Landkreis Hersfeld-Rotenburg: Nazis wollen vom Dorf aus Städte erobern

Bad Hersfeld. Unter Polizeischutz fand am Donnerstagabend eine Informationsveranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) über Rechtsextremismus im Bad Hersfelder Buchcafé statt. Grund: Im Vorfeld hatte es zwei Drohungen aus der rechten Szene gegeben, die Veranstaltung zu stören.

Bei dem Abend unter dem Motto: „Kein Platz für Nazis“, referierte Politologin Kirsten Neumann vom Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus vor 50 Besuchern über rechtsextreme Strukturen im Kreis.

„Die Parole der NPD lautet, die Städte vom Land aus zu erobern“, erklärte Neumann. Auch aus ländlichen Gemeinden des Kreises Hersfeld-Rotenburg gebe es vermehrt Hinweise auf rechtsextreme Aktivitäten. Bei dem Neo-Nazi-Aufmarsch in Dresden vor einem Jahr waren Kameradschaften und rechte Gruppierungen mit Hersfelder-Transparenten unterwegs. Auch die NPD trete im Kreis offen auf. Ihr Vorsitzender sei ein Speditionskaufmann aus Bad Hersfeld.

Auch jugendliche Teilnehmer der Veranstaltung berichteten über Pöbeleien, Einschüchterungsversuche oder rechtsextreme Schmierereien.

Kirsten Neumann appellierte an die Bevölkerung, rechtsextreme Tendenzen nicht unter den Teppich zu kehren. „Viele Menschen haben Angst, den Mund aufzumachen, weil sie fürchten, in ihren Gemeinden als Nestbeschmutzer zu gelten“, sagte sie. Dennoch können die Mobilen Beratungsteams nur auf Wunsch der betroffenen Bürger und Gemeinden aktiv werden.

Nach Polizeiangaben ist die Zahl der politisch motivierten Straftaten im Kreis im hessenweiten Vergleich gering. Überwiegend handele es sich um Propagandadelikte wie etwa Hakenkreuzschmierereien, erklärte Polizeisprecher Manfred Knoch. Politisch motivierte Gewaltdelikte habe es im Kreis seit Jahren nicht mehr gegeben.

Die Veranstaltung verlief ohne Störung. Allerdings hatte nach Angaben des DGB eine Teilnehmerin unter den Anwesenden einen Neonazi erkannt, dies aus Angst aber erst im Nachhinein mitgeteilt.

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