das ist tatsächlich mal ein bisschen abschalten.

Im Sommer ist es anderswo oft eher ruhig. In Nentershausen war unter anderem wegen des Regens viel los.

Hilmes:Die Probleme mit Unwettern werden immer heftiger. Vollgelaufene Keller können immer passieren, aber das hat uns sehr in Anspruch genommen. Da muss ich vor Ort sein, um zu wissen, woher das Problem rührt und die Leute zu unterstützen.

Dazu die Diskussion um die Straßenbeiträge.

Hilmes: Wir erarbeiten die Vor- und Nachteile von wiederkehrenden und einmaligen Beiträgen. Die meisten der Kommunen mit wiederkehrenden Beiträgen hatten zuvor gar keine Satzung. Da war der Weg der Einführung einfach. Wichtig ist, dass wir die Bürger über alles informieren. Von mir aus könnte man sogar eine Bürgerbefragung machen. Aber das muss das Parlament entscheiden.

Welche Projekte stehen bis Jahresende noch an?

Hilmes: Der Radweg natürlich. Die hausärztliche Versorung aufrechterhalten, Aufbau eines regionalen Gesundheitsnatzes im Zweckverband Nentershausen, Sontra, Herleshausen. Dazu kommt noch die Sanierung des Jugendheims, da sind Mittel aus dem Stadtumbau frei geworden. Da müssen wir innerhalb kürzester Zeit ran. Außerdem will ich mich um flächendeckend schnelles Internet in der Gemeinde kümmern.

Im kommenden Jahr endet Ihre zweite Amtszeit in Nentershausen. Sie machen keinen Hehl daraus, dass Sie wieder antreten wollen. Können Sie sich ein Leben ohne Rathaus vorstellen?

Hilmes: Ich bin zu jung, um daheim zubleiben. Außerdem hat dieser Job einen Suchtfaktor. Aus dieser Mühle kommt man nicht mehr raus. Ich denke schon darüber nach, wie es ist, wenn ich mal nicht mehr diese vielen Termine habe. Aber müde bin ich noch lange nicht. Ich bin ein Macher, ich will gestalten.

Die Kollegen in Rotenburg und Ronshausen treten im September ohne Gegenkandidaten an, klagen aber, dass sie keine Konkurrenz haben, mit der sie sich messen können. Würden Sie sich das auch wünschen?

Hilmes: Ich habe keine Angst davor, mich mit jemand anderem zu messen. Ich würde den Wahlkampf aber auch alleine führen.

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