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Neubau für rund 7,2 Millionen Euro: Standortfrage für Ronshausens Feuerwehr ist geklärt

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Von: Sebastian Schaffner

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Nicht mehr zeitgemäß: Das alte Feuerwehrhaus am Steinweg entspricht nicht mehr den Vorgaben. Deshalb muss die Gemeinde ein neues bauen.
Nicht mehr zeitgemäß: Das alte Feuerwehrhaus am Steinweg entspricht nicht mehr den Vorgaben. Deshalb muss die Gemeinde ein neues bauen. © Sebastian Schaffner

Nach wochenlanger, teils hitzig geführter Diskussion steht der Standort für das neue Feuerwehrhaus in Ronshausen fest. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wo kommt es denn nun hin, das neue Feuerwehrhaus?

Ganz in den Westen Ronshausens. Der 3400 Quadratmeter große Standort „In der Au“ liegt zwischen der Landesstraße 3251 (Bebra – Wildeck) und dem Aueweg. Geplant ist eine direkte Anbindung an die Landesstraße.

Was soll der Neubau kosten?

Kalkuliert sind 7,2 Millionen Euro – für eine Gemeinde mit 2350 Einwohnern eine stolze Summe. Bürgermeister Markus Becker (CDU) geht davon aus, dass eine Investition ohne Fördergeld dazu führen könnte, dass die Grundsteuersätze um 244 Prozentpunkte steigen müssten, um die Kosten über 50 Jahre abzuschreiben. Kreisbrandinspektor Marco Kauffunger geht aber davon aus, dass Fördergeld fließt. Die Antragsfrist läuft am 31. August ab. „Das schaffen wir jetzt noch“, sagte Becker nach der Entscheidung sichtlich erleichtert. Wie hoch die Förderquote sein wird, lässt sich laut Kauffunger noch nicht seriös abschätzen.

CDU, WGR und FDP, die zusammen die Mehrheit im 15-köpfigen Parlament hätten, hatten ursprünglich vor, die Entscheidung noch einmal zu vertagen. Warum kam es nicht dazu?

Weil CDU-Chef Markus Hempel in letzter Minute, nach einer Sitzungsunterbrechung, verkündete, den Fraktionszwang aufgehoben zu haben, da es intern unterschiedliche Meinungen gebe. Das Ergebnis: Nur einer der fünf Christdemokraten votierte tatsächlich für die Absetzung des Tagesordnungspunkts, vier enthielten sich. Bei der Standort-Abstimmung votierte die SPD geschlossen (sieben Sitze) und vier CDU-Abgeordnete für „In der Au“. Dafür gab es Applaus von den zwei Dutzend Zuschauern – hauptsächlich Feuerwehrleute.

Warum wollten WGR, FDP und CDU die Entscheidung nochmals vertagen?

WGR-Chef Reinhard Brandau hatte eingangs argumentiert, dass es der Feuerwehrkommission gelingen könne, einen noch besseren Standort beispielsweise in der Ortsmitte zu finden. Die Einhaltung der gesetzlichen Hilfsfrist von zehn Minuten nach Alarmierung sei sowohl bei „In der Au“ als auch beim zweiten potenziellen Standort „Nöstenbach“ ganz im Osten Ronshausens „höchst anspruchsvoll“, so Brandau. Zudem hätten sich in den vergangenen Monaten Eigentumsverhältnisse von Grundstücken im Ort verändert, sodass es nun neue Möglichkeiten gebe. „Die nächste Antragsfrist für Fördergeld wäre der 31. August 2023. In der Zeit wird es der Kommission gelungen sein, einen wesentlichen günstigeren Standort zu finden“, versprach er. Markus Hempel wies darauf hin, dass „Nöstenbach“ 400 000 Euro weniger kosten würde: „Wir reden hier über eine immense Steuerbelastung“.

Was waren die Argumente für „In der Au“?

Aus fachlicher Sicht sei dieser Standort der beste und problemlos genehmigungsfähig. Da waren sich Kreisbrandinspektor, Feuerwehr und letztlich auch der Bürgermeister einig. Die SPD, die „In der Au“ ohnehin favorisiert hatte, hatte zuvor noch einmal für den Standort geworben. Petra Möller warnte davor, sich gegen die Expertise der eigenen Feuerwehr zu stellen – wohl nicht ganz unberechtigt, Gemeindebrandinspektor David Ehmer hatte zwischenzeitlich gar an Rücktritt gedacht. „Springen Sie über Ihren Schatten, wir haben es beim letzten Mal auch getan“, rief die Sozialdemokratin CDU, WGR und FDP zu. Worauf sie damit anspielte: Die SPD hätte vor drei Wochen „In der Au“ durchwinken können, da sie an dem Tag die absolute Mehrheit hatte – letztlich billigten die Genossen aber den Wunsch der anderen Fraktionen, erst noch ein kurzfristig beauftragtes Gutachten abzuwarten. SPD-Fraktionschef Matthias Tobi machte seinen Unmut über den Konkurrenz-Antrag zum erneuten Vertagen daher auch Luft und sprach von „Verarschung“.

Was steht drin im Gutachten?

In seinem Fazit schreibt Brandschutz-Gutachter Patrick Kniest den entscheidenden Satz, dass „eine Hilfsfrist zu jeder Tag- und Nachtzeit nur vom Standort „In der Au“ mit rechnerisch 15 und erfahrungsgemäß acht bis neun Mitgliedern gehalten werden“ könne. Deshalb stand der andere Standort am Nöstenbach letztlich auch nicht mehr zur Debatte.

(Sebastian Schaffner)

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