Bedenken wegen Arten- und Naturschutz

Regierungspräsidium stoppt Pläne für Windpark Nentershausen-Wildeck

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Freie Sicht: Nachdem das Regierungspräsidium Kassel den geplanten Windpark Nentershausen-Wildeck gestoppt hat, werden vorerst keine Windräder den Blick vom Premiumwanderweg 18 an der Hohen Süß in Richtung Monte Kali stören.

Das Regierungspräsidium Kassel hat den geplanten Windpark Nentershausen-Wildeck abgelehnt. Die Projektgegner jubeln, der Projektentwickler spricht von einer absurden Entscheidung. 

Das Regierungspräsidium Kassel (RP) hat den vom Wiesbadener Projektentwickler Abo-Wind AG geplanten Bau des Windparks Nentershausen-Wildeck abgelehnt. „Wir halten die Pläne nicht für genehmigungsfähig“, sagte RP-Sprecher Michael Conrad auf Nachfrage unserer Zeitung. Er begründete die Entscheidung mit artenschutz- und naturschutzfachlichen Bedenken.

Würden die insgesamt sechs geplanten Windräder auf der Fläche „HEF 15“ südlich von Süß und westlich von Richelsdorf errichtet, „bestünde ein Tötungsrisiko für Rotmilan, Graureiher und Wespenbussard“, sagte Conrad. Zudem könnten nach Ansicht der Genehmigungsbehörde Fledermäuse und Schwarzstörche „unzulässig in ihrem Lebensraum beeinträchtigt“ werden. Abo-Wind kann gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegen.

"Der riesige Aufwand hat sich gelohnt"

Die Gegner des geplanten Windparks haben das Nein aus Kassel mit Wohlwollen aufgenommen. „Wir freuen uns natürlich sehr über die Entscheidung“, sagte Wildecks Bürgermeister Alexander Wirth (parteilos) in einer ersten Reaktion. „Wir vertrauen auf das RP, dass die Ablehnung im Falle eines Widerspruchs wenig Angriffsfläche bietet.“

Auch in Nentershausen, wo Abo-Wind gleich fünf der rund 240 Meter hohen Windräder aufstellen wollte, begrüßte Bürgermeister Ralf Hilmes (SPD) die Entscheidung. „Der riesige Aufwand, sachliche Argumente gegen eine Errichtung zusammenzutragen, hat sich gelohnt“, sagte Hilmes. „Ich habe allerdings auch mit so einer Entscheidung gerechnet.“ Er lobte auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wildeck und bedankte sich bei allen Mitstreitern, die Einwendungen gegen die Pläne eingereicht hatten.

Haupteinwender waren neben den beiden Gemeinden auch die Bürgerinitiative „Rettet das Richelsdorfer Gebirge“, betroffene Anwohner sowie drei klageberechtigte Umweltverbände: die Naturschutzinitiative, die Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal und der Nabu-Landesverband, vertreten durch den Kreisverband Hersfeld-Rotenburg und die Gruppe Obersuhl. Dieter Gothe vom Nabu freute sich, dass die Arbeit der „einheitlichen Ablehnungsfront“ nicht umsonst gewesen sei.

Ob der Projektentwickler Rechtsmittel einlegt, ist noch offen

Der Windpark Nentershausen-Wildeck wird von Projektentwickler Abo-Wind bereits seit 2015 geplant. Die Wiesbadener haben das Projekt inzwischen an die Trianel GmbH verkauft, die den Windpark betreiben will. Trianel ist ein Zusammenschluss von Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern.

Sprecher Alexander Koffka kritisierte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass das Kasseler Regierungspräsidium den Bau der Windräder abgelehnt hat, und sprach von einer „absurden Entscheidung“. Abo-Wind habe extra einen Gutachter mit einer sogenannten Raumnutzungsanalyse beauftragt, der aufgezeigt habe, in welchen Bereichen etwa Rotmilane vorkommen. „Wir bleiben dabei: Der Windpark ist aus unserer Sicht genehmigungsfähig.“ 

Ob Abo-Wind gegen das Nein des RP Rechtsmittel einlegen wird, steht noch nicht fest. „Wir werden das intern und natürlich auch mit dem Betreiber Trianel besprechen“, sagte Koffka am Freitag.

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